Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

STUDIUM & FREIZEIT

10 Credit Points für ein Album

Hannah Stienen kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums. (Foto: privat)
27.08.2019 14:36 - Sophie Schädel

Hannah Stienen studiert im dritten Jahr Musik an der Folkwang Uni in Essen. Und sie hat Ende August ihr erstes Album als Singer Songwriterin veröffentlicht. „Eigentlich hat alles in meinem Leben mit Musik zu tun”, sagt sie. Aber wie verbindet man so ein eigenes Business mit dem Studium? Redakteurin Sophie Schädel hat die Musikerin drei Tage vor Erscheinen des Albums getroffen.

ak[due]ll: Wie viel Aufwand kann man in ein Album stecken, wenn man nebenher noch studiert?

Stienen: Bei mir dreht sich alles um Musik. Ein Album ist enorm zeitaufwendig, vor allem wenn man das neben dem Studium macht. Zum Glück kann ich mir das Album als externes Projekt für mein Studium anrechnen lassen. Das sind 10 Credit Points, also 300 Stunden Arbeit. Ich habe viel länger an meinem Album gearbeitet und bin die einzige, die sich ein Album als Projekt ausgesucht hat. Aber ich wollte die Songs eben alle aufnehmen. Warum also warten? Außerdem muss man zusehen, dass man neben dem Studium schon Erfahrungen sammelt. Was bringt einem sonst das Studium im Business? Ich nutze die Zeit, um viele Connections zu sammeln, Leute kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Ok, du spielst Geige? Vielleicht brauche ich das ja mal für ein Album.

ak[due]ll: Du sagst, dein Album hat über 300 Stunden in Anspruch genommen. Auf den ersten Blick muss man doch einfach nur Songs aufnehmen. Was war da noch zu tun?

Stienen: Zuerst braucht man natürlich Ideen für genug Songs. Die muss man schreiben und überarbeiten, sich ein Arrangement ausdenken. Meine Band und ich haben uns fünf Tage allein für Proben genommen. Dann haben wir jedes Instrument einzeln aufgenommen. Allein mit den Drums waren wir drei Tage im Studio. Dazu kommt noch das Mischen und Mastern. Da setzt man die Instrumente ins richtige Verhältnis zueinander, und dann kommt der Feinschliff. Dazu kommt die ganze Organisation. Finde mal einen Termin, zu dem all die Musiker können. Und wenn das Album da ist, hört die Arbeit nicht auf, dann geht die Promotion los. Ich habe da viel Arbeit, Mühe, Liebe und Geld reingesteckt, und das nützt nichts, wenn niemand das Album hört. Ich habe also recherchiert, wer darüber berichten könnte, habe viele Mails geschrieben und jetzt gebe ich Interviews. So kommt man schnell auf über 300 Stunden.

ak[due]ll: Was für ein Album ist da entstanden?

Stienen: Es heißt Loslassen. Ich würde es als Singer Songwriter Deutschpop Rock bezeichnen. Es bedeutet mir sehr viel, weil ich einige der Songs schon vor fünf Jahren geschrieben habe. Über die Zeit habe ich sie weiterentwickelt. Es ist mein erstes Album mit einer Band und Streichern, dadurch wirken die Songs ganz anders als das, was ich bisher gemacht habe. Es ist schon ein schönes Gefühl, das alles zusammenkommen zu sehen.

Ein Album ist enorm zeitaufwendig, vor allem wenn man das neben dem Studium macht.

ak[due]ll: Wie finanziert man als Studentin so ein Album?

