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STUDIUM & FREIZEIT

Corona-Zeit: Der ganz normale Uni-Wahnsinn

Collegeblock, Stift und Laptop: Die Vorlesung kann starten.
[Symbolfoto: Carla Cingil]

03.05.2020 16:21 - Gastautor*in

Mit dem neuen Online-Semester geht der normale Wahnsinn des Unialltags weiter. Die Vorlesungen, Seminare und Tutorien werden zwar online gehalten, die Probleme sind jedoch die gleichen. Ein Erfahrungsbericht.

Von Gastautorin Carla Cingil

10:00 Uhr: Die erste Veranstaltung beginnt: Statistik-Tutorium. Ich hätte mir auch was Schöneres am frühen Morgen vorgestellt, aber na gut. Die Minuten vergehen, schnell nochmal durch die Haare kämmen, damit man vor der Webcam nicht merkt, dass ich erst vor 20 Minuten aufgestanden bin und mein 48-Stunden-Outfit trage. 

10:10 Uhr: Gleich geht’s los. Ich logge mich bei Big Blue Button ein, schaue auf mein Handy und sehe die erste Nachricht: „Bitte entschuldige mich, falls er gleich die Namen abfragt. Ich kann heute nicht kommen“, schreibt Karim auf den letzten Drücker. „Nächstes Mal komme ich aber safe“. Typisch. Ich gucke mir die Teilnehmer*innenliste an und merke, dass noch ein anderer Freund von mir fehlt. „Der schläft bestimmt noch“, denke ich mir und versuche ihn anzurufen – jedoch ohne Erfolg. Egal, es geht los. 

10:15 Uhr: Das Tutorium beginnt und alle sitzen nervös vor ihren Laptops und Handys. Der Tutor eröffnet die Sitzung mit ein paar netten Worten. Der Tag fängt gelassen und entspannt an. Soweit, so gut.

Startschwierigkeiten

15:15 Uhr: Neue Vorlesung, altes Problem. Niemand kennt den Professor und niemand kennt sich so wirklich mit der Technik aus. Bereits 45 Studierende warten gespannt vor ihren Computern und hoffen, dass es gleich los geht. Einer fehlt jedoch: der Professor. Die Minuten verstreichen und in dem Gruppenchat wird schon heiß diskutiert und hastig herumgefragt, was denn los ist und ob man überhaupt zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

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15:30 Uhr: Endlich ist es soweit; ein Bild erscheint. Nur leider sitzt vor der Kamera nicht wie erwartet der männliche Professor, sondern eine Frau, die verwirrt auf ihren Bildschirm hin und her guckt. Wie es sich für Studierende am ersten Tag gehört, benehmen sich alle vorbildlich und versuchen, ihr zu helfen: „Sie müssen Ihr Mikrofon aktivieren, wir hören Sie nicht“, schreibt eine Studentin. „Drücken Sie unten links auf das Symbol, dann müsste es eigentlich klappen“, ergänzt ein anderer. „Oder gehen Sie einfach raus und wieder rein“. Das Spielchen geht so zehn Minuten weiter – ohne Erfolg. 

15:45 Uhr:  Die Zeit vergeht und mittlerweile sollte die Vorlesung schon zu Ende sein, aber wir haben noch nicht mal angefangen. Nachdem die Tipps und Anweisungen nicht geholfen haben, wird einer Studentin klar, dass es sich bei der vermeintlichen Vertretung um eine ganz normale Teilnehmerin handeln könnte, die als einzige ihre Kamera aktiviert hat. Kurz darauf stellt sie ihre Frage: „Halten Sie die Vorlesung oder sind Sie auch nur eine Teilnehmerin?“. „Ich bin nur eine Teilnehmerin“, antwortet die Frau, die immer noch als einzige zu sehen ist. „Wie? Der Professor ist immer noch nicht da?“, fragt ein Student. „Ich schreibe ihn jetzt mal an.“

Wo ist denn nun der Professor?

15:50 Uhr: Zehn Minuten später ist das Problem gelöst. Wir alle sind im falschen Raum. Sofort werden alle hektisch und fragen, wo sie denn jetzt hin müssen. Ein kurze Erklärung von einem Kommilitonen mit viel Interpretationsfreiheit wird in den Chat geschrieben. Daraufhin schrumpft die Anzahl der Teilnehmenden im Sekundentakt. „Doch wo muss man jetzt eigentlich hin?‟, fragen sich die Übriggebliebenen. In den Whatsgruppen glühen die Chats, alle wollen wissen, wo es hingeht. 

15:55 Uhr: Die letzten Teilnehmer*innen betreten den neuen Raum. Der Professor sitzt bereits vor seinem Tisch, lächelt in die Kamera und wird von allen Seiten mit Erklärungen bombardiert. „Es tut uns so Leid, wir waren alle im falschen Raum“, schreibt eine Studentin. „Ich glaub’ , die anderen müssen auch gleich kommen“, schreibt ein anderer. 
 „Alles gut, es gab wohl ein paar Fehler in den Einstellungen. Ich regele das später mit dem ZiM“, sagt der Professor mit gelassener Stimme. 

16:15 Uhr: Endlich ist es geschafft. Mein Herz schlägt noch wild vor Aufregung und der Angst, etwas zu verpassen. Kurz nach dem ersten Schock kehrt Ruhe in den Chatroom ein. Ich blicke noch schnell auf mein Handy und realisiere, dass wir ernsthaft eine Stunde für die Lösung dieses Rätsels gebraucht haben. Schnell antworte ich noch meiner Freundin, die ihren Weg nun auch in den neuen Raum gefunden hat, lehne mich entspannt zurück und lausche der Stimme des Professors, der nun endlich seine Vorlesung beginnt. 

Der ganz normale Wahnsinn eben. 
 

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