Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Parookaville, Rock am Ring, Vainstream und Nibirii: Vier Festivals, vier Mikrokosmen

Festivalvibes im Sommer

[Bild: Anna Riemen]

08.08.2019 11:33 - Anna Riemen

Parookaville und Rock am Ring zählen zu den größten Festivals Deutschlands. Auf Ersterem wird elektronische Tanzmusik gespielt, am Ring Rock bis hin zu Rap. Das mittelgroße Vainstream ist ein Metalfestival, auf dem ebenso großen Nibirii laufen Goa, Techno und Drum’n’ Bass. Unsere Redakteurin Anna Riemen hat alle vier Veranstaltungen besucht. Das war ihre Festivalsaison 2019.

Das Parookaville-Gelände liegt auf einem ehemaligen Militärflughafen in Weeze und ist wie eine kleine Stadt gestaltet: Es gibt ein Gefängnis, ein Posthaus und eine Kirche. Überall gibt es Mitmachaktionen. DJs treten in einem nachgebauten Waschsalon mit viel Badeschaum auf. In einem rappelvollen, mit Fell überzogenen Linienbus singen Leute Karaoke. Das Gelände ist verwinkelt und man benötigt einen Stadtplan, um sich nicht zu verirren. Alles wurde nach dem Motto Steampunk gestaltet und in einem einheitlichen, viktorianisch angehauchten Look gehalten.

Die Hauptbühne ist ein Koloss, dominiert von einem riesigen Luftschiff und Schlosstürmen. Das DJ-Pult mittendrin wirkt winzig. Die anderen Bühnen sind ähnlich massiv. Feuerwerk und Konfetti fliegen durch die Luft. Die Hauptanlage ist so laut aufgedreht, dass der Bass übersteuert, aber kaum jemand trägt Ohrstöpsel. Tagesbesucher*innen fluten das Festivalgelände. Der Andrang an den Tageseingängen ist so groß, dass Leute ohnmächtig werden und von Sanitäter*innen versorgt werden müssen.

Das junge Publikum ist aufwendig gestylt, wenn auch so uniform wie das Geländedesign: Frauen tragen Glitzer im Gesicht sowie die gleiche fersenlange Spitzenjacke über Croptop und Shorts, in komplett schwarz oder weiß. Die einen schießen alle zehn Sekunden Selfies. Andere wippen im Takt. Abgesehen von den Headlinerauftritten, wie Timmy Trumpet und The Chainsmokers, ist das Areal vor den Bühnen selten brechend voll. Die 85.000 Gäste verteilen sich gleichmäßig über die vielen Attraktionen auf dem Gelände.

Leute bis zum Horizont

Rock am Ring ist zum schleifenartigen Rennbahngelände des Nürburgrings zurückgekehrt: In Nischen sind zwei kleine Bühnen gelagert, am Kopf des Geländes thront die Hauptbühne. Ströme von Menschen bewegen sich wie auf einer wohlgeregelten Hauptverkehrsstraße in dieselbe Richtung. Alles ist viel rustikaler und nüchterner als die ausgeklügelte Optik beim Parookaville: Die Bühnen bestehen aus zwei Monitoren und Bannern, jeder Verkaufsstand ist beliebig gestaltet und nichts passt zueinander. Dafür ist alles ordentlich aneinandergereiht, um Platz für die breiten Hauptpfade zu lassen. In den Weg hinein ragt ein riesiger Jägermeisterhirschkopf aus Holz, darin eine Bar, in der auch Bands auftreten.

Die Aufmerksamkeit richtet sich komplett auf die drei Bühnen: Ein guter Bandauftritt lebt von Performance und um diese zu sehen, wollen sich alle einen guten Blick verschaffen. Als Die Ärzte spielen, reichen die Menschenmassen weiter, als die Frontkameras einfangen können. Hier und da öffnen sich in der Menge freie Flächen für
Rockfestivalphänomene: Leute pogen, laufen zusammen im Kreis oder tun so, als würden sie rudern. Crowdsurfer setzen sich über die Crowdsurfverbote hinweg. Die Mehrheit der 90.000 Gäste campt und ihre Garderobe ist so rustikal wie die Geländedekoration, abgesehen von einigen schrägen Verkleidungsutensilien.