Stienen: Mein Album hat um die 7.000 Euro gekostet. Das geht aber nur, weil viele Musiker mich persönlich kannten und mir etwas einfach so eingespielt haben. Beim Rest musste ich eben auf mein Budget achten. Aber wenn du gute Musik machst, findest du irgendwo Unterstützer, die dir ein Mikro leihen oder den Sound für dich mischen. Da muss man sich eben überwinden, ganz viele Leute zu fragen. Ich gebe ein paar Stunden wöchentlich Gesangsunterricht und bin Hochzeitssängerin, damit habe ich mir das Geld jahrelang zusammengespart. Es gibt einige Fördermöglichkeiten für Studenten, aber ich hatte keine Zeit zu recherchieren, welches Förderprogramm gut ist und mir alle Rechte an meinem Album lässt. Natürlich wäre cool, wenn ich am Ende auf Null komme oder sogar Plus mache. Aber mal sehen, was kommt.

ak[due]ll: Lernst du in der Musik, die du machst, auch etwas, das dich im Studium weiterbringt, und andersrum?

Stienen: Garantiert, da gibt es eine große Wechselwirkung. Ich habe mich zum Beispiel bei meinem Album mehr mit Mischen und Mastern auseinandergesetzt, als an der Uni. Du kannst nur den Sound verbessern, wenn du weißt, was dir nicht gefällt, dafür musst du natürlich ein Gehör entwickeln. Die Erfahrungen kann ich im Studium super anwenden. In der Uni lerne ich zum Beispiel neue Akkordfolgen, das hört man in meiner Musik. Ab dem nächsten Semester studiere ich zusätzlich Jazzgesangspädagogik. Das finde ich super, weil ich da dann auch Gesangsunterricht bekomme und stimmlich gefördert werde, das wird man dann bestimmt auch in meiner Musik hören.

ak[due]ll: Du wirkst ziemlich ehrgeizig, du hast offenbar viel Power und willst deine Projekte durchziehen. Brauchst du das für deine Musik?

Stienen: Musik war in meinem Leben schon immer dabei. Da kann ich gar nicht ohne, das gehört einfach zu mir. Alles dreht sich bei mir um Musik. Das mag zielstrebig wirken, aber ich habe einfach Bock, meine Musik zu machen und sie mit Leuten zu teilen. Zu merken, dass sie anderen Leuten gefällt und sich meine Musik positiv entwickelt, ist einfach schön. Dann will man eben immer weitermachen.

ak[due]ll: Wie sieht dein Zeitmanagement aus? Du hast Seminare, musst zuhause was für die Uni tun. Legst du deine Musikprojekte auf die Semesterferien?

Stienen: An Wochenenden haben die meisten Leute frei, also ist das die Arbeitszeit für Musiker. Die Hochzeiten, auf denen ich singe, sind meistens samstags. Das ist eine Priorität, die ich einplanen muss, auch wenn ich meinen Stundenplan bastle. Und ich versuche, in den Semesterferien mehr Konzerte zu spielen als in der Vorlesungszeit, weil ich sonst kaum unter der Woche spielen kann. Abends zu üben ist auch schwierig, schließlich habe ich ja auch Nachbarn, die ihre Ruhe haben wollen. Man muss eben flexibel sein und gut planen. Wenn nächstes Semester mein Doppelstudium anfängt, habe ich für die Musik sicherlich nur noch wenig Zeit, darum musste mein Album auch im August fertig werden.

ak[due]ll: Freitag erscheint dein Album. Was machst du da?

Stienen: Ich mache ja immer unheimlich viel. Manchmal einfach zu viel. Ich hatte im Juni bei einem Auftritt einen Hörsturz auf einem Ohr. Ich konnte eine Zeit lang nur ganz dumpf hören, wie unter Wasser. Das hatte ich schon ein paar Mal. Das kommt vom Stress und kann chronisch werden. Sowas kann passieren, wenn man seine Arbeit liebt und manchmal vergisst, dass es Arbeit ist. Darum haben wir eine Woche Ägypten gebucht. Morgen fliegen wir, und Freitag stoßen wir dann am Strand auf das Album an. Bestimmt kann ich dann an nichts anderes denken, aber es ist wichtig, mal rauszukommen. Kein Internet, keine Gitarre, kein Keybord, kein PC, sonst kann ich nicht abschalten. Ich versuche, es zu genießen.

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