Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Eine Maschine für 70 Studierende

Eine Waschmaschine und ein Trockner für 70 Studierende machen das Waschen zur Herausforderung. (Symbolbild: lenz)

25.02.2018 10:37 - Lorenza Kaib



Nicht alle haben den Luxus einer eigenen Waschmaschine, die meisten Studierenden teilen sich eine mit ihren WG-Mitbewohner*innen. Wer hingegen in einem Wohnheim des Studierendenwerks Duisburg-Essen wohnt, kann sich auf längere Wartezeiten im Waschkeller einstellen. Studierende bemängeln auch, dass sie beim Internet Abstriche machen oder draufzahlen müssen. Die Beschwerden stoßen bislang auf taube Ohren seitens des Studierendenwerks.

Omid Akhavas studiert an der Universität Duisburg-Essen (UDE), seit 2014 lebt er im Studierendenwohnheim auf der Margarethenhöhe in Essen. Vergangenen Dienstag, 14. Februar, teilte er einen in einer Uni-Facebookgruppe, mit dem er auf Missstände aufmerksam machte: „Drei Waschmaschinen für über 165 Bewohner und sie sind die ganze Zeit kaputt!“ Die Maschinen würden zwar immer wieder von einer dafür beauftragten Firma repariert werden, trotzdem würden aber immer nur zwei Maschinen gleichzeitig funktionieren. Eine Waschmaschine kommt somit auf über 80 potentielle Nutzer*innen und das überschreitet die vom Studierendenwerk festgelegten Zahlen.

„Die Anzahl der Waschmaschinen basiert auf allgemeingültigen Erfahrungswerten, die von Waschcentern und Maschinenanbietern vorgegeben und von uns bestätigt werden können – eine Maschine pro 70 Bewohner/innen“, erläutert Johanne Peito vom Studierendenwerk. Omids Erfahrungen widersprechen diesen Zahlen: „Ich weiß nicht, wie das Studentenwerk auf die Berechnung kommt, aber ich kann sicher sagen, das findet niemand hier okay.”

Studierende fühlen sich diskriminiert

„Die Margarethenhöhe ist das Wohnheim, wo die meisten ausländische Studenten wohnen. Und die trauen sich kaum – auch wegen der Sprache – sich schriftlich zu beschweren oder persönlich zum Studierendenwerk zu gehen, um die Sachen zu klären“, erzählt Omid. Er fühlt sich benachteiligt: „Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, dass die ausländischen Studenten einfach keine Stimme haben, man hört ihnen nicht richtig zu und wir werden im Endeffekt anders behandelt.“

Das Problem bestehe schon seit Längerem: „Wir hatten früher andere Waschmaschinen. Die haben auch zum Teil gut funktioniert, aber man hat sich darüber beschwert, dass sie immer besetzt sind und die Anzahl im Vergleich zu den Bewohnern zu gering ist.“ Vor einiger Zeit hätten sich viele Studierende einzeln über die Situation beschwert. Ein Antwortschreiben vom Studierendenwerk, wie die akduell es auf Anfrage bekam, hätte er etwa in der Form nie erhalten. Omid schreibt zurzeit seine Masterarbeit und wird bald ausziehen, „aber ich will einmal eine vernünftige Antwort haben, warum es bei diesem Wohnheim so läuft. Für die Anderen, die hier bleiben, oder die Nachkommenden!“ Internationale Studierende seien jedoch nicht nur im Kontakt zum Studierendenwerk vor größere Hürden gestellt, die Waschproblematik trifft sie auch härter: „Die Studenten, die eine andere Möglichkeit haben – wie unsere Freunde aus Deutschland, deren Familien hier in der Nähe wohnen oder die ab und zu am Wochenende zur Familie fahren und sie besuchen – benutzen die Waschmaschinen hier einfach nicht, damit sie keine Kopfschmerzen mit der Sache haben.“

