Matthias Schamp hat einen Teil des Mülheimer Kunstmuseums in eine Pommesbude verwandelt. Dort lädt er zur Veranstaltungsreihe „Reflektieren & Frittieren“. Das Konzept ist so niederschwellig wie eindrucksvoll: Schamp lädt befreundete Künstler*innen in seine Großinstallation „Mythos-Grill“ ein. Und während der Gastgeber an der Fritteuse steht und Pommes verteilt, stellen seine Gäste ihre Projekte vor. Zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe in Mülheim waren am Donnerstag Klaus Urbons und John Waszek zu Gast, die bereits vor 30 Jahren mit ihrem Underground-Projekt „Kunstschutzkeller“ für Furore gesorgt haben.">
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STUDIUM & FREIZEIT

Frittieren geht über studieren

An der Fritteuse: Matthias Schamp. (Foto: rvr)

14.10.2014 17:00 - Rolf van Raden



Es riecht nach Frittenfett! Der Autor und Konzeptkünstler hat einen Teil des Mülheimer Kunstmuseums in eine Pommesbude verwandelt. Dort lädt er zur Veranstaltungsreihe „Reflektieren & Frittieren“. Das Konzept ist so niederschwellig wie eindrucksvoll: Schamp lädt befreundete Künstler*innen in seine Großinstallation „Mythos-Grill“ ein. Und während der Gastgeber an der Fritteuse steht und Pommes verteilt, stellen seine Gäste ihre Projekte vor. Zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe in Mülheim waren am Donnerstag Klaus Urbons und John Waszek zu Gast, die bereits vor 30 Jahren mit ihrem Underground-Projekt „Kunstschutzkeller“ für Furore gesorgt haben.



„Der Mythos-Grill ist ein florierendes multinationales Unternehmen. Er ist angetreten, um McDonald's und Burger King Konkurrenz zu machen“, sagt Matthias Schamp. „Allerdings hat der Mythos-Grill ein etwas anderes Geschäftsmodell: Er eröffnet nur temporäre Filialen. Pommes gibt es für lau, Bier zum Selbstkostenpreis, dafür wird die Wanddekoration abverkauft.“ An den Wänden hängen Mosaike aus bunten Pommesgabeln, die Schamp „Simulationen von Malereien“ nennt. Darüber hinaus zieren drei Sammlungen den Mythos-Grill: Eine Pommesbuden-Deko-Sammlung mit Einrichtungsgegenständen klassischer Imbisse, eine technische Sammlung mit Fritteusen aus mehreren Jahrzehnten, und eine Antiken-Sammlung (inkl. Olympia Schreibmaschine).

Bier und Alltagsarchäologie

Schamp erklärt, es sei sein Interesse sowohl an Alltagskultur als auch an Hochkultur, das ihn seit inzwischen 17 Jahren antreibe, immer wieder temporäre Mythos-Grill-Filialen in Museen und Kunstinstitutionen im In- und Ausland zu eröffnen. Und zwar mit jeweils einem an die lokalen Begebenheiten angepassten Programm: In den Niederlanden organisierte er einen , in der Berliner Gropiusstadt bot der Mythos-Grill einen 24-Stunden-Fischstäbchen-Bring-Service. „Ich wollte deutlich machen, dass Fischstäbchen nicht nur Genussmittel sind“, sagt Schamp. „Sie sind rechteckig, stapelbar – also kulturelle Produkte, in die sich die ästhetischen Programme der Moderne eingeschrieben haben.“ Auch in Mülheim erweckt Schamps detailverliebte Inszenierung niemals den Eindruck, dass er sich über die Pommesbude oder aber auch über das Museum als Institution lustig machen würde. Im Gegenteil wird der Kustraum durch die Überlagerung mit der Frittiererei zu einer alltagsarchäologischen Spielstätte, in der lustvoll neu ausgehandelt werden kann, was interessant genug ist, um im Museum zu landen.

einen Namen gemacht hat, wird an dem Abend seinen neuen Film „Rollator-Mitfahrt“ präsentieren. Der Mythos-Grill scheint dafür genau der richtige Ort zu sein, schließlich galt Mülheim lange Zeit als eines der Zentren des deutschsprachigen Experimentalfilms. Matthias Schamp hofft für Donnerstag auch auf einigen Zulauf von der Universität Duisburg-Essen: „Pommes für lau, Bier für ein Euro, das dürfte doch auch für Studentinnen und Studenten attraktiv genug sein, oder?“

Reflektieren & Frittieren

eine Veranstaltungsreihe von Matthias Schamp in der temporären Mythos-Grill-Filiale im Kunstmuseum Mülheim/Ruhr, Synagogenplatz 1.

Eintritt frei – Pommes für lau, Bier für 1 Euro. Die nächsten Termine:

Do. 16. Oktober, 18:30 Uhr:
präsentiert seinen neuen Film „Rollator-Mitfahrt“.

Do. 30. Oktober, 18:30 Uhr:
.

Ausstellung: Der subversive Geist
Fotografien, Filme, Bilder, Aktionen, Installationen u.a. von: Christoph Schlingensief, Matthias Schamp, Dore O., Martin Kippenberger, Klaus Urbons.
bis zum 16. November Di. bis So. 11 bis 18 Uhr
im Kunstmuseum Mülheim/Ruhr.
Eintritt: 4 Euro, erm. 2 Euro


 

Weitere Projekte von Matthias Schamp:

Weltweit erste Horizontaldemonstration - in Fließrichtung, Bonn 2006

http://www.youtube.com/watch?v=tbwZ0Kl4Msc

Aktion zur Erhöhung der Schwellenangst beim Betreten des Museums / "Wir sind das Bild"-Demonstration, Marl 2008

http://www.youtube.com/watch?v=0iZJPCzN4sk

Ich als weißer Querbalken eines Einfahrt-Verboten-Schildes, Bochum 2006

http://www.youtube.com/watch?v=Hett9JvWTF0

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