Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Kritik auf dem Teller

20.06.2018 12:43 - Sophie Schädel

Am 7. Juni fand der Mensa-Stammtisch in Duisburg statt. Eine Veranstaltung, bei der Studierende Kritik üben und den Organisator*innen Fragen stellen können. Beim letzten Stammtisch kritisierten die Teilnehmenden die Öffnungszeiten der Mensa und die mangelnde Auswahl an veganen Speisen. Und auch diesmal waren das die Hauptthemen der Anwesenden.

„Samstags ist hier alles dicht. Wenn ich da Seminare gebe oder an der vollen Bibliothek vorbeilaufe, fragen mich immer wieder Studierende, woher sie etwas zu essen bekommen“, kritisiert Armin Vohr, Dozent am Duisburger Campus. Seine Antwort: Aldi, Döner oder Würstchen. Vohr wünscht sich daher eine gesündere und günstigere Alternative vom Studierendenwerk und schlägt eine Kooperation mit einer Bäckerei in der Nähe vor. Oliver Lubojanksi, Ökotrophologe der Mensa und Organisator des Stammtisches, nimmt die Idee erfreut auf. Auch den Vorschlag des Dozenten, die Mensa nachmittags als Lernfläche anzubieten, gefällt ihm gut.

„Samstags fragen mich immer wieder Studierende, woher sie etwas zu essen bekommen“

„Die Mensa hatte eine zeitlang samstags geöffnet“, erzählt die Pressesprecherin des Studierendenwerkes, Johanne Peito. „Aber weil so wenig Leute kamen, können wir uns das leider schlichtweg nicht leisten.“

Dominik Dyba vom AStA hat ebenfalls etwas auf dem Herzen: „Warum gibt es so wenig vegane und vegetarische Auswahl? Es ist immer nur ein Essen vegan, und oft werden damit die Vegetarier mit abgespeist. Wem dieses eine Essen nicht schmeckt, der hat Pech gehabt“, kritisiert er.

Küchenleiter Jens Fiedler erklärt, dass die täglich ausgegebene Gemüsesuppe und alle Beilagen ebenfalls vegan seien. Trotzdem könne er verstehen, dass sich vegane Studierende mehr Auswahl wünschen. „Wir haben aber leider keinen Platz für mehr Auswahl. Und wenn wir eine der anderen Hauptspeisen ebenfalls vegan kochen, beschweren sich viele Fleischesser“, so der Koch.

Bald wird vieles besser

Doch die Auswahl soll bald größer werden, denn ein Umzug der Duisburger Hauptmensa ist geplant (akduell berichtete). Die neue Anlage am Forsthausweg  soll mehr Platz, eine modernere Ausrüstung und mehr Ausgaben bieten. Wann dort die ersten Mahlzeiten ausgegeben werden können, ist noch unklar. Aktuell warte man auf einen Bescheid von der Stadt, so Lubojanski.

Als nächstes fragt Dozent Vohr, wie gesund das Essen in der Mensa ist. Fette, Kalorien und der Anteil von Fertigprodukten sind nirgends angegeben. Lubojanski erklärt, das sei schlichtweg zu aufwendig. Für einzelne Produkte könne man leicht Nährwerte ermitteln. „Aber wir bereiten hier Nahrung aus 2.800 Zutaten zu. Jeder Koch kocht ein wenig anders und wir haben kein Labor, um unsere eigenen Speisen zu untersuchen“, führt er aus. Als der Dozent seine Sorge anspricht, die Fertigsoßen der Mensa könnten Chemiebomben sein, holt Lubojanski einen großen Eimer mit Brühepulver aus dem Lager und erklärt Schritt für Schritt die Inhaltsstoffe. Die Küche habe nicht die Möglichkeit, für jede Brühe selbst Gemüse auszukochen, erklärt er. „Eine Chemiebombe ist das hier aber nicht.“

Vohr bemängelt ebenfalls, dass sein Essen manchmal versalzen oder fad sei. „Das kann passieren“, gibt Küchenleiter Fiedler zu. „Wir unterwürzen das Essen normalerweise etwas, damit unsere Gäste nach Geschmack nachwürzen können. Aber manchmal vergessen unsere Köche umzurühren, dann sind die oberen Portionen versalzen und die darunter fad.“ Seine Empfehlung: „Einfach ansprechen. Solche Fehler können wir ja schnell beheben.“

Mitsprache für Studierende

Feedback soll in der neuen Mensa vielleicht schon bald elektronisch funktionieren. Lubojanski denkt über eine App oder elektronische Anzeigetafeln nach, damit Gäste ihr Feedback leichter mitteilen können.

Dyba kritisiert, dass keine Studierenden in die Planung für die neue Mensa eingebunden wurden. „Wir Studierenden kennen schließlich unsere Bedürfnisse am besten“, sagt er. Pressesprecherin Peito antwortet, man habe sich dabei lieber auf die Expertise der Gastronom*innen verlassen und daher keinen Bedarf an einer Befragung der Studierenden gesehen.

Dyba kritisiert, dass keine Studierenden in die Planung für die neue Mensa eingebunden wurden.

Und da ist sie, die Krux mit der Mitsprache: Mal wollen Studierende mitbestimmen aber werden nicht gefragt, mal bietet die Mensa eine Möglichkeit sich auszutauschen und Kritik zu äußern, und kaum jemand kommt. Ein Problem, das Lubojanski enttäuscht und ratlos zurücklässt.

Als alle Fragen gestellt sind, führt Küchenleiter Fiedler die Gäste noch durch seine Küche. Der Blick hinter die Kulissen hilft, einige Probleme besser nachzuvollziehen. „Wenn vorne die Geschirrrückgabe stillsteht, brennt hier hinten meistens die Hütte“, erklärt er und zeigt auf die Spülvorrichtung. „Hier ist es enorm heiß und die Luftfeuchtigkeit liegt bei 80 Prozent. Wenn dann auch noch zur Stoßzeit das Spülwasser ausgetauscht werden muss, ist hier richtig was los.“

Solche Einblicke hinter den Kulissen können Studierenden helfen, die Abläufe der Mensa und das, was am Essen manchmal stört, besser zu verstehen. Das Studierendenwerk kündigt die Stammtische online an. Vielleicht sind nächstes Mal ja mehr Kund*innen da, um mitzureden und Fragen zu stellen.

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