Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

I’m too old for this shit – Ich bin zu alt für diesen Scheiß

(Foto: seg)

08.10.2018 12:08 - Julia Segantini

Ein Kommentar von Julia Segantini

 

Es ist Wochenende, in der WhatsApp-Gruppe wird besprochen, was wir unternehmen. Dann das Standard-Ergebnis: Abends raus gehen ist nicht, die Couch ruft. Ein Phänomen, das ich ständig beobachte: Menschen mit 20 oder 30 Jahren fühlen sich wie 65. Hört auf damit, ihr seid nicht alt. Und schaut mich, wenn ich von Problemen erzähle, nicht mit diesem wissenden Blick an, nach dem Motto: „Ach ich weiß noch, als ich damals diese Probleme hatte.“

Jedes Mal die gleiche Konversation. „Kommt ihr mit feiern?“ >Ach ne, eigentlich sitze ich jetzt schon auf dem Sofa.< „Na und?“ >Ja das sagst du so, du bist ja auch noch jung. Als ich so alt war wie du, hatte ich auch noch so viel Energie. Jetzt bin ich zu alt dafür.< Falls ihr jetzt denkt, ich hätte deutlich ältere Freund*innen gehabt, nein. Die waren zwei Jahre älter als ich. Was soll das? Fühlt euch nicht alt! Ihr seid nicht alt! Sorry für diese Binsenweisheit aus Omas Plattitüden-Kalender, aber man ist nur so alt, wie man sich fühlt. Letzten Endes war ich fast immer alleine feiern.

Wenn ich mit schlechtem Gewissen feststelle, dass ich unbedingt mal wieder eine Hausarbeit schreiben müsste, oder generell mal wieder ein Lebenszeichen an meine Dozierende von mir geben müsste, sagt man mir auch nur, „ach du bist noch so jung, du hast doch noch Zeit”. Wow, danke, das war total hilfreich.

Ja, ich bin erst Mitte 20, naja sagen wir Anfang 20, trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass mir die Zeit davon läuft. Ich müsste langsam meinen Master fertig bekommen, nicht weil ich so strebsam bin, sondern weil meine Mutter meine Studiengebühren bezahlen muss. Und das wird langsam eng. Ich habe keine Kapazitäten für einen weiteren Job, da hilft also nur fertig werden.

Aber ich muss doch noch ins Ausland, alle gehen ins Ausland. Und das ist schließlich so wichtig. Für die Sprachkenntnisse, für den persönlichen Reifeprozess, weil man andere Menschen und Kulturen kennenlernt. Für den Lebenslauf. Und muss ich vielleicht noch ein Praktikum machen? Ich bin doch noch so unfertig, muss noch so viel lernen.

Aber wann soll ich das machen zwischen Ausland, Hausarbeiten, Seminaren, Masterarbeit und Job? Also Danke, dass ihr mir sagt, ich soll mich nicht so stressen. Schön, dass das Thema für euch damit erledigt ist. So viel mehr Lebenserfahrung habt ihr schließlich nicht und sie gibt euch nicht das Recht, meine Probleme zu entschärfen. Mit eurer Erfahrung könnt ihr mich unterstützen, mir vielleicht Tipps geben, wie ich gut durch Hausarbeitsphasen komme, ihr solltet sie nicht nutzen, um Sorgen spöttisch abzuwerten.

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