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STUDIUM & FREIZEIT

Feministische Fantasy oder falsches Frauenbild?

Foto: aGro "Rape-Culture-Disneyland mit Drachen"? Die Serie zum Buch wird scharf kritisiert. (Foto: aGro)

20.04.2013 17:16 - Alex Grossert


Als vor zwei Wochen die dritte Staffel der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ auf dem US-amerikanischen Bezahlsender HBO anlief, schauten rund um den Globus so viele Menschen wie noch nie auf die Monitore. Die Serie, die auf dem bisher fünfbändigen Romanepos „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin basiert, hat aber nicht nur viele Fans, sondern sorgt in der Blogosphäre für Kritik. Die realistische Darstellung von Gewalt und Diskriminierung gilt vielen Fans der Serie als besonders emanzipativ, während andere wiederum kritisieren, dass mit der oftmals expliziten Inszenierung von sexistischer Gewalt nur Kasse gemacht wird.


Mit J.R.R. Tolkien, dem Schöpfer des Fantasy-Klassikers „Herr der Ringe“, hat der amerikanische Autor kaum mehr gemeinsam als die beiden Rs in der Mitte des Namens. Während auf Mittelerde Gut und Böse unterscheidbar, Frauen unsichtbar und Kriege unglaublich heroisch sind, haben in Martins Zyklus männliche wie weibliche Charaktere ihre Abgründe. Krieg ist hier kein Abenteuer ritterlicher Helden, sondern ein Bestandteil adeliger Machtkämpfe, der nicht ohne Grausamkeit, Plünderungen und Vergewaltigungen abläuft. Martins Sprache ist dabei deutlich einfacher gestrickt als beim Sprachwissenschaftler Tolkien, was die englischsprachige Originalausgabe auch bei deutschen Leser*innen populär macht. Die Box mit den fünf Bänden ist seit geraumer Zeit das meistverkaufte fremdsprachige Produkt auf der deutschen Seite von Amazon.


Preisgekrönte Serie mit Schönheitsfehlern


Während die ersten Romane bei ihrer Veröffentlichung kaum mehr als ein Geheimtipp blieben, hat sich die Reihe spätestens seit dem Start der Fernsehserie im April 2011 zu einem internationalen Bestseller entwickelt, der weltweit über 20 Millionen Mal verkauft und in 40 Sprachen übersetzt wurde. Die HBO-Serie ist mittlerweile zum Aushängeschild des Senders geworden, der bereits mit „The Wire“ und „The Sopranos“ Erfolge gefeiert hatte. Die zweite Staffel wurde über 25 Millionen Mal illegal heruntergeladen, was Game of Thrones zur meist-raubkopierten Serie macht.


Unter den Darsteller*innen ist auch die deutsche Schauspielerin Sibel Kekili, die wie bereits in ihrem Leinwanddebut „Gegen die Wand“ eine Sexarbeiterin spielt. Sex ist bereits in den Romanen ein wichtiges Thema, für die Serie wurden allerdings zahlreiche zusätzliche Sexszenen eingebaut, die zum Teil sehr deutlich von der Vorlage abweichen.


Auf westeros.org, dem größten Forum für Fans der Reihe, wurde in der vergangenen Woche viel über die Darstellung der homosexuellen Beziehung zwischen König Renley und einem seiner Ritter diskutiert. Der User Noble spricht von „grenzwertigen homophoben Untertönen“. Ihm geht es dabei um die Reduktion der Charaktere auf ihre Sexualität, die eher heutigen Klischees entspreche, als in die Serie zu passen. Offensive homophobe Kommentare innerhalb der Serie sieht er allerdings positiv, „denn engstirnige Homophobie ist in jeder Welt realistisch“ und die Darstellung eröffne Möglichkeiten, mit den Angegriffenen zu sympathisieren.


Im Fokus der Kritik steht allerdings meist der Erzählstrang über Daenerys Tagaryen, eine 13jährige Prinzessin, die mit dem Anführer eines mongolenhaften Reiterstammes verheiratet wird. Auch hier weicht die Serie von der Romanvorlage ab: Während die Hochzeitsnacht im Buch unerwartet harmonisch und einvernehmlich verläuft, wird die blonde Prinzessin in der Serie deutlich sichtbar vergewaltigt, verliebt sich aber dennoch in ihren Gatten.

Falscher Realismus?


Häufig zitiert wird in der Diskussion Laurie Pennys Artikel im New Statesman, in dem diese feststellt: „Auch wenn Game of Thrones mächtig unterhaltsam ist, handelt sich um ein rassistisches Vergewaltigungskultur-Disneyland mit Drachen.“ Trotz dieser harschen Worte outet sie sich also als Fan der Serie, deren verharmlosende Darstellung von Vergewaltigungen sie genauso kritisiert, wie die rassistische Darstellung südlicher Völker. Das Argument, dass Rassismus und Sexismus zu einem realistischen mittelalterlichen Setting gehören, lässt sie dabei nicht gelten.


G. R. R. Martin sagte der britischen Zeitung Daily Telegraph kürzlich im Interview: „Ja, es handelt sich um Fantasy, aber die Charaktere müssen trotzdem realistisch sein.“ Dabei mag er übersehen, dass diese angestrebte Echtheit immer nur aus den Kategorien und Stereotypen zusammengesetzt sein kann, die unsere Gesellschaft und unsere eigenen Erfahrungen innerhalb dieser Gesellschaft uns ermöglichen. Einen Krieg ohne Vergewaltigungen darzustellen mag den Krieg verharmlosen, Martins Explizitheit hingegen droht, das Problem zur quasi-natürlichen Normalität zu erklären und öffnet dem Voyeurismus der Serie Tür und Tor.




 

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