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STUDIUM & FREIZEIT

Aus Sandra wird Soraka

Mehr als nur ein Karnevalskostüm: Sandra als Elementalist Lux Storm. [Foto: Martin Wimmer]

19.05.2019 14:27 - Julia Segantini

Morgens Lehramtsstudentin für Germanistik und Biologie an der Universität Duisburg-Essen, nachmittags Soraka aus League of Legends: Sandras große Leidenschaft ist das Cosplayen. Mit originalgetreuen Kostümen, Perücken und Make-up verwandelt sie sich in ihre Lieblingscharaktere aus Anime und Videospielen. Unsere Redakteurin Julia  Segantini durfte sie begleiten und hat sich erklären lassen, wozu man beim Cosplayen Stromkreise, Silikonformen und Eiszapfen braucht.

Seit 2016 ist die 24-jährige Cosplayerin. Ihre Freizeit verbringt Sandra damit, große und kleine Cosplays zu planen und durchzuführen: Kostümteile bestellen, Stoffe einkaufen, nähen, basteln, Perücken frisieren, Make-Up ausprobieren und Fotoshootings vorbereiten. „Gerade in der Convention-Saison, also im Sommer, denke ich jede freie Minute an mein Hobby. Ich arbeite aber nicht immer aktiv daran“, berichtet sie. 

Sandra wohnt mit ihrer Mutter im Duisburger Norden. Dass ihr Zimmer mit Cosplay-Teilen vollgestopft ist, erkennt man erst, wenn man die Schranktüren und Kisten öffnet. Zwischen Blumenketten, Fächern und Federn liegen bunter Kopfschmuck, Haarnetze und allerlei Krimskrams. Auch wenn sie mal an keinem speziellen Cosplay arbeitet, hält sie unterwegs die Augen nach Utensilien offen, die sie vielleicht gebrauchen könnte. „Letztens habe ich so Eiszapfen gesehen, die waren total toll, aber ich wusste nicht, wofür ich die nehmen soll. Im Endeffekt habe ich für mein Einhorn das Horn daraus gemacht. So sammelt sich aber natürlich auch einiges an Material an“, gibt sie zu. 

Selbst gemacht ist immer noch am besten

Eines ihrer aktuellen Cosplays ist der Charakter Soraka aus dem Echtzeit-Strategiespiel League of Legends, denn die Designs aus diesem Spiel gefallen ihr besonders gut. Das Kleid dafür konnte sie bestellen, Flügel, Stab und Hufe hat sie selbst gebastelt. Dass ihre Kostüme so realistisch wirken, liegt an ihrer Liebe zum Detail. Zum Beispiel war sie mit den mitgelieferten Spangen zu ihrem Kostüm unzufrieden, weshalb sie nun selbst welche herstellt. Dazu hat sie die Glitzersteine aus Resin-Harz gegossen. Auch die Silikonform dafür hat sie selbst gemacht, weil sie nirgends eine Form fand, die genau ihren Vorstellungen entsprach. Um die Spangen fertig zu basteln, zieht sie in die Küche um, denn dort ist etwas mehr Platz. 

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Sandra vor ihrer Verwandlung. [Foto: privat]

 

Während sie erklärt, was man mit sogenanntem Worbla macht, steckt sie nebenbei die Heißklebepistole ein und muss immer lauter sprechen, als der Heißluftfön durch die Küche dröhnt. „Worbla ist eine steife Platte. Wenn man die mit einem Heißluftföhn erwärmt, lässt sie sich verformen und man kann alles Mögliche daraus machen, zum Beispiel Arm- und Beinschienen oder einen Brustpanzer“, erklärt sie. Bei den Spangen sollen sie den 3D-Effekt verstärken. Mit einem Kuli malt sie Kreise in Form der Glitzersteine auf Moosgummi, klebt die Steine darauf und ummantelt den Rand mit dem formbaren schwarzen Worbla. Kurz betrachtet sie das Ergebnis zufrieden und schlüpft dann in ihr Kleid. 

Während sie sich fertig macht, erklärt sie, wie schwierig es manchmal sei, Orte zum Fotografieren zu finden, gerade für Cosplays aus Fanstasy-Computerspielen wie League of Legends, da es sich dabei nicht um real existierende Orte handelt. „Eine Burg würde aber schon besser passen, als der Landschaftspark hier in Duisburg-Nord. Man kann auch gucken, wo andere geshootet haben, und sich Inspirationen holen. Bei Animes ist das einfacher, da kann man gucken, was  das für ein Anime ist und wo der Charakter sich aufhält“, erklärt sie. Für die kalte Jahreszeit muss Sandra sich Indoor-Locations suchen. „Man kann immer überall fragen, ob man vielleicht auch gegen eine kleine Gebühr Fotos dort machen kann, die Meisten haben nichts dagegen“, meint sie, während sie die Ösen an ihrem Kleid schließt. 

Regelmäßig postet sie auf Facebook und Instagram neue Schnappschüsse. „Es gibt sehr gut organisierte Shooting-Treffs. Da kommen viele Fotografen und Cosplayer hin. Mit der Zeit lernt man mehrere Fotografen kennen und einige werden sogar zu Freunden. Der Fotograf kann das Motiv frei wählen und hat somit Bilder, die er für ein Portfolio verwenden kann. Und die Cosplayer müssen nichts für die Bilder bezahlen und bekommen gute Fotos.“ Für spontane Shootings kann sie sich aber auf ihren Freund, der Hobbyfotograf ist, verlassen.

