Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Die NRW School of Governance wird 15

Ein Jahrgang des Masters Politikmanagment zu Gast in der Landesvertretung NRW in Brüssel [Foto: NRW School of Governance]
25.09.2021 11:31 - Canberk Köktürk

Die NRW School of Governance ist eine Einrichtung des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen (UDE). Dort wird unter anderem der Masterstudiengang Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung sehr praxisnah gelehrt. Wie die NRW School of Governance entstanden ist und was sie so besonders macht, hat uns der Geschäftsführer und Diplom-Sozialwissenschaftler Markus Hoffmann zum 15. Jubiläum, im Interview erzählt.

ak[due]ll: Können Sie unseren Leser:innen kurz erklären, was die NRW School of Governance überhaupt ist? 

Markus Hoffmann: Wenn man es nur mit einem Satz erklären müsste, würde man es wahrscheinlich mit dem Begriff „Professional School“, also eine Fachschule, beschreiben. Wir bilden auf universitärer Ebene
Studierende des Masters „Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung“ berufsnah aus. Von außen betrachtet wird die NRW School of Governance oft als ein Konzept gesehen, das man eher an einer privaten Hochschule trifft. Wir haben es aber bewusst anders gemacht. Wir haben uns immer als eine Einrichtung an einer ganz normalen staatlichen, öffentlichen Universität verstanden. Hier an der Universität Duisburg-Essen zählen wir uns zu unserer Fakultät der Gesellschaftswissenschaften und sind ganz klar Bestandteil unseres Instituts für Politikwissenschaft. Es war für uns Politikwissenschaftler:innen immer ein Vorteil, dass wir im öffentlichen Bereich Teil der Gesellschaftswissenschaften sind und nicht privat ausgegründet. 

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ak[due]ll: Warum hat sich die UDE dafür entschieden, eine Einrichtung allein für einen Masterstudiengang zu eröffnen?

Hoffmann: Das hat einen ganz bestimmten Grund. Ich selbst habe noch Diplom-Politikwissenschaft studiert. Das war bis ungefähr 2005 der Abschluss. Dann kam das Bachelor-Master-System, um europaweit Angleichungen der Studienkonzeptionen zu haben. Um 2005 und 2006 wurden auch alle Gesellschaftswissenschaften in den Bachelor und die nachfolgenden Masterstudiengänge umgestellt. Da haben wir uns gedacht, vorneweg der Direktor der NRW School, Professor Karl-Rudolf Korte, den Standort Duisburg attraktiver zu gestalten. Duisburg als Universität hat ein großes Institut für Politikwissenschaft mit sehr vielen Lehrstühlen, aber für Außenstehende sind große Städte wie Hamburg, München oder Berlin attraktiver. Deswegen war es uns auch wichtig, aus ganz Deutschland Studierende zu unserem Campus zu bringen. Das hat auch ganz gut funktioniert. Wir haben für den Master Politikmanagement eine sehr gute Mischung aus den eigenen Absolventen und Studierenden aus allen Regionen Deutschlands. Die Idee NRW School hat sicherlich dazu beigetragen, dass unsere Universität bekannt für das Fach Politikwissenschaft wurde.

ak[due]ll: Wo setzt die NRW School inhaltliche Schwerpunkte?

Hoffmann: Unser Direktor Prof. Dr. Karl Rudolf Korte würde jetzt sagen: „Wir bilden Krisenlotsen aus.“ Wir haben in den letzten Jahren verschiedenste Krisensituationen, die Pandemie als Beispiel, weltweit erlebt. Wir versuchen in unserer Ausbildung zwar immer theoriefundiert vorzugehen, aber auch sehr praxisorientiert. Dadurch lernen unsere Studierenden in Krisensituationen zu entscheiden. Es ist leider nicht so, dass es zwei Entscheidungsmöglichkeiten, richtig oder falsch, gibt. Das wäre schön. Auch in komplexen Situationen eine Lösung zu finden, gehört bei uns dazu. Diese beiden Dinge machen den Master Politikmanagement aus. Natürlich gehört es auch dazu, dass man wissen muss, mit wem man verhandelt oder zusammenarbeitet. Gehört die Person zur Wirtschaft oder zur Politik? Wie kommuniziere ich? Dementsprechend ist das nicht nur ein praktischer Studiengang. Das Praktische und die Vorbereitung auf bestimmte Berufsfelder bieten wir mit bestimmten Angeboten an.

ak[due]ll: Die da wären?

Hofmann: Da gibt es eine Menge. Zum Beispiel die Gastprofessur, die es seit 2006 gibt. Die wird von der Stiftung Mercator gefördert. Wir hatten schon Gregor Gysi oder Andrea Nahles zu Gast. Meistens sind es Persönlichkeiten, die nicht mehr im Zentrum ihres politischen Wirkens stehen. Dadurch haben sie die Möglichkeit, reflektiert und rückblickend auf die Politik zu schauen. Aktive Politiker:innen schaffen das nicht immer. Wir machen auch Planspiele im Landtag Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es unter anderem Workshops zum Redenschreiben. Wir fahren regelmäßig nach Brüssel und Berlin. Dort sprechen wir häufig mit Akteur:innen aus dem Parlament, aus den Medien oder Beratungsfirmen. Durch die Pandemie hat das im letzten Jahr leider nicht geklappt.

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Markus Hoffmann, Geschäftsführer der NRW School of Governance [Foto: NRW School of Governance]
 

ak[due]ll: Warum ist die NRW School so stark vernetzt?    

Hoffmann: Salopp formuliert: Wir haben keine Angst vor Kontakt. Es ist auch kein Geheimnis, dass unser Direktor Karl-Rudolf Korte uns dabei hilft. Wir verstehen uns nicht als Elfenbeinturm-Universität, in der wir hinter unseren verschlossenen Türen die Weltlage analysieren, sondern auch als politikberatende Wissenschaftler:innen. Da kommt man natürlich in Kontakt mit Akteur:innen aus Parteien, Ministerien und anderen. Unsere Kolleg:innen sind auch immer gerne bereit, mit der Presse zu sprechen. Wir überlegen uns vorher, ob wir für ein Thema die richtigen Ansprechpartner sind, aber wenn das so ist, dann gibt es da keine Berührungsängste. Dadurch entsteht ein Bekanntheitsgrad und ein Netzwerk.

ak[due]ll: Gibt es irgendetwas in den 15 Jahren NRW School, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Hoffmann: Eine persönliche Anekdote: Wir mussten unseren Aufenthalt in den USA mit der NRW School für mehrere Wochen, wegen eines Vulkanausbruchs in Island, verlängern. Wir saßen in New York fest. Das war sehr spannend, mit dem Team dort zu sein, aber auch teuer (lacht). Ansonsten war damals als aussichtsreicher Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als Gastdozierender ein Volltreffer. Für die NRW School ist es auch sehr spannend, dass wir seit einigen Jahren als berufsbegleitenden zweiten Studiengang den „Master of Public Policy“ anbieten. So ein berufsbegleitender Studiengang muss sich finanziell nämlich durch die Gebühren der Studierenden tragen. Da hatten wir uns sehr weit vorgewagt!

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