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STUDIUM & FREIZEIT

Corona-Wintersemester an der UDE

Arne Rensing vom Presseressort der UDE
[Foto: Universität Duisburg-Essen]

13.07.2020 14:25 - Sophie Schädel

Das Wintersemester naht und ein Ende der Coronapandemie ist nicht in Sicht. In einem Rundbrief schreibt das Rektorat der Universität Duisburg Essen (UDE), dass Veranstaltungen bis 30, maximal 50 Personen in Präsenz möglich sind. Wie werden Lehre und Prüfungen im kommenden Semester genau ablaufen? Was passiert am Campus? Und wie sehen die Pläne für den Fall aus, dass es eine zweite Welle geben könnte? Arne Rensing von der Webredaktion der Uni-Pressestelle erklärt es euch.

ak[due]ll: Die Vorlesungen im Wintersemester starten später als gewohnt - erst am 02. November, in den höheren Semestern der Medizin eine Woche vorher. Woran liegt das?

Rensing: Den 2. November als regulären Startpunkt hat die Kultusministerkonferenz entschieden. Die Abiturprüfung hat sich wegen Corona verschoben, die Bewerbungsphase fürs Studium ging am 1. Juli erst los und wir wollten einen zeitlichen Puffer bis zum Vorlesungsstart. Die höheren Semester der Medizin haben ein bundesweit einheitliches Curriculum, daher der frühere Start.

ak[due]ll: Im Sommersemester wurde auf Onlinelehre umgestellt. Wie geht es ab November weiter?

Corona-Blog: Was passiert an der UDE?

 

Rensing: Das Wintersemester wird kein normales Präsenzsemester, sondern wieder ein Hybridsemester sein. Das heißt: Präsenzlehre wird es geben, bei Laborpraktika zum Beispiel, also bei allen Veranstaltungen, die absolut auf Präsenz angewiesen sind. Welche das sind, kann man als Hochschule nicht von oben vorgeben, das müssen die Fakultäten entscheiden. Außerdem kann es nur Präsenzveranstaltungen bis zu einer gewissen Größe geben. Die Zahlen im Brief sind vorerst ein Richtwert, wir wissen noch nicht, wie der Stand im November ist. Was wir aber wissen: Die richtig großen Veranstaltungen wie zum Beispiel Vorlesungen sollen weiterhin digital stattfinden. Wir alle haben das gelernt, die Lehrenden, die Studierenden. Wir hatten im Sommersemester acht Tage, um alles online umzusetzen. Jetzt hatten wir ein Semester Zeit, um das gemeinsam zu üben und zu schauen, wo es klemmt. Wir sind also was Onlinelehre angeht gut vorangekommen.

ak[due]ll: Zu einem klassischen Semester gehört auch eine Orientierungswoche für Ersties. Wird es im November eine geben?

Rensing: Die O-Woche soll in der letzten Oktoberwoche stattfinden. Das Rektorat kann nicht die Veranstaltung aller Fächer planen, das müssen die Fakultäten tun. In den Naturwissenschaften müssen die Erstsemester mehr Infrastruktur am Campus kennenlernen als beispielsweise die Geisteswissenschaftler. Aber die Erstsemester müssen am Campus unterwegs sein, für die muss es spezielle Angebote geben. Wir befürchten, dass sie sonst Schwierigkeiten in der Eingewöhnung bekommen.

ak[due]ll: Onlinelehre hat sich durchgesetzt, aber wie werden Prüfungen während der Einschränkungen aussehen?

Rensing: Wir haben Tausende Absolventen, die wollen jetzt ihr Studium abschließen. Die Frage, wie Prüfungen nachgeholt werden können, ist eine ganz drängende für uns. Wie schaffen wir es, den Studierenden, die ja in vielen Fällen durch Corona ihre Jobs verloren haben, jetzt nicht auch noch den Abschluss zu verderben? Das ist uns sehr wichtig. Dazu gehört eine geöffnete Bibliothek. Was oft vergessen wird: Das Handeln einer Uni beruht auf Rechtsgrundlagen, insbesondere bei Prüfungen. Wir konnten viel eher Prüfungen technisch gesehen per Video durchführen, als wir es rechtlich durften. Eine Prüfungsordnung zu ändern dauert viele Monate, denn sie muss ja für die Studierenden einklagbar und für uns sanktionierbar sein. Das können wir nicht mit einem Pinselstrich lockern. Die Uni muss festlegen, welche Varianten möglich sind, und die Fakultäten müssen das dann herunterbrechen. Alle Ecken arbeiten das dann rechtssicher aus, das ist ein permanenter Prozess. Die Rechtsgrundlage des Handelns einer ganzen Institution wandelt sich gerade.

ak[due]ll: Sie haben gerade schon angesprochen, wie wichtig die Bibliothek ist. Im Normalfall gibt es noch weitere Services am Campus wie den Shuttlebus und die Mensen. Wann werden die wieder den Regelbetrieb aufnehmen?

Rensing: Die Bibliothek ist ja bereits in Betrieb, aber mit Einschränkungen. Die Öffnung der Lernplätze dort steht jetzt bevor. Dass wir die Bibliothek so lange nicht geschlossen haben, wurde uns von manchen als Zögerlichkeit ausgelegt. Aber gesetzlich durfte sie geöffnet bleiben, und wir wollten den Studierenden die Möglichkeit geben, ihre Abschlüsse zu machen – jetzt. Das ist auch heute wieder der vorherrschende Gedanke. Zur Mensa: Der Vorsitzende des Verwaltungsrats im Studierendenwerk hat mir gesagt, eine Mensaöffnung ohne Präsenzbetrieb ist nicht vorstellbar. Dafür wollen sie wohl die Angebote in den Cafeterien ausbauen. Der Shuttlebus wird ohne Präsenzbetrieb nicht fahren.

ak[due]ll: Schulen wollen keinen On-Off-Betrieb, bei dem ständig geöffnet und dann wegen Einschränkungen wieder geschlossen wird. Gibt es ähnliche Überlegungen auch für den Vorlesungsbetrieb an der UDE?