Cosplayen für Profis 

Besonders aufwändig sind Kostüme mit Rüstungen. Sandra präsentiert mir eine riesige Kiste mit unzähligen, metallicfarbenen, teils fingernagelgroßen Einzelteilen, die einmal Rüstung und Handschuhe für ein anderes Kostüm werden sollen. Das Basteln, Modellieren, Nähen und Stylen hat sie sich selbst beigebracht. Steigerungspotenzial sieht sie trotzdem: „An LEDs und Schaltkreise traue ich mich noch nicht ran“, gibt sie zu. „Schaltkreise kann ich nicht bauen, ich mache immer LEDs für Dumme“, sagt sie lachend und zeigt mir bunte Unterwasser-Teelichte, mit denen sie Elemente ihres Kostüms zum Leuchten bringt. „So kann ich alle Farben einstellen, die ich brauche, und in Hallen oder auf Convention sieht man das mega“, sagt sie. „Schaltkreise baut man erst und dann kann man einen Code schreiben und so kontrollieren, wie die LEDs funktionieren, also zum Beispiel, ob das ein Verlauf ist oder blinkt“, erklärt sie. 

Gerade die Kostüme, an denen sie monatelang sitzt, wachsen ihr besonders ans Herz. Wichtig sind aber nicht nur die Kostüme an sich, erklärt sie mir auf dem Weg ins Badezimmer, wo sie alle Schmink-Utensilien auf ein Handtuch im Waschbecken schmeißt. „Inzwischen habe ich da meine Routine und brauche nicht mehr so lange“, sagt sie, als sie Foundation und helles Puder auf das ganze Gesicht aufträgt. „Make-Up macht einfach mega viel aus, gerade bei Fotos. Man kann die geilste Rüstung haben, aber wenn man gar kein Make-up trägt, kommt das nicht richtig zur Geltung“, ist sich Sandra sicher. 

Beim Schminken achtet sie vor allem darauf, ihre Augen optisch größer erscheinen zu lassen. Für das Auftragen von Lidschatten, Eyeliner und falschen Wimpern sowie das Einsetzen der Kontaktlinsen brauchen Sandras geübte Hände nur wenige Minuten. Zum Reden muss sie den Pinsel nicht einmal absetzen. „Egal welches Kostüm, ich stelle mir immer so den Wecker, dass ich drei Stunden Zeit habe fürs Kostümanziehen, schminken, Perücke stylen und fertig machen. Und manchmal reichen die drei Stunden gerade so“, erzählt sie. Sandras Handgriffe sind allesamt geübt, großartig herum probiert wird nicht.

Realistisch vs. sexy

„Damit bin ich auf einer Convention schon so drei, vier Stunden rumgelaufen, das geht eigentlich. Meine hohen Schuhe sind genauso unbequem“, sagt sie lachend, als sie mir die Plateau-Schuhe, die sie zu Hufen umfunktioniert hat, reicht. Sandra und ich haben die gleiche Schuhgröße. Ich wage ein paar unsichere Schritte. Gemütlicher als gedacht, trotzdem bin ich froh, als ich wieder meine Turnschuhe anziehe. Sandra läuft darin deutlich sicherer und weiß, wie sie sich bewegen muss, damit sie nicht mit den Ohren, die zu ihrem Kostüm gehören, an Türrahmen oder Kronleuchtern hängen bleibt.

„Wenn ich Rückmeldung bekomme, dann bitte wegen meiner Fähigkeiten.“

Als sie in ihrem fertigen Kostüm vor dem Spiegel steht und einen konzentrierten Blick hinein wirft, betont sie, dass es ihr vor allem darum gehe, die Charaktere so originalgetreu wie möglich darzustellen. Nicht für alle Cosplayer*innen sei das das Wichtigste, meint sie. „Es gibt Cosplayer, die Charaktere sehr sexualisiert darstellen. Was ich nicht okay finde, wenn Charaktere, die deutlich minderjährig sind oder zu denen es gar nicht passt, sexualisiert werden. Misty aus Pokémon, zum Beispiel“, sagt sie. Sie vermeidet es, ihre Cosplays sexy zu gestalten. „Ich möchte nicht auf meinen Körper reduziert werden. Wenn ich Rückmeldung bekomme, dann bitte wegen meiner Fähigkeiten. Wenn mir jemand schreibt, dass ich hübsch bin, ist das zwar auch ein schönes Kompliment, aber wenn jemand sagt, ‚das Cosplay ist richtig gut geworden‘, bedeutet mir das viel mehr“, sagt sie.

Ihr nächstes Großprojekt wird der Charakter Lunar Eclipse Leona aus League of Legends. Dazu gehört eine komplette Rüstung, ein riesiger Schild und ein Schwert. Bei diesem extrem aufwändigen Cosplay muss Sandra sich ganz auf ihre Erfahrungen und Fähigkeiten verlassen. „Das haben bisher erst ein oder zwei Personen gemacht und ich habe dazu auch nicht viel Hilfreiches gefunden. Da muss ich also komplett selber schauen, wie ich das mache.“

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