Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

RUB bietet Burschen Bühne

Die Verbindung Verein Deutscher Studenten Breslau-Bochum lässt am Nordring 70 die Fahne raushängen. (Foto: ska)

21.05.2015 08:26 - Simon Kaupen

Hofiert die Ruhr-Universität Bochum rechte Burschenschaften? So lautet der Verdacht der Grünen Hochschulgruppe (GHG) gegenüber dem Rektorat der RUB. Zum 50-jährigen Jubiläum der Hochschule organisiert die Universität am 6. Juni eine Festmeile, genannt „Blaupause“. Nach dem Vorbild des „StillLeben Ruhrschnellweg“ im Kulturhauptstadtjahr 2010 auf der A40 wird die RUB fünf Kilometer Universitätsstraße sperren und 1.200 Tische aufbauen lassen. An diesen Tischen können sich Initiativen, Gewerbe und Lokalgrößen präsentieren. Aber eben auch rechte Studentenverbindungen - Ein Politikum.




„Es wäre ein Leichtes, zu sagen, dass diese Gruppen dem Selbstbild der RUB widersprechen und somit nicht kommen dürfen. Aber Rückgrat gegenüber rechten Gruppen scheint die Unileitung nicht zu besitzen“, lautet der Vorwurf, den die GHG auf ihrem Facebook-Auftritt formuliert. Sie zeigt sich schockiert, dass verschiedene Burschenschaften auf der Blaupause der RUB einen Stand bekommen sollen und damit ihr reaktionäres Gedankenbild verbreiten können. „Die Ruhr-Universität zählt zu ihren Leitlinien, menschlich und weltoffen zu sein. Trotzdem erlaubt sie diesen sexistischen und häufig rassistischen Burschen sich zu präsentieren“, so die Hochschulgruppe weiter.

Aber warum dürfen Studentenverbindungen, die vor allem für ihren kategorischen Auschluss von Frauen und die Anschlussfähigkeit an rechte Kreise bekannt sind, auf der Festmeile Werbung für sich machen? „Eine Bitte der studentischen Senatsfraktion, die Verbindungen von der Veranstaltung auszuschließen wurde mit Verweis auf die Streckenordnung abgelehnt“, erklärt die GHG, die auch einen Tisch auf der Blaupause haben wird. Dort sei kein Ausschlussgrund in der Beschreibung der zugelassenen Personenkreise genannt, so der Rektor gegenüber der Hochschulgruppe. In der Haus- und Streckenordnung der Blaupause heißt es dazu: „Der Veranstalter duldet keine fremdenfeindlichen, rassistischen, gewaltverherrlichenden, antisemitischen, links-, ausländer- und rechtsextremen oder jugendgefährdenden Tendenzen“. Hier werden in Anlehnung an die viel kritisierte Extremismustheorie und den Verfassungsschutzbericht linke sowie rechte Gruppen nicht auf der Veranstaltung zugelassen. Auschlussgründe von der Veranstaltung sind laut RUB politisch typische Bekleidung, Fahnen, Propagandamaterial und Ausrufe.

Schwarz-weiß-rot – „rechtsextrem“?


Derzeit kündigen vier Studentenverbindungen an, einen Stand auf der Festmeile zu organisieren. Dazu zählen die Katholische Studentenverbindung Saxo-Thuringia, der Corps NeoBorussia, die Landsmannschaft Ubia Brunsviga Paleomachia und der Verein Deutscher Studenten Breslau-Bochum. Letztere und der katholische Männerbund sind nichtschlagende Verbindungen, in den anderen beiden gehört das Akademische Fechten zur verpflichtenden Übung. Wie die Streckenordnung der RUB beim zugelassenen Verein Deutscher Studenten Breslau-Bochum (VdSt) umgesetzt werden soll, ist bislang unklar. Die Vereinsfarben der Verbindung sind seit der Gründung schwarz-weiß-rot, die offiziellen Nationalfarben des Kaiserreichs wurden während der Weimarer Republik vor allem von republikfeindlichen, nationalistischen Strömungen getragen. Heute laufen vor allem Neonazis, die sich ein Großdeutschland und den Nationalsozialismus zurückwünschen, wieder mit schwarz-weiß-roten Fahnen auf Demonstrationen auf. „Die Hausordnung war uns eh schon viel zu liberal, wir freuen uns aber zu hören, dass eine traditionsreiche Studentenverbindung die freiheitlichen Werte verteidigt“, sagt Denise Welz von der Satire-Liste B.I.E.R. zu diesem Widerspruch.

AfD und Antifeministin beim VDST

Am Nordring 70 in Bochum sitzt der, unter den auf der Blaupause vertretenen Verbindungen, derzeit am offensten rechts auftretende Zusammenschluss. Beim VDSt Breslau-Bochum flattert die schwarz-weiß-rote Fahne im Wind, hinter den Mauern bietet der Verbund zahlreichen neu-rechten Redner*innen eine Plattform. Mit Alexander Röhlig, Student an der RUB, ist hier auch ein Redakteur des identitären Web-Blogs „Blaue Narzisse“ zuhause. Das Pegida-nahe Magazin wettert gegen die drohende Islamisierung und Überfremdung. Im vergangenen Jahr durfte der AfD-Politaktivist Andreas Lichert und die bekennende Antifeministin Birgit Kelle im VDSt-Haus referieren.

Nicht nur das Rektorat steht für seinen Umgang mit der Thematik in der Kritik: Auch die vom Allgemeinen Studierendenausschuss herausgegebene Bochumer Studierendenzeitung (BSZ) findet in ihren letzten Ausgaben warme Worte für die Männerbünde. BSZ-Redakteur Alexander Schneider schreibt in einem Kommentar: „Frauen haben eigene Fitnesstudios oder autonome Referate, genauso wie Männer vielleicht ihre Verbindungen mit Verbandstreffen. Und warum sollte ersteres nicht weniger diskriminierend sein als letzteres?“. Auch Redakteur Marek Firlej dürfte bei den Verbindungsbrüdern mit seinem wohlmeinenden Erfahrungsbericht über einen Besuch bei der Ubia Brunsviga gepunktet haben, indem er auch die Oppositionslisten für ihre vermeintlich einseitigen Vorwürfe kritisiert. Die GHG kontert: „Diejenigen, die Verbindungen bekämpfen, nicht aber die Korporierten und deren konservatives bis rechtes Gedankengut selbst, werden als vorurteilsbeladen dargestellt. Lang und breit wird behauptet, Verbindungsstudenten wären ganz normale Studis und alle Vorurteile würden nicht stimmen“. [mac/ska]

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