Rensing: Wir haben uns ziemlich genau angeschaut, was mit den Schulen passiert. Wir wollen auf keinen Fall einen On-Off-Betrieb, in dem wir nach zwei Wochen wieder schließen müssen. Manche Studierenden haben ja eine weite Anreise. Das werden wir nicht riskieren. Die Schulen wurden geöffnet und hatten dabei unerfüllbare Vorgaben. Es gibt laufend neue Verfügungen und wir wissen nicht, wie die rechtliche Situation bald aussieht. Auch das ist ein Grund für ein hybrides Semester.

ak[due]ll: Wie kam es gerade jetzt dazu, dass die UDE bekanntgegeben hat, wie das Wintersemester ablaufen soll? Der Stand der Pandemie ab November ist schließlich jetzt noch nicht absehbar.

Rensing: Das Land gibt Vorgaben, die Städte haben Verfügungen. Wir sind in zwei Städten. Wir haben Veranstaltungen auf dem Gelände einer Klinik, das macht es nicht gerade einfacher. Wenn Duisburg beispielsweise mal in den Lockdown gehen sollte und Essen nicht, muss die Uni damit umgehen. Wir müssen also für verschiedene Szenarien planen. Wir haben darüber nicht nur jetzt nachgedacht, die Planung ist ein fließender Prozess. Wir haben die Entscheidung jetzt herausgegeben wegen der jetzt anstehenden Prüfungsphase. Das schien uns der richtige Moment zu sein, zu informieren und auch den Studierenden und Mitarbeitenden Danke für die letzten Monate zu sagen.

ak[due]ll: Große Veranstaltungen wie zum Beispiel Vorlesungen sollen laut Rundbrief in „asynchroner Distanzlehre“ stattfinden. Was heißt das genau?

Rensing: Wir gehen davon aus, dass viele ihre Standardvorlesungen mittlerweile als fertige mediale Inhalte haben. Die Dozenten lernen aus der Zeit. Aber auch in größeren Veranstaltungen sollte die Möglichkeit da sein, von Angesicht zu Angesicht zu lernen. Die Uni muss die Infrastruktur dafür stellen.

ak[due]ll: Der Forschungsbetrieb soll laut dem Rundbrief wieder anlaufen, aber der Brief ist dahingehend sehr vage. Wie soll das genau aussehen?

Rensing: Die Vorgabe ist, flexibler zu denken und flexible Varianten zu entwickeln. Wir sorgen uns um unsere Forschungsmittel, aber wir können auch nicht unseren 5.800 Forschungsmitarbeitenden sagen, ihr arbeitet jetzt wieder. Es gibt eine Arbeitsgruppe, die sich darum kümmert, wie die Homeoffice-Regelungen in der Forschung vernünftig umgesetzt werden können.

ak[due]ll: Die Uni hat wegen der Pandemie viele neue Erfahrungen gemacht. Was wird sie daraus lernen?

"Wir haben als Universität sehr viele Entwicklungen im Zeitraffer gemacht."

Rensing: Wir haben als Universität sehr viele Entwicklungen im Zeitraffer gemacht, die vielleicht vorher schon eingefordert waren und als unmöglich galten. Es geht um Digitalisierung, um Änderungen in Abläufen. Zum Beispiel sind wir guter Dinge, dass die Einschreibung ab dem anstehenden Wintersemester online funktioniert, da fehlen nur noch einige letzte Details. Dann müsste niemand mehr zur Einschreibung extra anreisen, gerade für internationale Studierende war das immer ein großer Aufwand. Da könnten wir wirklich als Folge von Corona eine Besserung erreichen. Und so ist es an ganz vielen Stellen. Früher waren auch nur um die 70 Prozent aller Lehrveranstaltungen auf Moodle, jetzt sollten es 100 Prozent sein. Das wollen wir aufrechterhalten. Wir werden keine Fernuni. Aber wenn wir Dinge besser anbieten können, inhaltlich oder mit weniger Aufwand, dann werden wir das weiterentwickeln.

ak[due]ll: Angenommen, im laufenden Semester kommt eine zweite Welle mit Einschränkungen. Hat die UDE für bestimmte Szenarien bereits einen Plan in der Schublade, oder ist das alles nicht planbar?

Rensing: Wir handeln eher vorsichtig als forsch und sind überzeugt davon, dass das das richtige Vorgehen ist. Das ist kein Zeichen dafür, dass die Universität zögerlich ist, sondern wir wollen realistisch sein, da die Situation sehr fragil ist. Unsere Corona-Taskforce kann nicht jede Einzelregelung besprechen. Es gibt Vorgaben, die Führungskräfte müssen das dann runterbrechen. Wir brauchen Szenarien für unsere Mitarbeitenden und haben hier die mobile Arbeitsregel verlängert bis Ende Oktober. Auch Schutzmaterial für Klausuraufsichten halten wir vor, ohne zu wissen, ob wir die brauchen. Zur Not bleiben wir dann eben auf Desinfektionsmittel sitzen. Wir bereiten vor, externe Räumlichkeiten anzumieten. Wir bereiten die Räume so vor, dass die Tische weit genug auseinander stehen und die Stühle Nummern haben. Wir müssen nachvollziehen können, welcher Studierende wann wo gesessen hat. Das muss bis zum 31. Juli geplant werden. Eine gesamte Deadline gibt es nicht, weil das ein fließender Prozess ist.

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