Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

AFFE erwacht aus dem Winterschlaf

Zurück mit Manifest und Festival: Die Stadt Essen laust jetzt der AFFE (Foto: rvr)

28.01.2014 14:41 - Alex Grossert


Nach der spektakulären Räumung des besetzten Schulgebäudes in der Bärendelle im vergangenen August ( fordert sie ein Affenhaus.


Im Dezember schien es erst, als seien alle Strafanzeigen, die nach der Räumung des Gebäudes erfolgten, von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden (). Noch ist der Rechtsstreit aber nicht für alle vorbei: „Von einer Besetzerin wissen wir, dass ihr ein Vergleichsangebot über 200 € vorliegt“, sagt der Künstler J X Ende, der gemeinsam mit Reinhard und Clara die Kampagne vorstellt. Insgesamt 22 Verfahren würden noch laufen und könnten Kosten verursachen. Clara fügt hinzu: „Während der Bestetzung wurde das Auto einer Unterstützer*in vor dem Haus aufgebrochen. Die Person soll natürlich auch nicht alleine auf den Kosten sitzen bleiben.“


Festival X sammelt für Prozesskosten


Unterstützung bekommen sie dabei am kommenden Wochenende vom zu organisieren habe schon länger die Runde gemacht. „Dass sich mehr als 60 Künstler_innen bereit erklärt haben dieses Festival zu unterstützen zeigt nur, wie groß die Solidarität ist und wie gut wir im Ruhrgebiet vernetzt sind“, sagt J X Ende. „So küssen wir zwei Fliegen mit einer Zunge.“


Auch mit der arbeitet die Kampagne zusammen. Im März wird es eine gemeinsame Demonstration mit dem Titel „Reclaim the City – mehr Raum für die Jugend, mehr Platz für uns!“ geben. Reinhard freut sich, dass der Kampf für eine lebendige Stadt so auf allen Ebenen und mit allen Mitteln von möglichst vielen unterschiedlichen Menschen getragen wird.“ Clara ergänzt: „Alles was in der Bärendelle entstehen könnte ist besser als ein verrottendes Denkmal für die Unfähigkeit der Stadtpolitik. Ob das soziokulturelle Zentrum für welches die BIB arbeitet, das gleiche Affenhaus sein kann, welches wir uns vorstellen, wird sich dann zeigen. Wir machen unser Ding und die ihres, und dann schauen wir wo wir übereinkommen.“


Stadt könnte 25 Bärendellen sanieren


Auf das Gebäude in der Bärendelle ist die Kampagne AFFE im Gegensatz zur Bürgerinitiative nämlich nicht fixiert. „Wir werden uns ansonsten auch ein anderes Gebäude nehmen“, sagt Clara. Von den Kommunalwahlen im Mai verspricht sich die Kampagne AFFE nämlich keine Verbesserung der Situation. „Durch die gescheiterten Messeumbaupläne sind ja jetzt 123 Millionen freigeworden“, scherzt Reinhard. „Damit könnte man für die nächsten 10 Jahre circa 300 ordentlich bezahlte Vollzeitarbeitsplätze im Jugend- oder Kulturbereich schaffen. Oder 25 Bärendellen sanieren.“ Auf solche Investitionen seitens der Stadt will hier aber niemand hoffen. 


Gegenüber vergleichbaren Projekten aus der autonomen Szene, wie der Roten Flora in Hamburg oder dem AZ Köln zeigt man sich kritisch solidarisch: „Das sind für uns Orte, die zumindest Lücken in den traurigen gesellschaftlichen Normalzustand reißen in denen sich dann andere Vorstellungen von Gesellschaft und Politik entwickeln und erproben können“, sagt Reinhard. „Es gibt aber keinen perfekten Freiraum an dem wir uns grade orientieren könnten, zu allen solchen Projekten in unserem Umfeld gibt es eine gewisse Kritik, die wir bei unserem Projekt beachten wollen“, stellt Clara fest.


 Verspieltes Manifest


Die Offenheit gegenüber Neueinsteiger*innen ist den Aktiven wichtig, denn mit der Kampagne sollen vor allem Menschen angesprochen werden, „die nicht mit allen ideologischen Wassern gewaschen sind und verletzbar bleiben wollen“, wie es im Manifest der Gruppe heißt. Clara erklärt den Gedanken dahinter: „Wir wollen diesen Raum nicht schaffen, um dort immer die gleichen Menschen zu bespaßen. Es fehlen Orte, an denen linke Politik und eine kollektive Kultur gelebt werden können, die aber trotzdem attraktiv und offen für normale Jugendliche sind.“


Bei aller Streitlust will man pragmatisch bleiben und das Projekt gegebenenfalls stoppen. „Wir haben oft die Erfahrung gemacht, dass tolle Projekte irgendwann in sich selbst festfahren“, sagt Clara. J X Ende ergänzt: „Wenn wir uns in Rechthaberei ergehen, statt aktiv für die Verwirklichung einer emanzipierten Geselligkeit einzutreten ist Schluss. Dann fangen wir wieder von vorne an.“

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