Unteren Naturschutzbehörde (UNB) am Campus Duisburg über die Beweggründe der Stadt.">
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STUDIUM & FREIZEIT

Naturschutz? Noch nie von gehört!

Städtische Planung droht diese natürliche Schönheit bald abzuholzen. (Foto: Johannes Meßer)

24.01.2018 14:37 - Britta Rybicki



Lange sollten der 180 Jahre alte Wald hinter dem Duisburger Campus unberührt bleiben. Doch der Rat der Stadt Duisburg könnte mit einem neuen Flächennutzungsplan die Abholzung absegnen. In einem Vortrag am Donnerstag, 25. Januar, referiert Geologe Johannes Meßer vom Beirat der am Campus Duisburg über die Beweggründe der Stadt.

Besonders in der Klausurphase liegen die Nerven oft blank – man fühlt sich überfordert und ausgelaugt. Erwischt man mal keinen verregneten Tag, hat man zumindest am Campus in Duisburg noch die Möglichkeit, bei einem Spaziergang durch das vier Hektar große Waldstück zwischen dem Universitätsparkplatz, der Carl-Benz-Straße in Neudorf und der Autobahn A3 abzuschalten. Nur zehn Minuten zwischen Waldspaziergang verscheuchen Abgespanntheit und Erschöpfung. Das Wohlbefinden ist die eine Sache. Die ebenso positive Wirkung auf die Physis die andere. So konnte eine Umweltpsychologin von der Universität Wien feststellen, dass während eines Waldspaziergangs das Herz messbar ruhiger schlägt, der Blutdruck sinkt und die Muskeln entspannen.

Umso absurder klingt es dann, wenn man die vier Hektar Wald für Studierende schon bald effizienter nutzen wolle. Der Flächennutzungsplan entstand im Zuge der und legt fest, welche Flächen in Anspruch genommen werden sollen. „Der weitere Schritt ist dann der Bebauungsplan, aus dem hervorgeht, was dort wie bebaut werden soll“, erklärt Umweltexperte Meßer. Wird dieser einmal umgesetzt, kann man den Kahlschlag nicht mehr aufhalten. Aktuell scheint es unter den Entscheidungsträger* innen allerdings noch Uneinigkeit zu geben. Gegenüber der akduell bestätigt die Stadt Duisburg zwar, dass sie die planende Institution sei, die Fläche aber ausschließlich von der Universität Duisburg -Essen (UDE) genutzt werden könnte. Fraglich bleibt, wie diese also den Bericht schreiben, sich sonst aber jeder Verantwortung entziehen könnten. Der Aussage der Stadt zufolge müsste die UDE jedenfalls einen Bedarf bei der Stadt angemeldet haben. Auf eine Anfrage der WAZ im Jahr 2017 wies die UDE jegliche Vorhaben in diese Richtung ab.

Ignorieren des eigenen Umweltberichts

Wem genau aus welchen Gründen der Kahlschlag letztlich dienen soll, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Auch in die Planung des künftigen Parkhauses ist die Waldfläche nicht einbezogen, da die Hochgarage sich ausschließlich über den bereits bestehenden Parkplatz erstrecken wird. „Genauso kann das Waldstück auch für Dinge verwendet werden, die Studierenden nützlich sind“, sagt Meßer. Eine Definition, die womöglich alles von universitätsnahen Firmen, einem Imbiss bis hin zum Sportstudio zulässt. Besonders ärgerlich sei zudem das Ignorieren des Umweltberichts, der dem Flächennutzungsplan angehängt und vom städtischen Umweltamt erstellt wurde. Inhaltlich fasst dieser Prüfungsergebnisse der Umweltbelange zusammen. „Demnach haben die planerischen Umwidmungen einen sehr erheblichen Einfluss auf die Schutzgüter Erholung und Boden“, sagt der Geologe.

Auch die weiteren gesetzlich normierten Schutzgüter der Flora und Fauna, sowie Klima und Luft werden darin als „erheblich beeinflusst“ eingestuft. Allein beim näheren Betrachten der Funktionen eines Waldes, scheint diese Einschätzung nur logisch. „Insbesondere an der Autobahn dient der Wald als Staubfänger, Schalldämpfer und kühlt das Klima ab“, so Meßer.

Auch für bestimmte Tierarten hätte die Abholzung beeinträchtigende Folgen. „Es gibt zum Beispiel viele Arten, die in oder vom toten Holz leben – was dieser 180 Jahre alte Wald gewährleistet und eine Bebauung natürlich nicht“, sagt Meßer. Darüber hinaus würde man zwei geschützten Eulenarten ihren Lebensraum nehmen. „Bei Waldohreule und Waldkauz handelt es sich um planungsrelevante Vogelarten, bei denen man anhand spezieller Gutachten erst mal prüfen müsste, ob man die Brutstandorte überhaupt ersetzen kann.“ Schwerwiegende Konsequenzen, die alle im Umweltbericht vermerkt sind. Rein ethisch komme es einer planerische Sünde gleich. „Es handelt sich schließlich nicht um irgendein aufgeforstetes Waldstück, sondern um über hundertjährige Bäume“, betont Meßer. Denn nicht nur in Duisburg entspricht der Altwald einer Rarität.

Carlotta Behle, AStA-Referentin für Ökologie und Mobilität, empfiehlt die Veranstaltung am Donnerstag, 25. Januar, im LK 061 am Duisburger Campus: „Man bekommt Gelgenheit, sich mit der Verwandlung des Campus in der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Schließlich sind diese nicht die ersten Bäume, die der Uni weichen müssen. Dr. Johannes Meßer streitet sich am Campus schon lange über das Thema Nachhaltigkeit und kann daher viele interne Einblicke geben.“
 

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