Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

In den Peschen: Strom und Gas abgestellt

(Foto: Tekke/flickr.com, CC BY-ND 2.0)

11.06.2014 18:35 - Maren Wenzel






Nach dem Sturm am Wochenende folgt der Paukenschlag in Duisburg-Rheinhausen. Der Bordell- und Immobilienbesitzer Branko Barisic hat den Mieter*innen der beiden Hochhäuser In den Peschen 3-5 ohne Vorankündigung Strom und Gas abstellen lassen. Mit Unterstützung von 16 Polizeibeamt*innen, vier Rockern sowie Mitarbeiter*innen der Stadtwerke lies er gestern Mittag die Zähler abmontieren. Zurück bleiben um die 20 Familien, vorwiegend Roma, die jetzt ohne Elektrizität auskommen müssen.

 „Wir gehen davon aus, dass im Haus derzeit rund 100 Kinder wohnen“, sagt Annegret Keller-Steegmann vom Theaterprojekt Bahtalo e.V., das sich für die Roma in den zwei Hochhäusern einsetzt. Nachdem Mitte April viele Mieter*innen das Haus aufgrund des hohen Drucks fluchtartig verlassen hatten, sind nämlich wieder zehn Familien nach Duisburg zurückgezogen. Nach dem Ausbau der Zähler können diese jetzt „weder Babyfläschchen warm machen noch kochen, und haben bei dem Wetter keine funktionierenden Kühlschränke“, beschreibt Keller-Steegmann die Situation. „Die Stadtwerke haben hier nicht an das Kindeswohl gedacht.“ Mittlerweile haben Aktivist*innen wenigstens Taschenlampen für das nachts finstere Haus besorgt.

Ein nicht erfülltes Angebot

Das Abmontieren der Zähler kam für die Aktivist*innen aber nicht überraschend: „Wir haben geahnt, dass da jetzt wieder etwas kommt“, sagt Keller-Steegmann. Denn nachdem Barisic das Kaufangebot der Stadt für die beiden Häuser in Höhe von 1,3 Millionen Euro nicht genug war, machte er den Mieter*innen in den Peschen ein Angebot. Sie könnten weiter in den Häusern wohnen bleiben, wenn sie Miete zahlten. „Die Menschen haben ihm aber gesagt, sie zahlen keine Miete ohne gültigen Vertrag", so Keller-Steegmann.

Der Vermieter wollte daraufhin am vergangenen Mittwoch in das Haus kommen, um die Situation zu klären. „Wir waren den ganzen Mittwoch da, um die Menschen zu unterstützen. Aber uns wurde gesagt, er käme erst, wenn wir weg wären“, berichtet Keller-Steegmann. Das Treffen zwischen Eigentümer und Mieter*innen platzte. Das Vertrauen der Menschen zum Vermieter ist schon seit Mitte März gestört: Damals hatte er die Mieter*innen einfach beim Einwohnermeldeamt abgemeldet. Ihnen wurde darauf das Kindergeld gestrichen. Viele flüchteten aus dem Haus, weil Barisic mit Räumung und dem Abstellen von Strom und Wasser gedroht hatte.

Roma leben legal In den Peschen

Jetzt hat Barisic seine Drohung wahr gemacht. Die Begründung des Vermieters, die Menschen würden illegal in dem Haus leben, weist Keller-Steegmann scharf zurück: „Die Menschen sind im Haus angemeldet und haben Quittungen über die Mieten, solange Barisic sie gefordert hat.“ Diese Dokumente wollten jedoch weder Polizei noch Stadtwerke gestern sehen. Die Stadtwerke verweisen ihrerseits darauf, dass weder mit dem Vermieter, noch mit den Mieter*innen Lieferverträge bestünden.

Warum Barisic nach seinem vorherigen Angebot jetzt so hart gegen die eigenen Mieter*innen vorgeht, erklärt sich Keller-Steegmann so: „Die Stadt will das Haus nur kaufen, wenn es leer ist.“ Das Abstellen von Strom und Gas gehöre zur Abschreckung von ungewollten Mieter*innen. Barisic, der ebenfalls Immobilien in Duisburgs Rotlichtbezirk besitzt, ist für seine rabiaten Methoden bekannt. Schließlich konnten die Mieter*innen jahrelang keine Miete auf ein Konto überweisen, sondern Bekannte von Barisic, die dem Rockermilieu zugerechnet werden, trieben die Miete an der Haustür ein.

Antirassistische Bündnisse wie die Initiative gegen Duisburger Zustände verurteilen diese Methoden: „Scheinbar ist die Stadt bereit, ihm ein von Roma gesäubertes Haus abzukaufen und überlässt das schmutzige Geschäft jemandem aus dem Mafiamilieu“, sagt Sprecherin Johanna Haldemann. Die Initiative kündigt an, dieses Vorgehen nicht ohne Weiteres hinzunehmen: „Wir werden die Vertreibungspolitik der Stadt - die einen Barisic ja erst ermöglicht - bei unserer Kundgebung am kommenden Montag thematisieren. Dann protestieren wir vor dem Rathaus und während der ersten Sitzung des neuen Rats gegen den Rechtsruck in der Stadt, in dessen Fahrwasser auch PRO NRW und die NPD in den Rat gewählt wurden.“

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Ein Fünftel des AStA-Etats ist schon weg

Wenn es um Pünktlichkeit geht, könnte der AStA der Deutschen Bahn ernsthafte Konkurrenz machen. Mit rund 30 Minuten Verspätung tagte die Studierendenvertretung aus Grüner Hochschulgruppe (GHG), Juso Hochschulgruppe (Jusos) und Linker Liste (LiLi) am Dienstag, 17. April, in Duisburg. Etwas schneller als sonst sollte es gehen, auf ausschweifende oder wiederholende Aussagen sollte man in Zukunft verzichten, betont Vorsitzende Carlotta Kühnemann (LiLi) mit Nachdruck. Zu diskutieren gab es Einiges: Im Fokus standen verschiedene Anträge zu Veranstaltungen, die der AStA mit einer Ausnahme allesamt annahm. Eine Bewilligung von 4.855 Euro versprach er allein in der ersten Sitzung des Haushaltsjahres. Innerhalb eines Jahres hat der AStA für Anträge von Gästen ein Gesamtetat von 25.000 Euro zu Verfügung. Das jetzt bereits fast ein Fünftel dessen verteilt wird, sei kein Problem, meint Co-Vorsitzender Marcus Lamprecht (GHG). Auf anderen Sitzungen würden weniger Anträge eingereicht, sodass sich die Ausgaben ausgleichen würden.
 
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