Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Patatas Bravas und Bratkartoffeln

Feuer für die Grauen Zellen: Patatas Bravas. (Foto: lenz)

12.12.2015 09:00 - Lorenza Kaib



Bewerben, angenommen werden, organisieren, Flugzeug besteigen, ankommen. Nach diesen Tätigkeiten beginnt das Einleben und der Stress für Erasmus-Studierende hat noch lange kein Ende genommen. Neben all den verlockenden unentdeckten Orten, neuen sozialen Kontakten und Freizeitaktivitäten steht ja auch das Studium an. Wie studiert es sich in Spanien, wie ist es im Vergleich um die Studienbedingungen in Deutschland bestellt? Ehemalige und aktuelle Erasmus-Studierende aus beiden Ländern ziehen ein vorläufiges Fazit.

Linda und Franka studieren International Sustainability Studies – eigentlich in Lüneburg. Im Februar haben sie das beschauliche Städtchen gegen Barcelona eingetauscht, zurück geht es für sie noch in diesem Monat. Als Erasmus-Studierende*r hat man in mancher Hinsicht mehr Freiheiten. So konnten die beiden etwa Kurse aus allen Semestern auswählen. Spanische Studierende verbleiben normalerweise im eigenen Semester. „Wir sind im zweiten Semester hier angekommen; haben dann erst das zweite und dann das erste gemacht, was sehr untypisch ist“, erzählt Linda. Diese Wahlfreiheit hat jedoch auch ihre Schattenseiten: Es ist schwieriger, Kontakte zu anderen Studierenden zu knüpfen. Eine Möglichkeit, gleich am Anfang viele Menschen kennen zu lernen, bieten an deutschen Unis die O-Wochen, die es hier auch gibt. „Es gab eine International Welcome Week, von der wir uns aber alle mehr erhofft hatten. Wir haben es mit unserer Welcome Week in Deutschland verglichen, wo es auch darum ging, Leute kennen zu lernen und Aktivitäten stattfanden, bei denen Kontakte geknüpft werden konnten. Hier war es einfach nur ein Informations-Input, das meiste davon auf Spanisch – viele Studierende konnten noch kein Spanisch, als sie hier ankamen und haben nichts verstanden“, erklärt Franka.

Die eigenen Sprach(un)kenntnisse tragen maßgeblich dazu bei, wie schnell man in einem neuen Umfeld ankommt und wie wohl man sich fühlt. So waren für Linda die ersten Erfahrungen mit der neuen Uni davon geprägt: „Zuerst einmal der ganze Sprachmix aus Catalàn, Spanisch und Englisch und der Campus, der eine eigene kleine Stadt darstellt .─Es war schwer, sich zurechtzufinden.“ Beide hatten sich auf ihre Erasmus-Zeit mit einem ein Jahr andauernden Catalàn-Kurs vorbereitet.

Das universitäre Gefüge haben die beiden Studentinnen im Bezug auf die Methoden und Organisation als sehr anders wahrgenommen: „In Deutschland verbindet man mit Studium eigentlich Vorlesungen, also riesige Massenveranstaltungen. Hier ist es viel verschulter: in einem Kurs sitzen meist 35 Leute, das wird dann schnell zu einem Schüler-Lehrer-Verhältnis. Das Positive ist, dass alles ‚enger‘ ist und man sich zum Beispiel weniger scheut, bei Unklarheiten nachzufragen“, erzählt Franka. Ihre Freundin Linda ergänzt: „Es werden hier unwahrscheinlich viele Gruppenarbeiten gemacht und auch teilweise einzelne Blätter ausgeteilt, was man auch eher aus der Schule kennt“.

Statt wie an deutschen Unis die anstrengendsten Teile des Studiums an das Ende der Vorlesungszeit oder in die Vorlesungsfreie Zeit zu packen, ist man in Spanien durchgehender beschäftigt: „Was ich angenehm finde ist, dass man hier im Semester mehr zu tun hat — selten gab es mal drei Wochen, in denen nichts abzugeben war. Dafür ist die Vorlesungsfreie Zeit komplett frei ist. In Deutschland hat man dann ja noch diese Hausarbeit und das Abgabedatum anstehen“, berichtet Linda. Die so freigehaltene Zeit kann zum Reisen und Erkunden anderer Städte gut genutzt werden.

Finanzieren geht über Studieren


Auch Ramón hatte zwei Jahre lang einen Deutsch-Kurs besucht, bevor er das vergangene Sommersemester in Köln studierte. Der 22-jährige Linguistik-Student traf die Entscheidung, wo er sein Auslandssemester verbringen wollte, aufgrund seines Interesse für die Sprache und praktischen Erwägungen: „Ich hatte schon einige Zeit in Barcelona studiert und wollte neue Menschen kennenlernen und erfahren, wie es ist an einer anderen Universität in einem anderen Land zu studieren. Deutschland schien mir ein besseres Land zu sein, um dort zu leben als andere europäische Länder, wie zum Beispiel Großbritannien oder Frankreich. Die Lebenskosten sind dort geringer und ich hatte von Freunden und Leuten von der Uni gehört, dass das Leben an der Uni auch vorteilhafter sein soll. Das deutsche universitäre System ist auch besser im Bezug auf die Vergabe von Unterbringung und den Transport.“


