Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Gemeinsam gegen Turboabi und überfüllte Unis

25.03.2013 19:55 - Jules El-Khatib

Es ist kalt in Essen, der Winter ist dem Frühling noch nicht gewichen. Dennoch liegen junge Menschen in winterlicher Kälte in Schlafsäcken auf dem Willy-Brandt-Platz, während andere gleichzeitig Flyer zur „Gute Nacht-G8“-Kampagne verteilen. Es ist die erste Mobilisierungsaktion für eine Großdemonstration gegen das aktuelle Bildungssystem.

Die Bildungsstreiks sind schon eine Weile her. Ihr Erfolg, die Abschaffung der Studiengebühren, ist für die meisten Studierenden aber immer noch spürbar. Die Landesschülerschaftvertretung (LSV) hat es sich jetzt zum Ziel gesetzt die Proteste gegen das Bildungssystem wieder aufleben zu lassen. Im Mittelpunkt steht dabei das sogenannte „Turboabi“. Kurz vor Abschluss des ersten Schuljahrganges in NRW, in dem Schüler*Innen nach acht Jahren ihr Abi erhalten werden, soll es eine Demonstration vor dem Landtag in Düsseldorf geben. Die vorher beschriebene Aktion „Bildungsleichen“ war der Essener Auftakt für die Mobilisierung zu den Protesten.
Gründe gibt es genug

Gründe für Proteste gegen das aktuelle System gibt es genug, so heißt es in einer Resolution der LSV: „Unser Bildungssystem ermöglicht zwar Elitenbildung für wenige SchülerInnen mit einem entsprechenden sozialen Umfeld, bietet für die meisten aber nur
Schmalspurbildung.“ Unterstützung erhält die Kampagne der LSVvon verschiedenen Jugendorganisationen.
Unter anderem die Grüne Jugend, DGB Jugend, Linksjugend (solid), SDAJ und die Schüler*innen bei den Jusos rufen dazu auf, sich an den Protesten zu beteiligen und für ein anderes Bildungssystem zu demonstrieren. Sonja Neuhaus, Landessprecherin der Linksjugend,
betont deshalb: „Wir fordern ein einheitliches Bildungssystem, eine Schule, auf der alle gemeinsam lernen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder jedweder Beeinträchtigung.“ Ihre Forderungen untermauert sie dabei mit Forschungsergebnissen: „Studien haben gezeigt, dass der Lernerfolg in heterogenen Lerngruppen für alle Schüler*innen am Größten ist.“ Auch Tatjana Westhoff von der Bezirksschüler*innenvertretung betont die Notwendigkeit eines anderen Bildungssystems, zu dem die Proteste den Anstoß geben sollen. „Wir brauchen ein Bildungssystem, in dem Schüler*innen mit- und nicht gegeneinander lernen“ so die Vertreterin.
Der erste Schritt soll dabei eine Rückkehr zu G9 sein, ein Schritt der ohne große Problem durchführbar sei, wie die LSV klarstellt: „Durch einen Jahrgang, der später Abitur macht, werden die Hochschulen entlastet. Deshalb ist die Rückkehr jetzt zu machen.“
Die Resolution der LSV fordert deswegen: „Wir sollten dem Beispiel anderer Länder folgen und Fehler wieder richtig stellen.“
Die von der letzten Regierung bereits eingeführte freiwillige Auswahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 für Schulen reicht der LSV nicht aus, da die meisten Schulen bei dem kostengünstigeren G8-System bleiben würden.

Mobilisierung von Schüler*innen und Studierenden

Während der Bildungsstreiks waren Hunderttausende auf den Straßen und demonstrierten für die Abschaffung von Studiengebühren und Kopfnoten. Bei den heutigen Aktionswochen nahmen deutlich weniger teil. Schüler*innenvertreterin Westhoff vergleicht das Abflauen der Bildungsproteste mit einem „Frosch, den man in kaltes Wasser legt und langsam erhitzt.“ Der Frosch und die Schüler*innen würden es nicht merken, dass es ihnen immer schlechter geht, da sie sich an ihren Zustand gewöhnt hätten, so die Aktivistin. Ein weiteres Problem sei, dass „die Schüler*innen glauben, sie könnten nichts verändern, dabei hat die Abschaffung der Studiengebühren in Bayern erst vor wenigen Wochen das Gegenteil gezeigt.“ Ende Februar wurde in Bayern in einem Volksbegehren über die Abschaffung der Studiengebühren entschieden. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Damit kommt es im Sommer dieses Jahres zu einem Volksentscheid über die Gebühren. Umfragen zufolge sind bis zu drei Viertel der bayerischen Bevölkerung gegen die Erhebung. Ziel der aktuellen Kampagne ist es wieder, dass die Schüler*innen und Studierenden gemeinsam auf
die Fehler im Bildungssystem hinweisen. Sie sollen außerdem ein deutliches Zeichen setzen, dass der Stress bei G8 auch die Gesundheit vieler junger Menschen gefährdet.
Auch für Studierende lohnt es sich, sich an der Demonstration zu beteiligen, sagt Sonja Neuhaus „Durch die Einführung von G8
strömt dieses Jahr der doppelte Abiturjahrgang an die Universitäten, was bedeutet: Weniger Studienplätze, noch höhere NCs, schlechtere Betreuung durch Lehrende, überfülltere Bahnen.“
Sie ruft deshalb auch die Studierenden zum solidarischen Bildungsstreik auf: „Die Liste könnte unendlich fortgesetzt werden. Also, liebe Studis: Kommt am 15. Mai mit uns nach Düsseldorf, um ‘Gute Nacht - G8‘ zu sagen!“

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