Foto 07.04.14 11 36 32Weit verbreitet ist in der westlichen Welt das Vorurteil Muslime seien per se deutlich homophober als der Rest der Gesellschaft und homophobe Gewalt würde vor allem von ihnen ausgehen. In Duisburg findet im Rahmen der Hirschfeld-Tage am 10. Februar eine Veranstaltung zum angeblichen Gegensatz zwischen Muslim*as und Homosexuellen statt.">
Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Muslime vs. Schwule – Ein konstruierter Gegensatz

07.04.2014 13:42 - Jules El-Khatib

Weit verbreitet ist in der westlichen Welt das Vorurteil Muslime seien per se deutlich homophober als der Rest der Gesellschaft und homophobe Gewalt würde vor allem von ihnen ausgehen. In Duisburg findet im Rahmen der Hirschfeld-Tage am 10. Februar eine Veranstaltung zum angeblichen Gegensatz zwischen Muslim*as und Homosexuellen statt.

Schon der Titel "‹Muslime versus Schwule› - Karriere des konstruierten Gegensatzes“ macht deutlich, dass sowohl der Referent, Koray Yilmaz-Günay, als auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung, als Veranstalterin, nicht an diesen Gegensatz glauben. Koray hat nach jahrelanger Mitarbeit in einem Verein für türkische Lesben und Schwule, 2011 ein Buch veröffentlicht, das sich kritisch mit Ressentiments unter Homosexuellen und in gesellschaftlichen Diskursen um Homophobie und den Islam beschäftigt. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung seit dem 11.9.2001 und der damit verbundenen Stimmungsmache gegen Muslim*as.

Etablierung eines Feindbilds

Besonders in den letzten Jahren haben verschiedene Zeitungen in Deutschland mit Artikeln für Schlagzeilen gesorgt, die Muslimen eine stärkere Abneigung gegen Homosexuelle unterstellen. Der Versuch, die beiden gesellschaftlichen Minderheiten gegeneinander auszuspielen, hat besonders nach den Anschlägen vom 11. September zugenommen. Zurückblickend lässt sich sicher sagen: Ja, die Figur von der homophoben Religion Islam, von homophoben Musliminnen und Muslimen, von mehrheitlich muslimischen Ländern oder sogenannten Communities, die ein besonderes Problem mit der Akzeptanz von Homosexualität haben, ist durchgesetzt” so Koray. An der Etablierung dieses Bildes haben vor allem konservative und rechtspopulistische Kräfte mitgewirkt, die sich zu Verteidiger*innen der Rechte von Homosexuellen erklären wollten.

So zog die antimuslimische Kleinstpartei „Pro Köln“ ihre Anmeldung zum Kölner CSD erst nach massiven Protest zurück. Dabei hatte diese Partei erst wenige Jahre vorher eine Mahnwache gegen den CSD abgehalten und sich deutlich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen. In den vergangenen Jahren wurde dieses Feindbild aber zugunsten des „Kampfs gegen Muslime“ aufgegeben, wie eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zeigt. "Es ist zum Teil mehr als erschreckend, wie Debatten um Pro Köln auf dem Kölner CSD oder antischwule Gewalt im öffentlichen Raum in Hamburg, Berlin oder Frankfurt am Main geführt werden. Statt das Teile-und-Herrsche zu hinterfragen, wird das eigene Heil in der Identifikation mit der eigenen, starken, aber vor allem doch aufgeklärten Nation gesucht,” erklärt Koray und macht deutlich, dass der Strategiewandel der Rechten durchaus Erfolg habe.

Widersprüche im CDU-Wahlprogramm

Dass es auch in der CDU, die sich ebenfalls gegen die Öffnung der Ehe und mehr Rechte für Homosexuelle stellt, die Tendenz gibt Diskriminierung gegeneinander auszuspielen, zeige das Wahlprogramm der Berliner CDU von 2011. Sie "hatte genau eine Forderung im Katalog, die sich mit den Lebensrealitäten von Homosexuellen auseinandersetzte: Unter der Überschrift “Gewalt gegenüber sexuellen Minderheiten weiter auf hohem Niveau” wurde für “Sicherheit” und mit “null Toleranz gegenüber Tätern” geworben. Bei der Auswertung der Polizeidaten zu Tatmotivationen solle “besonderes Augenmerk auf Herkunft und kulturellen Hintergrund der Täter gerichtet werden,” so Koray.

Klare Absage an Rassismus benötigt

Die Idee in der queeren Szene ein Umdenken zu forcieren und den Kampf gegen Rassismus zu verstärken, dürfe nicht nur von den Aktivist*innen ausgehen, die selbst betroffen sein. Der Autor Markus Bernhardt fasst in einem Beitrag für das 2011 veröffentlichte Buch "die Hoffnung" zusammen, die man in den gemeinsamen Kampf für mehr Rechte setzt: "Es bleibt zu hoffen, dass Schwule, Lesben und Transgender sich zukünftig zunehmend an den Protesten gegen die antimuslimischen Kulturkrieger beteiligen und sich verdeutlichen, dass es im Kampf für die Gleichberechtigung aller Lebensweisen kein “Sowohl -als -auch” geben kann, da der schwul-lesbische Emanzipationskampf – übrigens nicht nur aufgrund der eigenen Verfolgungsgeschichte – unweigerlich verbunden ist mit einer klaren Absage an rassistische und faschistische Ideologien.”

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Diskussion und Vortrag:
Mit Koray Yılmaz-Günay.


Donnerstag, 10.04.2014| 18:30 Uhr


Internationales Zentrum, Duisburg, Flachsmarkt 15

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Seit den Neunziger Jahren wird das Konzept der Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit angewandt. Erfinder Wolfgang Hinte erklärt, was das ist.
 

Organspendeausweis: Eine wichtige und persönliche Entscheidung

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Unsere Autorin sagt euch, warum chronische Krankheiten und Behinderungen nicht nur die etwas angehen, die davon direkt betroffen sind.
 
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