Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

„Dann kreuzige ich ein paar Frauen“

Nathalie will die weibliche Position in der katholischen Kirche stärken. [Foto: Julia Segantini]

17.06.2019 12:34 - Julia Segantini

Solange es die katholische Kirche gibt, werden Frauen dort diskriminiert, zum Beispiel, indem ihnen viele Ämter verwehrt bleiben. Zeit, dass sich das ändert, findet Nathalie Kajzer, Studentin an der Universität Duisburg-Essen (UDE) und ehemalige akduell-Redakteurin der ersten Stunde. Sie will in einem Fotoprojekt Frauen in einer Kreuzposition ablichten und sie damit empowern. 

Nathalie studiert Kunst, Spanisch und katholische Theologie auf Lehramt an der UDE. Im Rahmen eines Kolloquiums arbeitet sie zur Zeit an einem Fotoprojekt, das Frauen in einer Kreuzposition abbildet. Die Modelle posieren dabei mit geschlossenen Beinen und seitlich ausgestreckten Armen vor einem schwarzen Hintergrund und imitieren so das Kruzifix. Ursprünglich habe sie für das Seminar jüdisches Leben in NRW abbilden wollen, erzählt Nathalie. Daraus sei aber nichts geworden. „Und dann kam diese Maria 2.0-Geschichte“, erinnert sie sich. 

Maria 2.0 bezeichnet eine von Frauen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ins Leben gerufene Initiative. Ihr Ziel ist es, die herrschenden Machtstrukturen in der Kirche zu bekämpfen. Dazu fordert sie die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche, die Aufhebung des Zölibats und eine umfassende Aufklärung der Missbrauchsfälle in der Kirche. Diese Initiative will die Studentin mit ihrem Fotoprojekt unterstützen. 

Wir erheben uns

Durch Kommilitonen sei sie auf die Fotografin Brook Shaden gestoßen. „Ich habe ein Foto von ihr gesehen mit so einer Art Kruzifix von hinten. Da hatte ich direkt ein Bild vor Augen, weil mich diese Maria 2.0-Sache beschäftigt hat. Wie kann es sein, dass Frauen keine Priesterinnen werden dürfen?“, beschwert sie sich. 

Für dieses Projekt fotografiert sie digital, denn dadurch hat sie mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung. Später sollen die Bilder schwarz-weiß eingefärbt werden. Die Frauen stellen sich vor eine schwarze Leinwand und ahmen den am Kreuz hängenden Jesus nach. Abgelichtet werden sie frontal und diagonal von der Seite, aber auch von unten. „Dadurch, dass ein Kreuz bei den Katholiken und Katholikinnen auf Knien angebetet wird, gebe ich so diesen Blick wieder“, erklärt sie. 

Die Frauen stellen sich vor eine schwarze Leinwand und ahmen den am Kreuz hängenden Jesus nach.

Die Frauen, die sie fotografiert, gucken immer in die Kamera und sollen nicht lächeln. Das sei ein wichtiger Unterschied zu den Arbeiten, die es in der Richtung schon gibt. „Frauen sollen nicht passiv irgendwas erleiden, sondern das ist ein Statement und deswegen schauen die ganz explizit und bewusst in die Kamera“, betont sie. Dabei spielt sie mit Kurzzeit- und Langzeitbelichtungen. So sieht es hinterher so aus, als würden zwei Bilder übereinander liegen – eins in einer knieenden Pose, das andere stehend. Die Botschaft ist klar: „Wir erheben uns. Das ist eine sehr deutliche Bildsprache. Das Projekt soll großformatig angelegt sein und Öffentlichkeit erregen. Es soll lesbar sein – auch für Menschen, die sich nicht als Christen oder Christinnen definieren.“

Ein Update für die Kirche

„Wenn das einzige Argument dafür, dass Frauen keine Priesterinnen oder Diakoninnen werden dürfen ist, dass Jesus angeblich nur männliche Nachfolger gewählt hat – was man schon nicht so stehen lassen kann – führe ich das Ganze ad absurdum“, meint die Studentin. „Dann kreuzige ich ein paar Frauen“, sagt sie lachend. Deshalb habe sie ganz plakativ die Kreuzform gewählt. Nathalie stellt klar: „Mir ist wichtig, dass die Frauen freiwillig kommen. Jede kommt so, wie sie sich sonst auch kleidet und wie sie sich selbst definiert und wohl fühlt.“ An ihrem Projekt können auch Frauen teilnehmen, die aus der Kirche ausgetreten oder gar keine Christinnen sind. 

Dass in der Kirche noch immer an patriarchalen Strukturen festgehalten wird, kritisiert sie scharf. „Wer waren denn die ersten, die gesagt haben, dass Jesus auferstanden ist? Das waren Frauen. Jesus hätte zu der Zeit in diesen patriarchalen Strukturen nicht den Wirkungsgrad erreichen können, wenn er eine Frau gewesen wäre. Er hätte kein Schriftgelehrter werden können, weil das für Frauen damals einfach nicht möglich gewesen ist“, erklärt sie. Es sei absurd zu sagen, Gott habe sich etwas dabei gedacht, Jesus als Mann auf die Erde zu senden. Für Nathalie ist klar: „Völliger Schwachsinn. Wenn Jesus heute gewesen wäre, hätte er auch eine Frau sein können.“

Mit ihrem Projekt will sie Frauen in der Kirche empowern: „Die Kirche braucht ein Update. Es kann nicht sein, dass patriarchale Machtstrukturen einfach hingenommen werden und so getan wird, als seien sie von Gott gegeben. Dafür gibt es keine theologische Begründung“, gibt sie zu Bedenken. 

Wer an Nathalies Projekt teilnehmen möchte, kann sich hier melden.
 

 

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