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STUDIUM & FREIZEIT

Flucht aus Duisburg

28.05.2014 16:48 - Maren Wenzel

Die befürchtete gewaltsame Räumung der Häuser in den Peschen in Duisburg-Bergheim ist bisher zwar ausgeblieben. Trotzdem hat ein Großteil der Familien die zwei Häuser mit den 74 Wohnungen fluchtartig verlassen. Denn hinter den Kulissen wurde stetig Druck gegen die dort lebenden Roma aufgebaut – vom Vermieter, von der Stadt Duisburg und  wahlkampftreibenden Parteien.

Als wir Mitte April über das Haus in den Peschen berichteten, war die Situation für die Menschen im Haus katastrophal: Der Vermieter hatte viele von ihnen unrechtmäßigerweise beim Einwohnermeldeamt abgemeldet, ihnen gedroht Strom und Wasser abstellen und die Wohnungen anschließend räumen zu lassen. Die Menschen, die jetzt noch in den Häusern leben, sind mittlerweile zurückgemeldet. Einige erhalten durch die Abmeldung aber kein Kindergeld mehr. Weil die allermeisten keine anderen Sozialleistungen erhalten, bedeutet das für die Familien erhebliche finanzielle Einbußen. Viele der Menschen sind wegen dieses hohen Drucks jetzt aus Duisburg weggezogen.

Verbranntes Geld und Energie

Ein Großteil – ungefähr 100 Menschen – sind nach Ennepetal gezogen. Dort wohnen sie nun abgeschottet in ehemaligen Werkswohnungen am Waldrand. Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Schulen sind mehrere Kilometer entfernt. Für Duisburger Aktive ein herber Schlag: „Niemand von den Kindern aus den Peschen geht dort wie in Rheinhausen weiter zur Schule, besucht einen Sportverein, Computerclub oder Kulturprojekte wie Bahtalo“, sagt Annegret Keller-Steegmann vom Kinder- und Jugendtheaterprojekt Bahtalo. Sie muss zusehen, wie sich Erfolge ihrer sozialen Arbeit in Luft auflösen: „Das ist verbranntes Geld und verbrannte Energie“, so Keller-Steegmann.

Aber warum haben die Menschen Duisburg verlassen, um in eine isolierte Siedlung zu ziehen? „Laut Aussagen von Familien ist das Objekt in Ennepetal von ZOF e.V. vermittelt worden, der das zwar nicht bestätigt, das ‚Unternehmen Ennepetal‘ aber positiv beurteilt“, sagt Keller-Steegmann.  Pikant dabei: Der Verein „Zukunft Orientierte Förderung“ (ZOF e.V.) sollte mit Sozialarbeiter*innen die Situation der Roma in Duisburg eigentlich verbessern. In der Vergangenheit war der Verein in die Kritik gekommen, weil Aktivist*innen ihn nur noch als verlängerten Arm des Vermieters angesehen hatten.

Und auch die Stadt Duisburg ist aktiv geworden. Sie hat dem Inhaber der Häuser, dem Duisburger Bordellbesitzer Branko Barisic 1,3 Millionen Euro für die beiden Hochhäuser geboten. Oberbürgermeister Sören Link stellte aber eine Bedingung: Die Stadt kaufe nur, wenn die Häuser leer gezogen seien, erklärte er in der WAZ. Damit wurde weiter Druck auf die Menschen in den Peschen aufgebaut.  Jetzt rudert die Stadt aber zurück: „Das Kaufangebot stand lediglich unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Rates und der Gewährung von Fördermitteln“, so Pressesprecherin Anja Kopka auf akduell-Anfrage. Damit distanziert sich die Pressestelle von den populistischen Aussagen des eigenen Oberbürgermeisters.

Auch die CDU Duisburg hatte mit dem Thema Wahlkampf betrieben: Sie hatte unter dem Slogan „Missstände beenden – Duisburg kann besser“ auf einem Wahlplakat ein altes Foto von einem Hochhaus abgebildet, vor dem sich Müllberge türmen. Die SPD hatte damals von einem „Wahlkampf auf dem Rücken der Zuwanderer“ gesprochen. Das Kaufangebot und Links Forderung empören deshalb Initiativen gegen Antiziganismus: „Interessiert sich die Stadt überhaupt nicht, was mit den Menschen geschieht? Damit werden die Methoden des Vermieters aus dem Rockermilieu unterstützt, mit denen die Stadt sonst nie kooperieren würde“, so Leo Meier von der Initiative gegen Duisburger Zustände.

„Integrationsfähig“?

Zumindest hat die Stadt Duisburg das Projekt „Probewohnen“ ins Leben gerufen und zusammen mit der Gebag, der Arbeiterwohlfahrt und der Diakonie vier Familien neue Wohnungen und Betreuung verschafft. Das Modellprojekt soll jedoch nicht auf die verbleibenden zehn Familien in den Peschen ausgeweitet werden. Die Stadt beurteilt die restlichen Bewohner*innen nämlich als angeblich „nicht integrationsfähig“. Duisburger Initiativen kritisieren dieses Vorgehen scharf: „ Wer legt fest, welche Menschen diese hohe Förderung bekommt und welche nicht? Das klingt für uns nach einem bloßen Vorzeigeprojekt“, so Leo Meier von der Initative gegen Duisburger Zustände.

Ob das Haus jetzt an die Stadt verkauft wird oder nicht – Aktive aus der Duisburger Zivilgesellschaft wie Annegret Keller-Steegmann fordern bereits lange bessere Perspektiven für die Menschen, die gezwungen sind in den Schrott-Immobilien  zu wohnen: „Wir wünschen uns für die Familien ein angstfreies und menschenwürdiges Leben mit entsprechenden Bildungs- und Integrationsmöglichkeiten, ohne Diskriminierung und nicht in einem Ghetto.“ Aber: „Das trifft in Ennepetal nicht zu. Das trifft auch in den Peschen nicht zu, solange die Häuser kein offenes Quartier sind“, so Keller-Steegmann weiter.

Für die Menschen, die derzeit noch in den Häusern leben, versucht jetzt die neu gegründete Genossenschaft Cher Neo e.G. günstigen Wohnraum zu vermitteln. Mit kleinen Beiträgen von Vielen soll so den Roma geholfen werden, die sich jetzt beispielsweise eine Kaution nicht leisten können: „Wir brauchen um die 1.000 Euro pro Familie für die Kaution und Ausfallbürgschaften“, sagt Keller-Steegmann. Wieder werden notgedrungen Bürger*innen aktiv, während die Stadt sich der Verantwortung in Duisburg entzieht.

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