Wasserschlauchregen unter glühender Sonne

Das Vainstream Rockfest findet mitten im Hansaviertel Münsters statt. Das mit 16.000 Tickets ausverkaufte Metal- und Punkfestival hat sich gegen die angekündigte Höllenhitze von weit über 30 Grad gut gewappnet: Es gibt kostenlose Wasserstellen, auch große Tetrapaks durften mit auf das Gelände genommen werden. Es gibt nicht viel Schatten, dafür einen Pool. Securitys vor den Bühnen kühlen das trotz der Witterung bewegungsfreudige Publikum mit Wasserschläuchen ab. Zwar ist der Hawerkamp Münster ein winziges Gelände für ein mittelgroßes Festival, aber der wenige Platz wurde effizient genutzt: Die beiden Hauptbühnen stehen leicht erhöht und direkt nebeneinander, auf dem ovalen Gelände sind sie von überall aus gut zu sehen. Sie werden abwechselnd bespielt: So muss sich das Publikum nur wenige Schritte nach links oder rechts bewegen, um die Bühne zu wechseln. Die geballte Zuschauermasse mit derselben Blickrichtung nimmt weniger Platz ein. In der Menge ist es überraschenderweise nicht einmal übermäßig eng. Abgeschnitten von all dem, in der Poolarea, gibt es noch eine dritte, kleinere Bühne.

Securitys vor den Bühnen kühlen das trotz der Witterung bewegungsfreudige Publikum mit Wasserschläuchen ab.

Das Line-Up bietet eine liebevolle Kombination aus internationalen Acts und nationalen Sympathieträgern, wie der Punkband Donots. Insgesamt sind 30 Bands anwesend, unter anderem auch zwei irisch-amerikanische Folk-Punk-Bands. Zu ihren Dudelsäcken, Fideln und Akkordeons schwingt dasselbe Publikum hüpfend das Tanzbein, das vorher noch zu Szene-Größen wie den Architects geheadbangt und gemosht hatte. Zwar besteht das Publikum des Tagesfestivals überwiegend aus jungen Leuten, man sieht aber auch ältere Generationen sowie Eltern mit ihren Kindern, die Lärmschutzkopfhörer tragen. Alle sind zunächst hübsch zurecht gemacht. Allerdings unterscheiden sie sich spätestens auf dem Heimweg durch die kombinierten Einflüsse von Wasserschlauch, Schweiß und Staub nicht mehr viel von den schlammigen Camper*innen am Ring.

Tanzen in Sand, Wald und See

Eigentlich ist Nibirii eine Goa-Partyreihe, die sich durch die Kölner und Dortmunder Clubs zieht. Dieses Jahr findet das Nibirii zum ersten Mal in Form eines Ein-Tages-Festivals am Dürener Badesee statt. Gespielt wird Techno, Goa-Psytrance und Drum’n’Bass, jedes Genre bekommt eine eigene Bühne. Obwohl diese Genres Nischenmusik sind und die Kombination der drei eine Sparte bedienen, die es in der Festivalwelt Deutschlands so noch nicht gibt, wurde das neue Festival gut angenommen. Der Kölner Club Bootshaus hatte das Event mitorganisiert. Unter den 30 geladenen DJs sind viele Szene-Größen, wie Pendulum, Neelix, Camo & Krooked anwesend. Das Gelände selbst hätte nicht verschiedener zum Münsterner Hawerkamp sein können: Es ist mit rund 45.000 Quadratmetern für die 15.000 Besucher*innen sehr weitläufig. 

Wald, Strand und See bilden eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen lehmigen, staubigen oder asphaltierten Festivalgrounds. Die Goa- und die Technobühne liegen jeweils direkt auf dem Strand. Im Sand unter der Sonne haben die Gäste genug Platz zum Tanzen. Der Strand mündet direkt in den Badesee, in einem überwachten Bereich darf nach Herzenslust geplanscht werden. Die kleinere Drum’n’Bass-Bühne liegt im nahen Wald; dies ist ebenfalls durchdacht, denn zum Tanzen auf härtere Musik ist ein härterer Untergrund vorteilhaft. Ausreichend Schattenplätze laden zum Entspannen ein. Auch das Design ist hübsch, wenngleich weniger protzig als beim Parookaville: Die Goa-Bühne gleicht einem Inka-Tempel, es gibt viel Feuerwerk. Auffällig ist, wie behutsam und entspannt die Besucher*innen miteinander umgehen. Einige haben leuchtende Reifen, Jonglierwerk oder Bänder zum Tanzen dabei. Das einzige Manko: Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, kostenfreies Trinkwasser zu zapfen, welche nicht einmal ausgeschildert ist.

Alle vier Festivals boten unterschiedliche Konzepte und Facetten, auf allen lief unterschiedliche Musik. Auch, wenn überall verschieden gefeiert wurde, hatte jedes doch seinen eigenen Charm und eines gemeinsam: ein jeder Wetterlage zum Trotz feierwütiges Publikum.

Antifas demonstrieren gegen Bürgerwehren in Steele

Die extrem rechten „Steeler Jungs“ genießen Bewegungsfreiheit, eine antifaschistische Demo wird im Polizei-Spalier durch Steele geführt.
 

AStA debattiert Härtefälle-Fonds

In der vergangenen Sitzung debattierte der AStA über den Fonds für Härtefallanträge.
 

Nonkonforme Prüfungen

Die Prüfungen aus den Ingenieurswissenschaften haben sich verschoben, nun sind sie nicht mehr konform mit der Prüfungsordnung.
 
Konversation wird geladen