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STUDIUM & FREIZEIT

Erasmus-Praktikum in Spanien – Party, Strand und Reisen trotz Corona

 Lennart nutzt die Zeit in Valencia voll aus. [Foto: Saskia Ziemacki]
21.08.2021 14:52 - Saskia Ziemacki

Lennart macht ein Auslandspraktikum mit Erasmus+ in Valencia. Die Corona-Inzidenz  liegt dort bei 300, es gibt erneut eine Ausgangssperre und viele Restriktionen. Im Juli infiziert sich Lennart mit Covid-19. Er erzählt von seiner Arbeit, wie in Spanien mit der Pandemie umgegangen wird, aber auch, warum er nichts bereut. 

Lennart kommt Ende April 2021 in Valencia an. Sein Praktikum am Institut für Molekulare Wissenschaften der Universität Valencia beginnt einige Tage später und ist nun nach 16 Wochen um. Er studiert Nano-Science im Master – eine Mischung aus Physik, Chemie und Biologie. In seinem Praktikum soll er Gold-Nanoantennen herstellen, die Gase wie CO2 messen und so der Forschung für den Klimawandel dienen. Die Arbeit findet in einem Reinraum statt. „Man muss dort einen Ganzkörperanzug tragen, mit dem man aussieht wie ein Marsmensch, damit der Raum sauber bleibt“, lacht Lennart. 

„Aber es klingt cooler, als es eigentlich war“, gibt er zu. Sein Supervisor war oft nicht da und Lennart wusste häufig nicht, was er machen soll. „Ich bin nicht primär für das Praktikum hergekommen. Ich bin gekommen, um eine gute Zeit zu haben und das hatte ich auf jeden Fall“, erzählt er. Im Gegensatz zu Deutschland sei die Arbeitsweise sehr entspannt und eher „larifari“, wie Lennart es bezeichnet. „Mir wurde ab und zu gesagt, ich solle mal einen Tag frei machen und an den Strand gehen.“ Die Zeit nutzt er aus, lernt viele Leute kennen, macht Party und erkundet die Region, bevor er in Deutschland mit seiner Masterarbeit anfangen und ins Arbeitsleben einsteigen muss. 

Corona interessiert niemanden

So entspannt wie es beim Praktikum zuging, wird in Valencia auch mit Corona umgegangen, so Lennart – selbst dann, wenn man sich damit infiziert. Er wohnt mit sechs internationalen Mitbewohner:innen zusammen, die sich eher weniger für die Corona-Restriktionen interessieren, wie es Lennart formuliert. „Als ich am ersten Abend ankam, war direkt Party in der WG. Drei bis vier Mal die Woche kamen abends Leute vorbei.“ Zu Hause durfte man sich zu diesem Zeitpunkt maximal zu zehnt treffen. „Das war bei uns nicht der Fall“, gibt Lennart zu. Auch an die Ausgangssperre habe sich niemand gehalten. „Die Polizei hat kontrolliert, aber man hat sich immer irgendeine Ausrede einfallen lassen und dann ist nie etwas passiert“, erzählt er. Nach der ersten Woche wurde es Lennart zu viel. „Ich habe mich dann etwas zurückgehalten.“

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Lennart entscheidet sich für Valencia, weil es für ihn eine der schönsten Städte ist. [Foto: Saskia Ziemacki]

Im Juni konnte Lennart zum ersten Mal in einen Open Air Club gehen, bei dem man am Tisch bleiben und dort tanzen musste. „Beim nächsten Mal hat sich schon niemand mehr daran gehalten, am Tisch zu bleiben“, verrät er. Die Corona-Zahlen gingen wieder hoch. Einen Monat später steckt auch Lennart sich mit Corona an. „Ich war einen Tag richtig krank, hatte Fieber und Grippe-Symptome. Ich hatte noch keine Impfung“, erzählt er. Denn erst jetzt seien die 20 bis 30-Jährigen für die Impfung an der Reihe – aber nur die mit spanischem Pass. Hat man keinen Wohnsitz in Spanien, muss man eine vorübergehende spanische Gesundheitskarte beantragen und das, so Lennart, sei ein unmöglicher bürokratischer Aufwand. 

Quarantäne oder Party?

„Schon als ich versucht habe, beim Gesundheitsamt anzurufen, um zu fragen, was ich machen soll, war ich eine Stunde in der Englisch-Hotline, bis ich aufgelegt habe“, sagt Lennart frustriert. Seine Schwester habe dann auf Spanisch angerufen. „Ihr haben sie gesagt, dass ich in drei Tagen angerufen werde und eine Krankenkassenkarte bekomme.“ Weder die Karte, noch der Anruf kamen. „Als ich wieder anrief, wussten sie von nichts“, erzählt Lennart. Er geht 12 Tage eigenverantwortlich in Quarantäne, eine Kontrolle gab es nicht mehr. „Ich glaube, mein Fall ist nicht offiziell im System“, gibt er zu. Am meisten Sorge mache ihm aber, dass ihn zu dieser Zeit Freunde aus Deutschland besucht haben. „Sie waren bereits geimpft und sind mit einem negativ-Test und einer FFP3 Maske zurückgeflogen. In Deutschland waren sie dann auch positiv.“

Lennarts Mitbewohner:innen stecken sich nach seiner Quarantäne auf einer Party an. „Corona ging in der Erasmus-Bubble stark rum“, sagt er. Sie gingen gar nicht oder nur fünf Tage in Quarantäne. „Ich glaube, ich bin noch einer der wenigen, die sich hier einigermaßen an die Regeln halten“, so Lennart. Trotzdem nutzt er die Zeit voll aus. „Von Erasmus wurde sehr viel organisiert – Trips, Kultur- und Sportevents“, erzählt er. Er macht Party am Strand, geht in den Bergen wandern und badet in den heißen Quellen von Montanejos. Auch nach seinem Praktikum bleibt er noch drei Wochen in Spanien. „Ich will mir noch Córdoba, Granada und Barcelona angucken“, sagt er. Denn beim Rumreisen innerhalb des Landes gibt es keine Einschränkungen, egal wie hoch die Inzidenzen sind. 
 

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