Wer in Spanien regulär und ohne Stipendium studiert, musste dieses Jahr zwischen 757 Euro (in Andalusien) und 2.372 Euro (Katalonien) Matrícula, also Studiengebühren zahlen – Nahverkehrsticket exklusive. Die Gebühren sind jedoch nicht nur abhängig vom Studienort, sondern auch vom Fach und der Anzahl der Credits. Das System funktioniert tatsächlich so, dass man für jeden Credit-Point Geld bezahlen muss. Konsequenz: Es finden sich hier vermehrt Studiengänge, für deren Abschluss eine übertrieben hoch scheinende Credit-Points-Anzahl erbracht werden muss. Ein weiteres Ergebnis der hohen Gebühren ist laut einer Studie des Centro de Investigaciones Sociológicas (2010), dass 49,7 Prozent der Studierenden weiterhin mit ihren Eltern leben, obwohl 83,7 Prozent lieber in einer eigenen Wohnung leben würden – doch das wäre eine zusätzliche finanzielle Belastung. Die Wohnverhältnisse dürften sich in den letzten fünf Jahren aufgrund der auch in Spanien anhaltenden Wirtschaftskrise wohl eher verschlechtert haben.
Während die Studierenden im Ruhrgebiet also gegen das teurer werdenden Semesterticket demonstrieren und steigende Cafeteria-Preise bemängeln, erfreute sich Ramón des studentischen Lebens am Campus und erkundete NRW mit dem öffentlichen Personennahverkehr.

„Die Uni in Köln bot mehr extrakurikulare Partizipationsmöglichkeiten, zum Beispiel Sportkurse. In Spanien gehen viele Studierende einfach zu ihren Kursen und danach nach Hause – das war es dann. Es könnte daran liegen, dass die Uni in Köln viel größer ist oder auch an dem günstigen Essen in den Caféterias. Vielleicht machen sie das, damit die Studierenden mehr Zeit auf dem Campus verbringen“, vermutet er.

Die Lehrmethoden und Atmosphäre in Köln hat Ramón auch als nützlich und angenehm wahrgenommen: „Mir erschienen die Klassen in Deutschland sinnvoller zu sein als in Barcelona. Die Professoren sind auch gelassener und räumen mehr Freiheiten ein, so in etwa ‚Mach, was du willst und komm, wenn du willst.“ Für manche spanische Studierende dürfte diese Erfahrung neu sein, denn an vielen Universitäten wie auch in Barcelona herrscht weiterhin Anwesenheitspflicht.

Ihm ist jedoch auch aufgefallen, dass es in Deutschland schwieriger ist, in einen Kurs reinzukommen, da es viel Nachfrage aber nicht dementsprechend viel Angebot gibt. Das Phänomen ist wohl auch vielen Studierenden der Universität Duisburg Essen vertraut. Ramóns Fazit nach fünf Monaten in Köln fällt aber durchweg positiv aus: „In Deutschland zu studieren scheint vom ökonomischen Standpunkt her viel einfacher zu sein als hier. Ich würde es Freunden empfehlen – und dann am besten länger als ein Semester, vielleicht sogar für einen Masterstudiengang.“

Applaus im Seminar?

Die 20-jährige Umweltwissenschaftsstudentin Mariona ist gerade im Erasmus-Semester in Lüneburg und kann nach drei Monaten bisher auch nur Positives berichten: „Als ich zum ersten Mal zur Uni fuhr, gab es dort eine Einführungsveranstaltung für die internationalen Studierenden. Das war eine ganz andere Erfahrung für mich, da man in Deutschland viel mehr mit Präsentationen arbeitet als in Spanien. Ich finde es ziemlich gut, da ich so auch andere Lernmethoden ausprobieren kann.“ Ihre Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, liegt in ihrem Studienfach begründet: „Ich glaube, Deutschland hat eine andere Art, mit Umweltthemen umzugehen.“ Was die Lehrmethoden angeht, kann Mariona Gegenteiliges zu Linda und Franka berichten. Sie hat in Spanien vor allem Vorlesungen gehabt und entdeckt nun andere Kursformen und Arten des Lernens. „In Spanien bearbeiten alle Studierenden die ersten drei Jahre genau die gleichen Materialien und Thematiken. Hier kann ich mir hingegen die Kurse aussuchen, die mich interessieren und zudem werden sie in jedem Semester angeboten.“ Was sie sehr verwundert: „Am Ende jeder Kursstunde applaudieren die Studierenden und klopfen auf den Tisch, das ist für mich etwas merkwürdig aber auch drollig.“

AStA eröffnet Freiraum in Duisburg

Mit der „Kellerwoche“ startete am Montag, 9. April, ein vom AStA mitgetragenes Projekt: der Freiraum. Der Raum LF 016 im AStA-Keller in Duisburg ist ab Montag von 12 bis 18 Uhr für alle Studierenden geöffnet. Angedacht ist er als unkommerzieller Raum direkt auf dem Campus, in dem gechillt, gelernt oder sich ausgetauscht werden kann.
 

StuPa: Das ist ja fast wie im Kindergarten hier

Jeden Monat treffen sich 37 Parlamentarier*innen im Studierendenparlament (StuPa) der Universität Duisburg-Essen. Pünktlich wird die Sitzung gestartet, vom Allgemeinen Studierendenausschuss berichtet und über verschiedene Anträge abgestimmt. Soweit die Theorie.
 

Wo auf der Welt isset am Schönsten? In Essen.

Bis 2017 konnten Essener*innen Clips an das Team des Netzwerk Film senden. Am Sonntag wurde das erstmalig in der Lichtburg vorgeführt.
 
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