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STUDIUM & FREIZEIT

Online-Prüfungsphase: Die UDE zieht Bilanz

Viele Prüfer:innen mussten kurzfristig auf distante Prüfungsformen umstellen.

[Foto: Sophie Schädel]

01.04.2021 09:40 - Helena Wagner

Die Prüfungsphase in diesem Wintersemester lief durch die Corona-Pandemie anders ab als gewohnt. Studierende sowie Lehrende wurden vor neue Herausforderungen gestellt. Wir haben Lehrende an der Universität Duisburg-Essen (UDE) gebeten, ein Fazit zur letzten Prüfungsphase abzugeben.

Die Rückmeldung zur aktuelle Prüfungsphase ist sowohl von Seiten der Prüfenden als auch der Prüflinge durchwachsen. Durch den andauernden Lockdown und fehlende feste Richtlinien war es lange Zeit unklar, wie die Klausurenphase organisiert wird. Bei der letzten Fachschaftenkonferenz gab es verschiedene Meinungen. Einige Fachschaften äußerten sich positiv zum Verlauf der Prüfungen und lobten besonders die technische Durchführung, andere kritisierten das Verhalten einiger Dozierender. Besonders häufig wurde in diesem Zusammenhang die Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden bemängelt. Wir haben uns weiter umgehört.

Marco Stein vom Einschreibungs- und Prüfungswesen an der UDE findet, dass die stattgefundenen Präsenzklausuren überwiegend gut funktioniert haben: „Alle Beteiligten verhalten sich fast ausnahmslos vorbildlich im Sinne der getroffenen Maßnahmen , sodass die Prüfungen so sicher wie möglich durchgeführt werden können. Problematisch bleibt die geringe Belegungsdichte einzelner Räume, um eben diese notwendigen Maßnahmen einhalten zu können.“ Bei den Onlineprüfungen sieht es jedoch etwas anders aus. Zwar hätten viele Prüfer:innen die Prüfungen auch kurzfristig auf distante Formate umstellen können und auch die Prüflinge hätten diese Formate positiv aufgenommen, doch Stein berichtet ebenfalls von Überforderungen: „Distante Formate im großen Umfang sind aber eben auch ‚Neuland‘, daher ist die Organisation und Durchführung mit viel Aufwand und neuen Herausforderungen für alle Beteiligten verbunden.“

Alles eine Frage der Bewertung

Gizem Okutucu vom Fachschaftsrat des Wirtschaftsingenieurwesen berichtet von Prüfungen, die gut umgesetzt wurden und reibungslos verlaufen seien. Das war aber nicht immer der Fall: „In einigen Fällen wurden sehr kurzfristig Rahmenbedingungen oder der Ablauf geändert. Zum Beispiel konnte man da nur noch Endergebnisse statt Rechenwegen eintragen,  oder die Klausur wurde kurz vor Termin abgesagt“, kritisiert Okutucu.

Auch während der Klausuren gab es Fehler auf Seiten der Prüfenden: „Aufgaben wurden in Einzelfällen nicht richtig angezeigt und konnten so nicht richtig gelöst werden. Das Abfragen von Endergebnissen ohne Berücksichtigung von Rechenwegen und Folgefehlern kann sich massiv auf das Ergebnis auswirken, sodass alle nachfolgenden Ergebnisse als falsch und mit 0 Punkten bewertet werden“, berichtet Okutucu. Die Aufgaben auf Papier zu lösen und dann einzuscannen, wäre laut Okutucu definitiv der bessere Weg.

Campus_Duisburg_UDE_dap.jpgDie Prüfungsphase war sowohl für Studierende als auch Prüfende eine Herausforderung. [Foto: David Peters]

Um zu verhindern, dass Studierende schummeln, war in einigen Klausuren viel weniger Zeit für ein hohes Aufgabenpensum. „Das wirkt sich nachteilig auf die Prüfungsergebnisse aus und stellt einen starken Eingriff in die Gleichbehandlung von Prüfungskolonnen dar”, betont die Fachschaftsrätin. „Die Verknappung der Zeit und die Erhöhung des Aufgabenpensums wären im Prinzip noch erträgliche Maßnahmen, wenn das in der Bewertung berücksichtigt wird.“ Dabei sei es jedoch wichtig, das vorher den Prüflingen zu kommunizieren, damit sie sich darauf einstellen können und nicht während der Prüfung in Panik verfallen: „In einigen Fällen waren Studierende so gestresst, dass sie viele Aufgaben angefangen und sich dann verzettelt haben. Der Effekt, dem Austausch untereinander keine Zeit zu geben, sollte jedoch bestehen bleiben“, konstituiert Okutucu.

Essentielle Zusammenarbeit mit dem ZIM

„Eine Festlegung der Reihenfolge der Aufgaben ohne die Möglichkeit, vor- oder zurück zu springen, kann gegen Täuschungsversuche ebenfalls helfen, ist jedoch für die Studierenden sehr stressig“, führt Okutucu weiter aus. In einigen Klausuren habe es sogar feste Zeitslots pro Aufgabe gegeben. Die Belastung der Studierenden durch diese Maßnahmen sind nicht zu unterschätzen: „Dies schränkt enorm in der Prüfung ein, da man sich keinen Überblick verschaffen kann, welche Aufgaben zu beantworten sind und welche einem vielleicht besonders liegen. Eine Umstellung von Prüfungsformaten in weniger täuschungsanfällige Formate wie Kompetenzabfrage und Transferleistungen statt Wissensabfrage wäre grundsätzlich wünschenswert. Das sollte dann aber zukünftig auch in der Lehre und insbesondere in den Übungen vorab thematisiert werden, damit man nicht in der Klausur zum ersten Mal vor so einer Aufgabenart sitzt“, fordert Okutucu.

Malte Winckler, Lehrender im Fach Mathematik, zieht für seine Klausur eine etwas bessere Bilanz. Er lobt besonders das ZIM, das Zentrum für Informations- und Mediendienste an der UDE. Das sei in der schnellen Vorbereitung der Onlineklausuren eine große Hilfe gewesen. Trotzdem sei auch bei ihm die Kommunikation ein präsentes Problem gewesen: „Schwer gefallen ist die Kommunikation zwischen Fakultäten und Prüfenden, da es lange offen geblieben ist, ob es ein Onlineprüfung wird oder doch Präsenzklausuren stattfinden können. Das hat beim Erstellen der Klausur schnelles Arbeiten erfordert.“

Auch habe sich die Täuschungsversuche klar herauskristallisiert: „Uns sind einige deutliche Täuschungsversuche aufgefallen, die in einer Präsenzklausur so nicht möglich gewesen wären. Zum Beispiel wurde versucht, große Teile untereinander abzuschreiben, sowas fällt natürlich auf. Die Studierenden hatten dann die Möglichkeit, sich dazu zu äußern und wenn ein Täuschungsversuch vorlag, wurde es auch meist direkt zugegeben“, berichtet Winckler. „Obwohl die Probeklausur etwas chaotisch gelaufen ist, sind wir mit dem Ergebnis der Klausur sehr zufrieden.”

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