Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

–>Mein Campuserlebnis<–

Eine kleine Geschichte über gescheiterte Inklusion

28.04.2020 11:12 - Redaktion

In der Uni passieren ungerechte Dinge, die sich mit Nachdenken und Empathie vermeiden ließen. Bürokratische Hürden, die es zu besiegen gilt, unfähige Mitarbeiter*innen, die stumpf ihren Job ausüben, ohne Rücksichtnahme. Aus Fehlern lernen? Fehlanzeige. So wurde ich gleich fünf Mal fast exmatrikuliert.

Seit ich denken kann, trage ich eine Schiene am Bein. Das ist meistens kein Problem, da ich damit (auf)gewachsen bin. Wenn es um bürokratische Prozesse geht, ist der Umgang damit allerdings oft Mist. Selbst in der Uni schrecken Menschen nicht davor zurück, ihre unsensible Art und ihre festgefahrenen Strukturen auszuleben. Zu spüren bekommen das beispielsweise Menschen wie ich, die einen Schwerbehindertenausweis haben.

Am Tag meiner Einschreibung an der Uni füllte ich einen Wisch aus, der besagt, dass ich nicht den vollen Semesterbeitrag bezahlen muss, da mein Ausweis das Bahnticket ersetzt. So überwies ich im ersten Semester nur den für mich vorgesehenen Betrag. Kurz darauf erhielt ich eine E-Mail vom Studierendensekretariat, das mich aufforderte, doch bitte den Gesamtbetrag zu überweisen, da ich sonst binnen weniger Tage exmatrikuliert werden würde.

Zu dieser Zeit machte ich Urlaub in Holland und versuchte, zwischen schlechtem Telefon- und Internetempfang am Strand, den Mitarbeiter*innen vom Studierendensekretariat meine Situation zu schildern. Das kostete drei Tage, fünf Telefonate und sieben E-Mails. Mein zuvor ausgefüllter Antrag sei wohl „durchgerutscht“. Ich dachte mir: Fehler passieren und studierte munter weiter. Im zweiten, dritten und vierten Semester wiederholte sich der Prozess. Ich bekam wieder die E-Mail mit der Drohung, exmatrikuliert zu werden. Außer dass meine Stimme mit jedem Telefonat aufgebrachter klang, passierte nicht viel. Am Ende konnte ich zwar immer weiter studieren, aber der Prozess dahin zog sich jedes Mal in die Länge.

Im fünften Semester platzte mir dann der Kragen. Wie erwartet bekam ich die besagte E-Mail. Diesmal wendete ich mich an die Inklusionsstelle des AStA. Ein Mitarbeiter forderte mich auf, meinen Ausweis erneut zu senden mit den Worten: „Damit wir sehen können, ob Sie immer noch eingeschränkt sind.“ Als wäre meine Behinderung plötzlich „geheilt“. Nachdem ich ihm eine deutliche Ansage gemacht hatte, schickte ich ihm den Ausweis und bin seitdem wieder eingeschrieben. Ob das im nächsten Semester so bleiben wird – abwarten.

Stellungnahme der Behindertenbeauftragten

Eine Stellungnahme der Behindertenbeauftragten Daniela de Wall-Kaplan bezüglich der Mängel in der Barrierefreiheit am Campus Essen.
 

„Bitte nutzen Sie den Nebeneingang“

Gramoz Krasniqi bewegt sich mit einem Rollstuhl durchs Leben. Wir haben ihn durch die Uni begleitet.
 

Zwischen Barrierefreiheit und Autonomie

„Behinderte Studierende können schließlich nicht immer eine Begleitperson dabei haben", sagt BckS-Referent Markus Groß-Bölting
 
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