Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

AGs: Möglichkeiten und Grenzen für Lehrende

AGs können für Abwechslung im Schulalltag sorgen. [Symbolbild: Pixabay]

13.06.2019 16:38 - Julia Segantini

Den Schüler*innen außerhalb des Lehrplans Kompetenzen zu vermitteln ist wichtiger Bestandteil der Lehre. Möglich ist das zum Beispiel in Arbeitsgemeinschaften (AGs). Dort können Schüler*innen ihren Interessen nachgehen, ohne dabei an Noten denken zu müssen. AGs gibt es in sportlichen, künstlerischen, handwerklichen oder naturwissenschaftlichen Bereichen. Wir haben mit zwei angehenden Lehrkräften und dem Direktor des Essener Viktoria Gymnasiums darüber gesprochen, warum es sich lohnt, mehr über AGs nachzudenken. 

„Auf Dauer würde ich an keiner Schule bleiben, bei der AGs nicht möglich sind. Das Soziale, das Miteinander und das Außerschulische gehören für mich zu einem gesunden Schulklima“, ist sich Pia* sicher. Sie hat an der an der Ruhr-Universität Bochum Mathematik und Englisch auf Lehramt studiert und steht aktuell am Anfang ihres Referendariats an einem Weiterbildungskolleg. Über außerschulische Aktivitäten, zum Beispiel über AGs, hat sie sich schon öfter Gedanken gemacht. 

Sie würde gern einen Tanzkurs in der Oberstufe anbieten, als Vorbereitung auf den Abiball. „Ich glaube das wäre etwas, wo ich mich verwirklichen könnte. Ich könnte mir auch vorstellen, in einer Kooperation mit einem Musiklehrer oder einer Musiklehrerin an einem Musical zu arbeiten“, überlegt sie. „Kostümschneiderei, Make Up, Tanz und Bühnenbild sind auch Sachen, die mir liegen und auf die ich Bock hätte“, sagt die Referendarin.

Extra-Engagement

Welche AGs realisierbar sind, hänge vor allem von den Impulsen aus der Lehrer*innenschaft ab und davon, was zum Schulkonzept passt, erklärt Klaus Wilting, Schulleiter des Viktoria Gymnasiums im Essener Südostviertel. „Wir haben einen theaterpädagogischen Schwerpunkt, da sind natürlich die Kolleginnen und Kollegen aus diesem Bereich gefragt. Häufig sucht man bei Bewerbungen auch speziell danach Lehrkräfte aus“. 25,5 Stunden muss ein*e Lehrer*in pro Woche geben. Wenn er*sie nicht auf diese 25,5 Stunden kommt, können diese beispielsweise durch AGs gefüllt werden. Vergütet werde dieses Engagement zumeist nicht, lediglich die Anrechnung von Extra-Stunden sei möglich, so der Schulleiter.

Seiner Meinung nach könnten AGs Defizite im Lehrplan ausgleichen.

Dass er dafür nicht bezahlt werden würde, ist für Marius* kein Hindernis. Er studiert Technik und Sozialwissenschaft auf Lehramt an der Universität Duisburg-Essen. Wie spannend Schule außerhalb des Lehrplans sein kann, kennt er aus seiner eigenen Schulzeit. Seiner Meinung nach könnten AGs Defizite im Lehrplan ausgleichen. Nachholbedarf sieht er zum Beispiel in der Sexualkunde. Der Aufklärungsunterricht sei bei ihm damals katastrophal gewesen. „Das wurde in drei Stunden Bio reingeschoben. Wir sind nicht mal zu dem Punkt gekommen, an dem man ein Kondom über eine Banane zieht“, bemängelt er. Zudem habe der Unterricht erst in Klasse 10 stattgefunden. Zudem sei er sehr heteronormativ gehalten worden und habe nur mangelhaft über verschiedene Verhütungsmittel aufgeklärt, erinnert sich der Student. 

Ergänzung zum Lehrplan

Auch Pia sieht einen großen Mehrwert in außerschulischen Aktivitäten. „Sie fördern Gruppendynamik und stärken das Vertrauen unter den Schülern, was dann im Unterricht zu besseren Ergebnissen führt“,  steht für sie fest. „Um eine Verbundenheit zur Schule aufzubauen und ein Wir-Gefühl zu schaffen, ist das super wichtig, dass da mehr stattfindet als ‚ich geh da morgens von der ersten bis zur sechsten Stunde hin.‘ Schule sollte mehr sein. Schule hat ja auch den Auftrag, gesellschaftsfähig zu machen“, betont die Referendarin. Dadurch, dass immer öfter beide Elternteile arbeiten, habe die Bedeutung des Sozialisations- und Erziehungsauftrags der Schule in den letzten Jahren zugenommen, meint Pia. „Dem kann man in AGs besser gerecht werden, als im Unterricht.“ Auch Schulleiter Wilting ist sich sicher: „Im Theaterbereich können sich die Schüler ganz anders darstellen und ganz andere Fähigkeiten, wie Selbstvertrauen, entwickeln.“

Marius sieht bei allen Vorteilen außerschulischer Aktivitäten aber auch Grenzen. Man dürfe nicht zu viel auf AGs schieben, findet er. Zu wichtig seien einige Themen, die es noch immer nicht auf den Lehrplan geschafft haben, wie beispielsweise den verantwortungsvollen Umgang mit Medien. Für ihn ist klar: „Das ist kein Punkt, der in eine freiwillige AG gehört, sondern in den festen Lehrplan. Eine AG sollte die Kinder weiterbilden, aber auch etwas sein, das den Kindern Spaß macht.“

Er wünscht sich ein Schulkonzept mit mehr Wahlpflichtfächern, in dem sich die Schüler*innen dann für eine Auswahl an außerschulischen Aktivitäten entscheiden müssen. „Dann müssen die Stundenpläne allerdings entsprechend angepasst werden“, sagt er. Er habe Stundenpläne gesehen, in denen die Schüler*innen fast jeden Tag von acht bis 16 Uhr Unterricht haben. Dass sie dann nicht noch Energie für Anderes haben, kann er verstehen. „Du kannst locker die Hälfte dieser Fächer streichen und durch was sinnvolleres ersetzen. Du lernst nicht fürs Leben, sondern für deine Abiturnote“, bemängelt er. Deshalb sieht er politischen Handlungsbedarf: „Die Bildungspolitik müsste deutschlandweit komplett abgeändert werden. Bis dahin können AGs das ganz gut überbrücken. Allerdings braucht man da motivierte Lehrer für.“

*Namen von der Redaktion geändert.

Bildquelle: lizenzfreies Bild, Pixabay

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