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STUDIUM & FREIZEIT

LOL: Feiern in Spielfilmlänge

Der Countdown läuft: Bei der LOL wird exakt zwei Stunden lang ekstatisch gefeiert. (Foto: aGro)

25.03.2014 11:00 - Alex Grossert



Das Konzept erinnert ein wenig an die Simpsons-Folge, in der Apu zu einer Party eingeladen ist: Für genau fünf Minuten schließt er sein Geschäft und macht in dieser kurzen Zeit alles, was für ihn zu einer guten Party gehört. Bei der LOL im Essener Goethebunker haben die Gäste immerhin 24 Mal so viel Zeit zum Feiern wie Apu. „Wir machen kein Warm-Up. Wir tanzen nonstop“, heißt es auf der Website. Aber sind 120 Minuten wirklich genug zum Feiern? „YOLO“, haben wir gedacht und es einmal ausprobiert.

Vor 22 Uhr läuft zwar schon Musik im Hintergrund und die Gratis-Shots gehen herum, aber noch ist es leer und niemand tanzt. Kann das an einem Dienstag wirklich klappen? Solche Fragen stellt sich mein Mitbewohner, der schon öfters hier gefeiert hat, schon längst nicht mehr. Wenn man weiß, dass um Mitternacht Schluss ist, muss man sich beim Alkohol schließlich nicht zurückhalten. Diese Einstellung scheinen die meisten der Gäste zu teilen, die um 22 Uhr bereits den Floor füllen und noch immer mehr werden. Während die DJs ihre Platten auflegen, wird an die Wand hinter ihnen ein Countdown projeziert, der ab 22.00 gnadenlos herunterzählt, wie viel Zeit noch zum Feiern bleibt.


Wer hats erfunden?


Wenn Constantin, dessen Künstlername Conny Island ist, nicht selbst im Goethebunker auflegt, arbeitet er dort als Tontechniker. Gemeinsam mit seinem DJ-Kollegen Kai Suffa-Friedel hat er die LOL ins Ruhrgebiet gebracht. Die 120-Minuten-Party gibt es bereits seit Oktober 2012. Erfunden haben sie das Erfolgskonzept, durch das der Goethebunker bis 24 Uhr oft Umsätze macht, wie sonst in einer kompletten Freitagnacht, allerdings nicht. Conny glaubt, die Kölner Partyreihe Blitzbangers habe den Anfang gemacht: „Ich habe einen Bericht über eine ähnliche Reihe in Köln gelesen, wo auch totaler Ausnahmezustand sein soll. Das klang super und da Kai gerade eine Technoparty mit Flyern im 90ger-Stil plante, haben wir mit der LOL angefangen.“


Aufhören wollen sie erst, wenn das Konzept nicht mehr funktioniert. Im vergangenen Jahr gab es bereits eine Punkrock-LOL und eine Rap-LOL. „Es gab Mega-Pogo beim Punk. Die Musikrichtung scheint für das Konzept aber egal zu sein. Man muss nur dazu abgehen können“, meint Constantin. Am Freitag, den 4. April, soll es unter dem Titel MEGALOL dann erstmals drei zweistündige Blöcke mit unterschiedlichen Musikrichtungen geben. Im vergangenen Sommer hat das LOL-Team bereits eine Tour durch andere Clubs im Ruhrgebiet gemacht und zwei Open-Airs veranstaltet. Andere Clubs, wie das Untergrund in Bochum, sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und bieten ihre eigenen Zwei-Stunden Partys an.


Einnahmen fließen in Alkohol


Viel Geld verdienen Conny und Kai mit der LOL trotz des Erfolges allerdings nicht. Ohne jede Ironie sagt der DJ, das wenige Geld gehe hauptsächlich für Alkohol drauf: „Wir kaufen vor jeder LOL rauhe Mengen Hartalk ein und verteilen den von 21 bis 22 Uhr.“ Welche Sorte Schnaps oder Likör es geben wird, können die Gäste vor jeder Party per Facebookabstimmung entscheiden. Diese würde aber auch hin und wieder „vergessen“, sagt Conny. Das Problem sei dabei vor allem, dass andauernd ein bestimmter Kräuter- schnaps gewählt würde.


Auch wenn der Goethebunker manchmal aus allen Nähten platzt, findet Conny nicht, dass es sinnvoll wäre, auch den zweiten Floor zu öffnen. „Das Publikum zu sehr aufzuteilen, würde nicht zum Konzept passen“, sagt er, aber stellt klar, dass Kai und er eher verspielt damit umgehen: „Viele DJs nehmen Techno viel zu ernst. Wir sorgen da lieber mal für einen Stilbruch oder legen einen Oldschool-Track von vor 15 Jahren auf. Wir nehmen unser Konzept und das Auflegen nicht bierernst, es geht uns um den Spaß.“


Bunt gemischtes Publikum


Obwohl es bisher immer voll gewesen sei, kommen Conny und Kai vorher oft Zweifel, ob die Party noch funktioniert. „Wenn um Zehn vor Zehn erst 20 Leute hier sind, denke ich oft, das könnte eine peinliche Nummer werden, aber irgendwann kommen dann mindestens noch 200 und es ist voll“, sagt Constantin. Das Publikum kommt dabei nicht nur aus dem ganzen Ruhrgebiet, sogar aus Bielefeld seien letztens Gäste angereist. Der Veranstalter freut sich, aber wundert sich schon ein wenig: „Auswärtige erkennt man immer daran, dass sie am Anfang nach dem Klo fragen. Ich habe keinen blassen Schimmer, warum sie so einen Aufwand für zwei Stunden betreiben, aber am Dienstag gibt es auch kaum Alternativen, wenn man feiern will."

 

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