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STUDIUM & FREIZEIT

Mit dem sperrigen Bachelor in den Master

Foto: Britta Rybicki
20.08.2018 12:26 - Britta Rybicki

Der Übergang vom Bachelor in den Master ist ungefähr so wie ein Umzug mit einem großen, sperrigen Sofa. Man hat irgendwann einmal viel investiert, braucht es und muss schauen, wie man es am Besten aus dem alten Hausflur in den Neuen schafft. Bis es endlich da steht, wo es hingehört.

Die Beziehung zwischen Sofa und Besitzenden besteht aus sehr abwechslungsreichen Gefühlen: Einerseits hasst man es, weil es alt und hässlich ist. Andererseits ist man ganz froh über die bequeme Sitzgelegenheit. Etwas, das häufig so ist, wenn Gefühle intensiv sind. Wobei die Freude an dem abgeranzten Stoffberg auch der Gewohnheit geschuldet ist – oder vielmehr dem Stolz auf sich selbst, es noch viel zu sehr zu lieben, um es endlich dem Autonomen Zentrum eine Straße weiter zu spenden. Mit dem Bachelorabschluss ist das ganz ähnlich. Man ist froh, dass man den wertvollen Wisch besitzt, trauert dieser Lebensphase aber keine Minute hinterher. Verschenken kann man ihn nicht. Zum Wegschmeissen sind die zwei bedruckten Papierseiten wie das Sofa auch viel zu teuer gewesen.

So respektvoll zugewandt war man dem Sofa aber nicht immer. Die zahlreichen Brandlöcher, Fettflecken und der Biergeruch verraten, wie knapp es oft um das gepolsterte Möbelstück stand. Weil man seine Prioritäten anders gesetzt hat. Nämlich dabei literweise Gin auszuschütten, seine Gäste mit feinstem Kraut zu betäuben und so gute Musik zu spielen, dass sich der Dancefloor auch auf Stühle, Tische und das Sofa verlegt. Kurz: Wenn man eine unvergessliche WG-Party feiern möchte, muss man Abstriche beim Sofa machen! Oder eben bei seinem Bachelorabschluss (in der Prüfungsphase)! Die Stoffnarben stehen symbolisch für die zweiten oder dritten Anläufe in Klausuren, Hausarbeiten oder Seminaren.

Zurücklassen kann man das Sofa also nicht. Es muss mit in die neue Wohnung. Damit der Umzug funktioniert, muss man den Hausflur der neuen Wohnung ausmessen. Ist das Treppenhaus nur minimal zu eng, wird es nichts. Auch bei einem passenden Masterstudiengang geht es oft um Kleinigkeiten, die den Zugang unmöglich machen. Die Voraussetzungen wirken beinahe absurd, wenn Sozialwissenschaftler*innen zum Beispiel geeignet und Gesellschaftswissenschaftler*innen nicht geeignet sind, weil drei Credits in Statistik fehlen oder Beweise dafür, dass man die englische Sprache wirklich nicht verlernt hat.

Alleine wird man mit dem Stress nicht fertig. Man braucht jede helfende Hand, die man bekommen kann: Von den Studienberater*innen, Sachbearbeiter*innen, Kommiliton*innen, Freund*innen und Eltern. Und keine*r hat – wie das bei einem klassischen Umzug so ist – Bock. Alle Helfenden plagt nur ihr Verpflichtungsgefühl. Sie erinnern sich an Horrorszenarien aus ihrer Vergangenheit und packen mit an. Den weniger Erfahrenen unter den Unterstützenden sollte man deswegen von Anfang an positive Aussichten garantieren. Bei einem Umzug mit Sofa sind das Brötchen und Bier, bei einer Masterstudiengangsrecherche eine entspannte Atmosphäre in einem Café mit viel Kuchen.

Steht man dann bepackt im Treppenhaus, gibt es nur noch ein Ziel: Das Monster aus der alten in die neue Wohnung zu transportieren. Oder sich mühevoll auf die Top zehn Masterstudienplätze festzulegen. Kein Erbarmen, kein Verschonen. Sichtlich genervt knallt man das Möbelstück an den Wänden vorbei. Reißt die ein oder andere Kante mit. Egal, wie strapaziös ein Seminar, Praktikum oder eine Weiterbildung war, es ist nur relevant, wenn es unter „Zugangsvoraussetzungen” steht. Erinnerungen daran werden eiskalt unterdrückt und verdrängt: Drehen und Wenden, so lange bis es passt. Einen Nervenzusammenbruch überstehen. Die darauf folgende Überlegung, das Sofa einfach aus dem Fenster zu schmeißen, auszuknipsen. Das Bachelorzeugnis zu verbrennen, um eine Ausbildung anzufangen oder sein Leben als Aussteiger*in am anderen Ende der Welt fortzusetzen auch. Denn tief in sich drin weiß man, dass man gerade das Richtige tut. Was sich dann bestätigt, wenn man eines Tages die Literatur für seine Masterarbeit auf den Sitzpolstern des alten Sofas ausbreitet. Dreams come true!

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