Seitdem die alten Waschmaschinen ersetzt wurden, haben die Probleme der Studierenden zugenommen. „Die neuen sind mit einem Dosierer für Waschpulver ausgestattet, und fast jeder benutzt eigene Waschmittel dazu, da sie nicht richtig putzen und die Wäsche oft stinkt“, erzählt Omid. Zudem kritisiert er eine Preiserhöhung von satten 70 Prozent für einen kompletten Waschgang inklusive Waschmittel – „von 1,50 Euro auf 2,60 Euro – für Waschpulver, das niemand will.“ Das Studierendenwerk lobt hingegen die Funktionalität der Bedienung: „Die Maschinen sind extra einfach und so wenig störanfällig wie möglich für Gemeinschaftswaschanlagen konstruiert. Das Waschmittel wird durch Dosieranlagen mit der korrekten Füllmenge abgegeben. Die Kosten für die Instandhaltung der Abwasserrohre werden dadurch reduziert. So können beispielsweise Rohrverstopfungen vermieden werden, die andernfalls durch eine falsche Dosierung entstehen würden.“ Das Studierendenwerk erkennt die an sie herangetragenen Probleme nicht an, weshalb sich für die Waschsituation in den Studierendenwohnheimen keine Wende abzuzeichnen scheint.



Zähflüssiges Netz

Leon Oude Hengel wohnt seit Dezember 2015 im Wohnheim Auf der Union. Auch dort seien die Waschmaschinen alt und ständig kaputt, der Trockner habe in den zwei Jahren noch nie funktioniert. Ihn stört jedoch auch die Internetsituation. Im Jahr 2018 scheint Internet noch immer ein rares Gut zu sein – zumindest, wenn man in einem Studierendenwohnheim lebt. „Die Netzpolitik des Studentenwerks besagt einfach nur, alle Verantwortung an Gigaspeedsurfer abzugeben. Das geht von Wartung der Netze bishin zur Gestaltung der Tarife“, so Leon.

500 GB stehen jedem Studierenden monatlich zu. Der Betreiber hat jedoch ein paar Tricks eingebaut: „Zwischen 0 und 10 Uhr wird das Netzwerk frei zur Verfügung gestellt (ohne Anrechnung an die 500 GB), was zwar sehr fair klingt, aber doch meistens die Zeit ist, wo man schlafen sollte. Zwischen 10 und 18 Uhr ist die Wertung des Traffic einfach. Dies ist aber eher die Zeit, wo ich in der Uni und arbeiten bin. Von 18 bis 24 Uhr wird das genutzte Datenvolumen dann vierfach angerechnet! Und ironischerweise ist dies genau der Zeitpunkt, wo man das Internet am häufigsten braucht.“

Ist das Volumen aufgebraucht, wird die Geschwindigkeit auf 350kBit/s gedrosselt. „Letzten Monat hatte ich nach den ersten zwei Wochen kein Datenvolumen mehr. Ich hatte den Fehler gemacht, das Netzwerk hauptsächlich von 18 bis 0 Uhr zu nutzen. Von den besagten 500 GB hatte ich zu dem Zeitpunkt tatsächlich nur etwa 140 GB verbraucht, dummerweise 115GB in besagter „Vierfach-Zeit“, erzählt Leon. Die Möglichkeit, einen eigenen Vertrag mit einem selbstgewählten Anbieter abzuschließen haben die Studierenden nicht. Das legt der Vertrag zwischen Studierendenwerk und Gigaspeedsurfer fest.

Leon hat sich darüber bereits beim Studierendenwerk beschwert, jedoch ohne Erfolg: „Bei meinen Bekannten aus dem Wohnheim ist sich jeder vor allem in einem Punkt sicher: Hilfe bekommen wir keine.“ Leon wirft Jörg Albrecht, Sachbearbeiter Wohnen Essen, vor, dass ihm die Beschwerde vollkommen egal sei. „Bei dem ersten Mailkontakt hat Herr Albrecht meine Nachricht nicht mal durchgelesen. Bei dem Wort Internet hat er mich einfach stur an Gigaspeedsurfer weiterleiten wollen.“ Albrecht habe ihm gesagt, „die Privatnutzung des Internets wäre keine hohe Priorität gewesen und es wäre hauptsächlich zu studentischen Zwecken geplant. Wären wir in einer Bibliothek könnte ich das absolut nachvollziehen, aber in einem Wohnheim?!“

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