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STUDIUM & FREIZEIT

Das Problem sind nicht die Scheinstudierenden

 

Mit einem QR-Code auf Papier müssen viele UDE-Studierende ihr Ticket vorzeigen. [Foto: Dennis Pesch]

12.08.2019 17:23 - Dennis Pesch

Alle paar Monate bringen Lokal- und Regionalmedien die vermeintlich investigative Geschichte der schlimmen Schein-Studierenden. Der Tenor ist verurteilend und wiegelt Menschen gegeneinander auf, die in einer prekären Lebenslage sind, kommentiert akduell-Redakteur Dennis Pesch.

Ein Kommentar

Mitte letzter Woche zitiert die WAZ die anonyme Schein-Studentin Lena, die eingeschrieben ist, damit sie das NRW-weite Semesterticket kaufen kann. Der Text liest sich teilweise wie eine Anklage: Lena wird eine Lebenslüge unterstellt. Sie würde die Regelung „ausnutzen“, um „freie Fahrt“ zu haben. Eine „freie Fahrt“ gibt es aber gar nicht. Die WAZ setzt Framing ein. Das bedeutet, sie legt den Leser*innen mit der Wortwahl schon eine gewisse Deutung des Inhalts nahe. Und zwar, dass Lena sich einen unfairen Vorteil verschaffen würde. Wie alle Studierenden bezahlt sie aber den Semesterbeitrag und kauft sich damit ein Ticket.

Lena hat sich also nichts weiter vorzuwerfen. Sie will das, was alle Menschen brauchen: Mobilität. Wir müssen von A nach B kommen. So wie Lena möglichst günstig zur Arbeit nach Mülheim kommen will, so wollen das andere auch, oder zum Sportverein, zu Freund*innen, nach Hause, zur Familie, in den Urlaub. Das grundsätzliche Problem ist: Es gibt einen öffentlichen Nahverkehr, aber der ist nicht für alle so zugänglich, wie er es sein sollte.

Viele Menschen müssen sich eben zwischen einem Einkauf bei Netto oder einem Ticket-Kauf entscheiden. Das geht Rentner*innen, Lohnarbeitenden, Hartz IV-Beziehenden, Obdach- und Wohnungslosen, Geflüchteten, Auszubildenden und Studierenden so. Keine Sorgen machen sich darüber nur die, die das im Kapitalismus sowieso nie mussten: die, die den Reichtum anhäufen, weil dieses System darauf basiert, während andere lebenslänglich arm bleiben.

Die WAZ hat also nicht die Gründe erläutert, warum es viele Schein-Studierende gibt. Viele haben keine Kohle für eins der kaum bezahlbaren Abos, das sie im Zweifel sogar nur innerhalb einer Stadt transportiert. Ein Vergleich: Das Ticket, das dem Semesterticket am ähnlichsten ist, ist das Ticket 1000 in Preisstufe D. Es gilt für den gesamten VRR-Bereich und kostet sage und schreibe 2004,84 Euro im Jahr. So viel Geld bekommen manche Menschen nicht mal mit drei brutto Monatslöhnen zusammen.

Aber leider liegt Konsumkritik derzeit im Trend, auch wenn die Ursache im System liegt.

Für Studierende kostet das NRW- und VRR-Ticket zusammen im Jahr 407,76 Euro. Mit den Sozialbeiträgen für Studierendenwerk und Studierendenschaft hat man an der UDE im Sommersemester 18/19 und für das kommende Wintersemester 19/20 insgesamt 625,06 Euro bezahlt, um das Ticket nutzen zu können.

Und no surprise: Selbst das können sich manche Studierenden nicht leisten. Der Härtefallfonds der UDE-Studierendenschaft kratzt jetzt schon am Limit und das Haushaltsjahr hat erst im April angefangen. Auch darüber ist in der investigativ daher kommenden Story „Schein-Studentin an der UDE packt aus“ nichts zu lesen. Nötig wäre da lediglich ein Anruf beim AStA gewesen. Das wäre eine Einordnung gewesen, die zumindest einen Einblick in die Umstände gibt. Aber leider liegt Konsumkritik derzeit im Trend, auch wenn die Ursache im System liegt.

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Staub+Trocken=

1600

1.600 Wireless Access Points gibt es an der UDE.

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