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STUDIUM & FREIZEIT

Prüfungsstress im Wohnzimmer

Kamera an oder aus in digitalen Prüfungen? [Foto: Magdalena Kensy]
15.02.2021 13:24 - Magdalena Kensy

Das Wintersemester neigt sich dem Ende zu. Was dem kommenden Sommersemester noch bevorsteht, ist die Prüfungsphase. Wie die mündlichen Prüfungen in der Corona-Pandemie stattfinden, wie kritisch der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) die digitalen Klausuren sieht und was Studierende vor den Prüfungen wissen sollten.

 Die dritte Februarwoche ist angebrochen und Studierende befinden sich mitten in den Vorbereitungen der Klausuren. Durch das Coronavirus ist die Unwissenheit darüber, wie die Klausuren ablaufen werden, deutlich gewachsen. Normalerweise übernehmen Dozierende die Weitergabe der Informationen über alles Prüfungsrelevante. Doch in diesem Semester scheint der Ablauf weniger klar zu sein.Vage Antworten, ein Datum unter Vorbehalt und viele Fragezeichen sind alles, was Studierenden gerade bleibt. Ungeklärt bleiben Fragen wie: Muss ich für die Prüfung zum Campus? Wie laufen die Online Klausuren ab? Und was passiert bei einem Problem mit meinem Computer? 

Cathrin Becker, Redakteurin des Presse Ressorts in der Stabsstelle des Rektorats, versucht aufzuklären: „Das Rektorat der UDE spricht sich zum jetzigen Zeitpunkt klar für die Wahl von distanten Formaten aus und ruft nach wie vor alle Fakultäten dazu auf, die Prüfungen soweit es möglich ist, online abzunehmen.“ (Anm.d. Red.: Stand 10.02.2021)
Sollten dennoch Präsenzprüfungen stattfinden, bleibt das eine Ausnahme und muss „gut begründet sein“, so eine Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen (UDE). Studierende sollen sich demnach auf Distanzprüfungen vorbereiten, um einen „geregelten und planbaren Verlauf ihres Studiums zu garantierten“, so Becker. 

Online – aber was ist mit Datenschutz? 

Die Formen der Präsenzprüfungen sind vielfältig. An anderen Universitäten müssen Prüflinge ihren Bildschirm per Video teilen, andere müssen sich während der Prüfung filmen und teils auch den Raum. Datenschutz und die Möglichkeit des Betrugs müssen dabei gegeneinander abgewogen werden. Laut Becker gilt: „Sowohl die Identitätsüberprüfungen vor der Prüfung als auch die Videoüberwachung der Studierenden während der Prüfung sind nur dann zulässig, wenn den Studierenden eine Alternativlösung angeboten wird.“ 

In dieser Halle könnten Präsenzklausuren stattfinden

Die UDE hat auf dem Campus Duisburg eine Modulbauhalle errichten lassen, um keine externen Räume anmieten zu müssen.
 

Wenn keine Identitätsüberprüfung durchgeführt und/oder die Überwachung an der Teilnahme der Online-Klausur gewährleistet werden kann, müssen sich Studierende auf eine nachträgliche Kontrolle der Prüfungsleistung einstellen. Dies kann bei Bedarf in Präsenz am Campus geschehen. „Dabei handelt es sich nicht um eine zusätzliche Prüfung der Studierenden, sondern um die Aufklärung eines möglicherweise vorliegenden Täuschungsversuchs, wie sie auch nach Präsenzprüfungen erfolgen kann“, erklärt Becker. 
 Die UDE möchte einen geregelten Studienverlauf garantieren, dennoch wird Kritik an der Durchführung der aktuellen Prüfungsphase laut. Der fzs sieht die Entwicklung der digitalen Prüfungsformate kritisch. 

„Als vermeintliche Lösung wird hierbei auf Audio- und Videoüberwachung gesetzt, manchmal auch auf Aufzeichnungen von Bild, Ton, Augenbewegungen“, erklärt Iris Kimizoglu, Vorstandsmitglied des fzs. „Diese Art der Überwachung stellt einen erheblichen und rechtlich zweifelhaften Eingriff in Datenschutz und Privatsphäre der Studierenden dar.“ 

Die Übertragung analoger Prüfformate ins Digitale ist für den fzs keine Lösung. „Es bedarf innovativer Prüfformate wie beispielsweise Open-Book-Klausuren, Take-Home-Prüfungen oder Gruppenarbeiten, die asynchron möglich sind“, erklärt Paul Klär, ebenfalls Vorstandsmitglied. 

„Hallo? Ich kann Sie nicht hören!“ 

Das Prüfungsverfahren der Open-Book-Klausuren steht den Fakultäten frei zur Benutzung. Dabei wäre keine Überwachung erforderlich und die Gefahr des Betrugs wäre ebenfalls minimiert. Bei Open-Book-Klausuren werden Aufgaben zur Bearbeitung gegeben, wobei die Antworten und Lösungen nicht in Büchern wieder zu finden sind. Becker gibt jedoch zu bedenken, dass manche Prüfungsformate sich nicht didaktisch sinnvoll in Open-Book-Klausuren oder distante Formate übersetzen lassen. „Wichtig ist hier, dass Studierende nach einer erfolgreich absolvierten Prüfung die vorgesehenen Lern- und Kompetenzziele ohne Qualitätsabstriche wegen der Lehr- und Prüfungsbedingungen im ‚Corona-Semester‘ bescheinigt bekommen“, führt sie weiter aus. 

Bricht die Internetverbindung während der Prüfung ab, ist eine schnellstmögliche Wiederaufnahme der Videokonferenz geboten. Sollte es zu dauerhaften technischen Störungen kommt, sollten Fotos oder Screenshots alles dokumentieren. Dadurch kann nachträglich die Situation durch die Prüfenden bewertet werden. Somit kann die Prüfungen zu einem späteren Termin nachgeholt oder fortgeführt werden.  
Sollte jedoch der Verdacht bestehen, dass ein Prüfling die Videokonferenz während der Prüfung nachweisbar und willentlich abbricht, wird die Note „nicht ausreichend“/ „nicht bestanden“ vergeben. 
 
Wir wünschen allen eine erfolgreiche Prüfungsphase! 
 

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