Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Moschee unter Beobachtung

Die Khaled-Moschee an der Querenburgerstraße in Bochum [Foto: Anna Riemen]

13.05.2019 15:41 - Anna Riemen

Ende März 2019 gerieten sowohl der Islamische Kulturverein Bochum (IKV) als auch die Khaled-Moschee in Bochum ins Visier des Verfassungsschutzes. Der Grund: Verdacht auf verfassungsfeindliche Bestrebungen. Es seien dort Referenten aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft festgestellt worden, welche der Verfassungsschutz als extremistischen Personen-Zusammenschluss einstuft. Laut dem WDR teilte NRW-Innenminister Herbert Reul dies am 20. März 2019 auf Anfrage der AfD im Landtag mit. Die AfD fragte dort ebenfalls nach einer Schließung der Moschee.

Die größte Moschee Bochums und der Islamische Kulturverein der Stadt weisen die Vorwürfe entschieden von sich. „Wir stehen für einen Islam der Mitte und verurteilen jede Art von politisch oder religiös motiviertem Extremismus. Wir legen Wert auf die Tatsache, dass unsere Vereinsstatuten und Handlungen übereinstimmend mit dem deutschen Grundgesetz sind“, hieß es dazu in einer Pressemitteilung des IKV. Zur Gemeinde der Khaled-Moschee zählen auch viele Studierende: David* studiert an der Ruhr-Universität Bochum und besucht die Moschee seit zwei Monaten wöchentlich zum Freitagsgebet. Er ist, genau wie der Kulturverein selbst, der Meinung, dass die AfD „die Moschee gezielt attackiert, weil sie beliebt und die größte in Bochum ist. Sie wollen ja Angst und Hass verbreiten.“

Unter Beobachtung des Verfassungsschutzes

Der Verein kündigte vor kurzem sein geplantes Projekt „Grüne Moschee Bochum“ an, einen weitläufigen Neubaukomplex, dessen Bau innerhalb der kommenden fünf Jahre stattfinden soll. Davor soll der Moscheebetrieb in eine Zwischenunterkunft an der Castroper Straße in Bochum verlegt werden, die mehr Besucher*innen fasst. Dies habe der AfD nicht gefallen und sie habe es daher gezielt darauf angelegt, den Verein zu attackieren, ergänzt der IKV-Pressesprecher Ahmed Aweimer.

Doch was wirft die AfD dem Kulturverein eigentlich im Detail vor? In der offiziellen Pressemitteilung des IKV heißt es, die gegen den Kulturverein erbrachten Vorwürfe bezögen sich allesamt auf die Nähe zur Muslimbruderschaft, enthielten jedoch keinerlei inhaltliche Kritik an dessen Arbeit. 

Alle Referenten, die zu Bildungsveranstaltungen eingeladen würden, dienten der IKV zufolge ausschließlich der Wissensvermittlung. Der Kulturverein weist also nicht zurück, dass es Referenten bei Bildungsveranstaltungen gab, die Verbindungen zur Muslimbruderschaft hatten, verneint jedoch vehement jeden extremistischen Einfluss dieser Personen auf ihre Gemeinde. In einer kleinen Anfrage der AfD-Abgeordneten Gabriele Walger-Demolsky vom 18. Februar 2019 werden die fraglichen Referenten klar benannt: Einer der zu einer Schulung über die Biographie Mohammeds im Februar in der Khaled-Moschee eingeladenen Referenten sei „nach Ansichten der Islamismus-Expertin Sigrid H.M.“ der Vorsitzende des Rats der Imame und Gelehrten Deutschlands (RIGD), Taha Amer, gewesen. Der hessische Verfassungsschutz sieht den RIGD als Teil der extremistischen Muslimbruderschaft.

Kleine Anfrage der AfD

Die „Islamismus-Expertin Sigrid H.M“, die von der AfD zitiert wird, heißt mit vollem Namen Sigrid Herrmann-Marschall. Sie betreibt einen eigenen Blog und wird unter anderem in der Süddeutschen Zeitung von der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor scharf kritisiert. IKV-Pressesprecher Ahmed Aweimer bezeichnet sie als zentralen Auslöser für die Vorwürfe. Was die fraglichen Referenten anginge, bestätigt Aweimer zumindest eine der von der AfD angegebenen Identitäten: „Es geht um zwei Personen, die wir eigentlich als Wissenschaftler eingeladen haben. Unsere Jugendabteilung hat das gemacht. Und einer von denen ist Taha, der ist der Vorsitzende des Gelehrtenverbands in Deutschland. Und die andere ist der Leiter des legendären Islamischen Zentrums in München. [Anm. der Redaktion: Das IZM wird aufgrund seiner Verbindung zur Muslimbruderschaft vom Verfassungsschutz des Freistaates Bayern beobachtet].

„Sie wollen ja Angst und Hass verbreiten.“

Jugendliche Mitglieder der Gemeinde hätten die besagten Personen eingeladen und Hermann-Marschall habe dies zum Anlass genommen, um die gesamte Gemeinde als „Muslimbrüder“ darzustellen, so Aweimer weiter. Nachdem der Zentralrat der Muslime um ein klärendes Gespräch gebeten habe und nach Aweimers öffentlicher Stellungnahme, habe NRW-Innenminister Reul seine ursprüngliche Position, die Moschee gelte als Anlaufstelle für Personen mit islamistischen Aktivitäten, rückwirkend deutlich abgeschwächt. „Wenn diese Personen beim Verfassungsschutz so umstritten sind, dann laden wir sie einfach nicht mehr ein“, resümiert Aweimer.

Verschiedene Varianten einer Geschichte

Die umstrittenen Personen sind nicht nur Teil von als vom Verfassungsschutz kritisch eingestufter Instanzen, sondern deren Vorsteher. David* schien davon jedoch nichts zu wissen. „Was uns gesagt wurde, war, dass es sich um Gäste handelte.” Ihm zufolge sei den Gläubigen in der Predigt zum Freitagsgebet gegenüber angedeutet worden, es habe sich um Besucher der Gottesdienste gehandelt. Die Landesregierung hat auf die kleine Anfrage der AfD geantwortet, dass ihr keine Erkenntnisse zu politisch motivierten Straftaten im Zusammenhang mit der Khaled-Moschee vorlägen. [anchi]* Name von der Redaktion geändert
 

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