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STUDIUM & FREIZEIT

Der Lockdown im Studentenwohnheim

Im Studentenwohnheim „die BRÜCKE“ herrschen strikte Corona-Regeln. [Foto: saz]

29.01.2021 17:56 - Saskia Ziemacki

Das Leben im Studentenwohnheim Die Brücke am Campus Essen der UDE stellt einen in Zeiten der Corona-Pandemie vor Herausforderungen. Wie geht man mit einem großen Kontaktradius, mit Quarantäne-WGs und mit der Angst vor der kompletten Abriegelung um? Mein Umgang damit: Ein schlechtes Gewissen und Stress. 

Eine Kolumne von Saskia Ziemacki

Ich wache auf und schaue auf mein Handy – das Erste, was ich jeden Morgen tue und nicht selten bereue ich es direkt. Heute war so ein Tag, denn da prasselten schon im Halbschlaf negative Nachrichten auf mich ein: „In der Brücke gibt es wieder einen Corona-Fall“, heißt es in der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe.
Ich wohne nun schon seit einigen Jahren im Studentenwohnheim und liebe das Leben dort. Gerade in Zeiten der Pandemie kann ich mich glücklich schätzen, nicht alleine zu sein. Und „nicht alleine sein“ ist untertrieben: ich habe sechs Mitbewohner:innen von insgesamt 175 Studis, die hier leben. Alleine ist man hier nie. Aber genau das ist ein Stressfaktor im Lockdown, den bestimmt einige kennen, die in einer WG wohnen. Man hat automatisch einen viel größeren Kontaktradius als andere Haushalte. Und das sorgt für ein konstant schlechtes Gewissen, das sich als ein Ziehen im Magen bemerkbar macht und mich so manche Nächte nicht einschlafen lässt.

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Und trotzdem schaue ich am nächsten Morgen direkt aufs Handy: „Zwei WGs gehen in Quarantäne, weil sie Kontakt zu einer Person aus der Corona-WG hatten“, lese ich voller Frust. Sofort beginnt auch in unserer WG-internen WhatsApp-Gruppe eine Diskussion:
„Hatte jemand Kontakt zu einer dieser Personen?“
„Aber ist nicht XY mit XY befreundet und kam letztens in unsere WG, um Hallo zu sagen?“
Meistens beruhigen wir uns dann gegenseitig, denn nach einem Jahr ist man diese Gespräche langsam leid. Das sah Anfang vergangenen Jahres noch ganz anders aus. Da hieß es: Wenn hier ein Corona-Fall auftritt, riegeln die das gesamte Studentenwohnheim ab, wie sie es in Göttingen mit einem Hochhaus getan haben. Geht eine WG in Quarantäne, kümmert sich eine andere um sie. Was passiert jedoch, wenn niemand mehr raus kann? Wir haben aber schnell gemerkt, dass diese Horrorszenarien nicht mehr der Realität entsprechen. Das Gesundheitsamt hat dafür bei weitem keine Kapazitäten. Gibt es einen Corona-Verdacht, heißt es am Telefon: „Wir melden uns in den nächsten 72 Stunden bei ihnen.“ Da die Quarantäne erst ab einem positivem Test zählt, ist es fast eine Zumutung.

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Das Handy: Jeden Morgen das Erste, was viele sehen. [Foto: pixabay] 

Ich wache auf und schaue auf mein Handy. Eine Push-Benachrichtigung der Tagesschau: „Private Zusammenkünfte: Eigener plus ein weiterer Haushalt, maximal fünf Personen.“ Ich fühle mich verarscht. Ein Haushalt darf also nur aus vier Personen bestehen, der Rest ist illegal. Ich kann die Regelung gut nachvollziehen, doch hätte man die Maximalanzahl einfach weglassen können. Jede:r wird doch wohl wissen, wie viele Menschen zum Haushalt gehören. Danke Bundesregierung, dass du mir das vorschreiben willst. Auch die Koordination, wer wann seine:n Partner:in einlädt, wird in einer WG fast zu einem Ding der Unmöglichkeit. Abgesehen davon herrscht in der Brücke eine strikte Regel: Nur Zutritt für Bewohner:innen. Und trotzdem bleibe ich in den Augen der anderen immer diejenige, die zu viele Kontakte hat.

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