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STUDIUM & FREIZEIT

Ein positiver Test – und dann?

Foto: lenz
05.06.2018 14:37 - Lorenza Kaib

Seit dem 1. Januar können auch schwangere Studierende den Mutterschutz für sich in Anspruch nehmen, der vorher nur für Arbeitnehmer*innen galt. Was einen deutlichen Zugewinn an Rechten darstellt, scheint bei den Prüfungsämtern noch nicht angekommen zu sein. Auch das BAföG kann Probleme bereiten – vor allem für Studierende in der Vaterrolle. akduell-Redakteurin Lorenza Kaib sprach darüber mit drei Studierenden der Universität Duisburg-Essen, die zurzeit ein Kind erwarten.

„Von Mutterschutz hat das Prüfungsamt sowieso noch nie was gehört, aber auch allgemeine Härtefallregelungen sind da ein Fremdwort“, erzählt Laura. Sie befindet sich in der letzten Phase ihrer Schwangerschaft und ihres Studiums. Um als Referendarin Deutsch und Sozialwissenschaften in der Sekundarstufe I zu unterrichten, fehlt ihr nur noch die Masterarbeit. Laura entschloss sich deshalb dazu, die ihr zustehende Mutterschutzzeit von sechs Wochen vor der Entbindung erst nach der Geburt zu nehmen, damit sie mehr Zeit für ihre Abschlussarbeit hat. Das Prüfungsamt stellte sich zunächst quer, durch Unterstützung der stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten Elke Währisch-Große konnte das Problem schließlich gelöst werden. „Sie hat mir da wirklich geholfen und ist einfach die Einzige, die Ahnung von Mutterschutz für Studentinnen hat“, so Laura.

Kündigung wegen Schwangerschaft

Ein paar Menschen an der Uni wissen über die Schwangerschaft von Toms* Freundin Bescheid. Er studiert Germanistik und Kunstwissenschaft und hofft, dass er seine Bachelorarbeit abgegeben hat, bevor das Kind zur Welt kommt. Über Fristverlängerungen hat er sich schon früh informiert. Falls das Kind früher kommt als geplant, müsse er nur ein paar E-Mails an verschiedene stellen schicken, erzählt Tom. Bessere Berufschancen haben ihn und seine Partnerin lange zum Grübeln gebracht: In den Beruf einsteigen oder sich mit einem Masterstudium weiterbilden? „Wenn ich jetzt im Juni in so einen Job einsteigen würde und da acht Stunden fünf Tage die Woche arbeite, habe ich gar nichts von dem Kind. Ich stehe vielleicht morgens mit ihm auf, aber muss dann direkt los und komme sehr spät nach Hause. Dann schläft das Kind. Ich könnte nur am Wochenende wirklich da sein – und den Gedanken finde ich echt furchtbar“, erläutert Tom seine Beweggründe.

Auch im weiteren Verlauf seines Studiums will Tom offen mit seiner familiären Situation umgehen. Nach seinen negativen Erfahrungen in seinem alten Minijob weiß der Student jedoch nicht, wie er sich damit im Arbeitskontext verhalten soll. „Ich habe meinem ehemaligen Chef die Schwangerschaft mitgeteilt. Eine Woche später wurde ich fristlos gekündigt“, erzählt Tom. Nach langer Suche hat der Student jetzt einen neuen Nebenjob – der ihn vor die Frage stellt, was er machen soll, wenn das Kind kommt. „Das muss ich ja den Leuten sagen. Nicht ‚Ich habe einen Schnupfen und bleibe zu Hause‘, sondern: ‚Mein Kind wird gerade geboren‘“, so Tom.

Gefangen in der Vater-Schublade

Auch Alina erwartet ein Kind. Seit einem halben Jahr ist die Lehramtsstudentin mit ihrer Partnerin zusammen, dieses Jahr heiraten sie. „Sie hat schon sieben Versuche hinter sich mit ihrer Exfreundin. Und obwohl wir wussten, dass mein Auslandsaufenthalt dieses Jahr noch ansteht, haben wir es versucht. Im Februar hat die Befruchtung stattgefunden und jetzt habe ich eine schwangere Verlobte zu Hause sitzen“, erzählt Alina, die gerade im vierten Semester ihres Kunst- und Englischstudiums ist.

Um weiterhin BAföG beziehen zu können, muss sie ihren Leistungsnachweis erbringen und dafür fünf Module abschließen. „Dass ich weiterhin BAfög bekomme, ist schon eine wichtige Sache für mich“, so die Studentin. Wie es jetzt mit ihrem Studium weitergeht, ob sie ein bis zwei Semester zu Hause bleibt oder weiter studiert, beschäftigt sie sehr. „Wir sind da echt noch mit einem großen Fragezeichen unterwegs. Mein erster Gedanke war ‚Ich brauche dann erstmal eine Pause‘ – weil mit kleinem Baby zu Hause für eine Klausur zu lernen wirklich schwer ist“, erzählt Alina. Die Finanzierung des Studiums übt jedoch Druck aus. Die Studentin überlegt deshalb, weiter zu machen und ihren Fokus auf Hausarbeiten zu legen. Ihre Verlobte, die älter ist als sie und als Fotografin arbeitet, will ein Jahr Mutterschutz nehmen.

 

„Ich fühle mich von der Uni bisher gut informiert. Jedoch wünsche ich mir schon, dass sie beiden Elternteilen etwas mehr entgegen kommt. Und das ist für Väter so nicht gegeben“, findet Alina. Das Mutterschutzgesetz bezieht sich nur auf Mütter, „das gilt für mich eben nicht, da ich juristisch gesehen nur die Vaterrolle habe.“ Das empfindet die Studentin als unfair. Zunächst, weil sich Väter genauso um Kinder kümmern dürfen sollten wie Mütter und deshalb auch die gleichen Rechte brauchen. „Ich bin der Meinung, dass sich das BAföG-Amt ein bisschen freundlicher stellen sollte. Wir sind hier an einer familienfreundlichen Uni und das BAföG sollte da auch mitspielen, wenn man für ein Kind ein Semester im Studium aussetzt“, so Alina. Darüber hinaus sieht sie sich in eine Rolle gedrängt, in der sie sich selbst nicht wiederfindet: „Ich bin die zweite Mama. Die Vaterrolle ist männlich konnotiert und ich bin einfach eine Frau.“

Da Alina und ihre Partnerin vor der Geburt des Kindes verheiratet sein werden, hat die Studentin zunächst das kleine Sorgerecht inne. Sie darf dann etwa mit dem Kind zu Arztterminen gehen. Wenn das Kind das erste Lebensjahr vollendet hat und die beiden Ehepartnerinnen ein Jahr verheiratet sind, kann Alina eine Stiefkindadoption durchführen. Ein kompliziertes Verfahren – vor allem, wenn man bedenkt, dass sich die Studentin bereits jetzt als werdendes Elternteil einbringt. „Das finde ich auch scheiße, weil mein Kind in eine Partnerschaft kommt – es gehört aber nur einem Partner. Klar, es ist wunderbar, dass jetzt die Ehe gleichgestellt wurde. Aber Deutschland hängt mit großen Schritten hinterher und könnte viel weiter vorangehen.“

* Name von der Redaktion geändert


 

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