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STUDIUM & FREIZEIT

Aktivismus in sozialen Medien – wie drei Schülerinnen über Gewalt gegen Frauen aufklären wollen

Verschiedene Posts auf der Instagramseite von Gewalt gegen Frauen - [Foto: jab]

17.01.2019 15:31 - Jacqueline Brinkwirth

2017 wurden in Deutschland laut einer Statistik des BKA 138.893 Menschen Opfer von partnerschaftlicher Gewalt. Über 80 Prozent dieser Betroffenen waren Frauen. Im Rahmen eines Schulprojekts wollen drei Schülerinnen aus Schleswig-Holstein auf ihrem Instagram-Account @gegen_gewalt_an_frauen nun genau über dieses Thema aufklären. Und das obwohl sie zu Beginn mit heftigem Widerstand zu kämpfen hatten.
 
„Bei unserer Klassenfahrt in Prag musste ich daran denken, dass in vielen Ländern die Gewaltrate höher ist als in Deutschland. Daraufhin kam mir die Idee, ein Projekt über Gewalt an Frauen zu machen. Die Lehrer waren dagegen und hatten viel zu bemängeln“, beschreibt Anna Lena (15) den Findungsprozess für ihr Schulprojekt „Gegen Gewalt an Frauen“. Gemeinsam mit ihren Klassenkameradinnen Luzie und Henrike (beide 15) hat sie am Projekt festgehalten und den gleichnamigen Instagram-Account erstellt, denn: „Wir wollten unbedingt das Thema behalten und haben uns durchgesetzt.“ In ihren Beiträgen und Storys informieren sie ihre Follower*innen über verschiedene Arten von Gewalt und die Folgen von Gewalttaten und wollen auf Hilfsmöglichkeiten aufmerksam machen. Eine bestimmte Zielgruppe haben sie dabei nicht. Ganz allgemein geht es in ihrem Projekt nämlich vor allem auch darum, das Thema zu enttabuisieren: „Uns ist es wichtig, dass nicht nur Männer sondern auch Frauen nicht wegschauen. Viele junge Mädchen machen sich über das Thema keine Gedanken, doch das ist unserer Meinung nach fatal.“ Was eben auch daran liegt, dass Gewalt innerhalb einer Partnerschaft auch im öffentlichen Diskurs häufig bagatellisiert oder als „Normalität“ dargestellt wird.

Statistiken zeigen nur die halbe Wahrheit

Das Bundeskriminalamt (BKA) sammelt seit 2011 Daten zu Opfern und Tatverdächtigen von Verbrechen, die unter dem Begriff partnerschaftliche Gewalt zusammengefasst sind. Dazu gehören Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Seit 2017 zählt auch psychische Gewalt dazu, darunter Bedrohung, Stalking und Nötigung, ebenso wie Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Die Aussagekraft der daraus abgeleiteten Statistiken ist allerdings kritisch zu betrachten. Denn nur wenn ein Delikt angezeigt wird, also ein Opfer sich der Polizei anvertraut, taucht es in der Statistik auf. Die Statistik bildet demnach „ausschließlich das polizeiliche Hellfeld ab und wird somit stark vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung beeinflusst“, heißt es in der Vorbemerkung dazu. Die Dunkelziffer liegt gerade bei häuslicher Gewalt deutlich höher, da sind sich Expert*innen einig. Dabei ist schon die Zahl der 2017 registrierten Opfer von sogenannter Partnerschaftsgewalt mit 138.893 Menschen erschreckend hoch – und für Luzie, Anna Lena und Henrike ein Grund mehr, die sozialen Netzwerke für ihr Projekt zu nutzen.

Aktivismus im Internet wirkt

Denn was Instagram, Facebook und Co. bieten, ist die Möglichkeit auf direktem Weg viele Menschen verschiedener Altersgruppen zu erreichen: „Wir halten das für sehr gewinnbringend, weil man viele Ideen gleichzeitig ausführen kann. Außerdem kann sehr viel anonym ablaufen, worauf viele Menschen Wert legen“, erklärt Luzie die Wahl des Mediums. Damit versucht das Projekt eine Hemmschwelle abzubauen, um eng mit Interessierten und möglicherweise Betroffenen in den Dialog zu treten – eine Strategie, die offenbar aufgeht. Denn obwohl ihr Profil „erst“ 524 Follower*innen zählt, können sich die Schülerinnen auch über prominente Unterstützer*innen wie die Autorinnen Charlotte Roche (@chailatte_roche), Margarete Stokowski (@marga_owski) und Giulia Becker (@schwesterewald) freuen. Bei ihrer Arbeit ist Henrike, Anna Lena und Luzie besonders wichtig, dass sie nicht falsch verstanden werden, obwohl ihr Projekt Gewalt gegen Frauen fokussiert: „Es ist uns bewusst, dass nicht nur Frauen von Gewalt betroffen sind.“, so Anna Lena.

Das Projekt zeigt, dass die sozialen Netzwerke nicht nur etablierten Gruppen eine Plattform für Aktivismus bieten, sondern vor allem auch Einzel- und Privatpersonen die Möglichkeit geben, wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten. Egal ob im Rahmen eines Schulprojekts oder aus ganz individuellen Gründen – essentiell ist letztendlich, dass über partnerschaftliche Gewalt ein Diskurs stattfindet.

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