Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

Bullshit made in Germany

„E-Mail made in Germany“ – mit diesem Slogan und mit einem Einkaufsgut- schein als Prämie will Telekom De-Mail-Verträge unter die Leute bringen. Wer dem auf den Leim geht, hat einige Nachteile. (Foto: rvr)

16.07.2014 16:01 - Rolf van Raden






Eine Art E-Mail-Dienst, bei dem das Versenden von Mails nicht kostenlos ist, sondern 39 Cent pro Nachricht kostet – ein solcher Service klingt nicht besonders attraktiv. Kein Wunder, dass die Telekom ihre De-Mail-Adressen nur mit einer intensiven Werbekampagne los wird. Unter anderem vor der Mensa auf dem Essener Campus hat der Konzern Studierende mit einem Amazon.de-Gutschein zum Abschluss eines De-Mail-Vertrags gelockt. Was viele nicht wissen: Wer sich eine De-Mail-Adresse aufschwatzen lässt, geht damit ernsthafte Verpflichtungen ein. Außerdem gibt es massive Kritik in Punkto Datenschutz. akduell fasst zusammen, was Leute wissen sollten, die sich von der Telekom-Kampagne haben überzeugen lassen.

Vom Prinzip her klingen die Versprechen, mit dem die De-Mail beworben wird, gar nicht so schlecht: Papierpost von und an Behörden soll vermieden werden, indem Dokumente sicher, vertraulich und nachweisbar elektronisch zugestellt werden können. Weniger Briefe, die ausgedruckt, eingetütet und durch die Republik gefahren werden müssen – das wäre ökologisch sinnvoll und könnte für alle Seiten bequemer sein. Doch das System, dass die Bundesregierung mit der Verabschiedung des De-Mail-Gesetzes im April 2011 durchgesetzt hat, steht massiv in der Kritik.

Verschlüsselung mit dickem Loch

Bereits vor der Verabschiedung des Gesetzes hatten der Chaos Computer Club (CCC) und weitere Datenschutz-Expert*innen dem System ein katastrophales Zeugnis ausgestellt. CCC-Sprecher Linus Neumann, der als IT-Sachverständiger zum Thema De-Mail im Bundestag geladen war, stellte im vergangenen Jahr auf dem 30. Chaos Communication Congress unter dem Titel „Bullshit made in Germany“ eine umfassende Analyse der De-Mail vor. Einer der zentralen Kritikpunkte: Obwohl es technisch möglich gewesen wäre, setzt der De-Mail-Dienst nicht auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das De-Mail-Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass Nachrichten zwar verschlüsselt abgesendet, dann aber auf dem Server der Anbieter entschlüsselt werden, um anschließend für den Weiterversand wieder neu verschlüsselt zu werden. Neumanns Fazit: Die De-Mail sei absichtlich unsicher gebaut, um Geheimdiensten zu ermöglichen, deutsche Bürger*innen auszuspähen. Damit nehme die Regierung außerdem bewusst in Kauf, dass das System nicht nur auf der Seite der Absender*innen und bei den Empfänger*innen, sondern auch auf dem Server des De-Mail-Anbieters durch Hacker*innen angreifbar ist.

Freier Zugriff für Geheimdienste

Tatsächlich geben De-Mail- Nutzer*innen viel mehr über sich preis, als ihnen häufig bewusst ist. Rund 250 bei der Bundesnetzagentur registrierte Behörden können Name und Anschrift der Betroffenen einfach per Online-Formular abfragen. Darüber hinaus ist im Telekommunikationsgesetz geregelt, dass die hinterlegten persönlichen Daten für eine Vielzahl von Sicherheitsbehörden und Geheimdienste noch viel weitergehender zugänglich sind: De-Mail-Anbieter wie die Telekom sind verpflichtet, die privaten Kund*innen-Passwörter der Polizei, der Staatsanwaltschaft, dem Verfassungsschutz, dem BND und dem Militärischen Abschirmdienst zur Verfügung zu stellen – und das einfach auf Anfrage, sogar ohne richterliche Anordnung. Die im Postfach liegenden Dokumente und Informationen sind damit keineswegs so geschützt wie Papierdokumente oder Briefe in der eigenen Wohnung: Für eine Hausdurchsuchung brauchen die Behörden schließlich eine richterliche Genehmigung.

Zum Abruf verpflichtet

Für Leute, die sich eine De-Mail-Adresse nur wegen des versprochenen Amazon-Gutscheins haben aufschwatzen lassen, ohne sie aktiv nutzen zu wollen, gibt es eine weitere Gefahr: Wer eine De-Mail-Adresse hat, ist nämlich faktisch verpflichtet, sie täglich abzurufen. Denn Rechnungen, Mahnungen und Mahnbescheide, Gerichtsvorladungen, Vertragsänderungen und ähnliche folgenschwere Mitteilungen gelten per De-Mail bereits dann als rechtskräftig zugestellt, sobald die Absender*innen sie an den Server des De-Mail-Anbieters abgeschickt haben. Das ist ein zentraler Unterschied zum Papierbrief: Hier gelten Bescheide nur als zugestellt, wenn sie Zuhause im Briefkasten der Empänger*innen angekommen sind. Wer sich eine De-Mail- Adresse zulegt und sie nicht weiter beachtet, kann also böse Überraschungen erleben. Zwar betonen bisher alle Behörden, die Nutzung von De-Mail sei freiwillig. Eine rechtliche Absicherung, falls doch ein Bescheid gegen den Willen der Empfängerin oder des Empfängers per De-Mail verschickt wird, gibt es aber nicht. Aus all diesen Gründen warnen Datenschützer*innen und auch Aktive aus dem Verbraucher*innenschutz davor, sich aktuell eine De-Mail-Adresse zuzulegen.

Scheinbar unversehrt und dennoch krank

Wenn die Psyche krank wird - Studierenden sprechen über Herausforderungen im Alltag und die Zeichen ihrer Erkrankungen.
 
 

Hoch die Tassen: Duisburger Alkoholverbot wurde gekippt!

Redakteur Philipp Frohn kommentiert die Willkür des Duisburger Alkoholverbots in der Innenstadt und die Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgericht es aufzuheben.
 

Als er um die Romantik bangte

Nach dem Sex wirft er ihr vor, sich unromantisch zu verhalten. Warum und was eine Blasenentzündung damit zu tun hat, lest ihr hier:
 
Konversation wird geladen