Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

SCHWERPUNKT

Wie geht es internationalen UDE-Studierenden während Corona?

Auch nach mehreren Jahren Kritik haben nicht alle Ausländerbehörden genug Personal. [Illustration: Kimiya Justus]​​​​​​​
​​​​​​​19.06.2021 09:44 - Sophie Schädel

Internationale Studierende haben es nicht leicht. Finanzielle Probleme, Stress im Studium, teils lange Wartezeiten an der Ausländerbehörde. Die Coronakrise hat einige ihrer Sorgen noch vergrößert. Wir geben ein Update zu den größten Problemen internationaler Studierender an der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Jede:r fünfte Studierende der UDE kommt aus dem Ausland. Sie bekommen für ihr Studium einen befristeten Aufenthaltstitel von der Ausländerbehörde. Der wird nur verlängert, wenn sie nachweisen können, dass sie genügend Geld haben und in der vorgesehenen Zeit ihr Studium beenden. Wenn sie  einmal finanziell in Schwierigkeiten kommen oder durch eine Prüfung fallen, sind ihr Aufenthalt in Deutschland und ihr Studium an der UDE in Gefahr. Wenn es an dieser Stelle hapert, wenden sich viele Studierende an Udo Rasum und seine Kolleg:innen vom Akademischen Auslandsamt (AAA) der UDE.

„Wir hatten viele Studierende in den Sprechstunden, die ihren Job durch

Corona verloren haben“, berichtet Rasum. Mittlerweile habe sich diese Situation wieder etwas entspannt, berichtet er, aber im Sommer 2020 sei das durch die Coronakrise ein großes Problem gewesen. Hier können Stipendien des AAA Studierenden helfen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und wegen Geldproblemen nicht weiterkommen. Oder Angebote des Akademischen Beratungszentrums, das Studierenden Tipps geben kann, wie sie gut durch Bewerbungsgespräche kommen. Auch über das Studierendenwerk gibt es Stipendien, für die sich Studierende auf die Nothilfe bewerben können.

Ausländerbehörden drücken wegen Corona mal ein Auge zu

Immerhin seien die Ausländerbehörden in Sachen Sperrkontosumme seit Corona kulanter, erzählt Rasum. Diese Summe soll garantieren, dass internationale Studierende ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können, da sie von staatlichen Stellen kein Geld bekommen. Sie müssen auf einem Extrakonto den jährlichen BAföG-Höchstsatz von 10.346 Euro hinterlegen und das bei der Ausländerbehörde belegen, wenn sie ihren Aufenthaltstitel verlängern wollen. Während der Pandemie drücken die Ausländerbehörden Rasum zufolge auch mal ein Auge zu, da seit 2020 viele Studierendenjobs weggebrochen sind.

Auch wenn Studienleistungen später als geplant erbracht werden, sollten die Behörden kulant sein, erläutert Rasum. „Uns erreichen in letzter Zeit vermehrt Anfragen von Studierenden aus Mülheim an der Ruhr, die wegen zu wenig gesammelten Kreditpunkten Gefahr laufen, den Aufenthaltstitel nicht verlängert zu bekommen.“ Dann müssen sie in Form einer Anhörung darlegen, warum sie nicht im vorgesehenen Tempo studieren. Udo Brost, Pressesprecher der Stadt Mülheim, kann sich diese Beobachtung nicht erklären. „Es haben sich seit Jahren weder die Anweisungen noch die Mitarbeiter:innen geändert“, berichtet er auf Anfrage der akduell. Und er betont, dass es auch bei langsameren Studienverläufen Spielraum gebe: „Wenn eine deutliche Leistungssteigerung erkennbar ist, räumen wir natürlich den Studierenden die Möglichkeit ein, das Studium ordnungsgemäß zu beenden.“

Ist die Ausländerbehörde Mülheim besonders streng?

Rasum berichtet hingegen von Fällen, die in Mülheim Druck bekamen, „obwohl unserer Ansicht nach noch alles im grünen Bereich war“, wie er kritisiert. „Für die Studierenden entsteht dadurch ein großer Druck, der besonders in Prüfungsphasen kritisch ist.“ Beispielsweise, wenn Studierende zwar etwas langsamer sind als vorgesehen, aber nur noch wenige Leistungen bis zum Abschluss fehlen. Dann macht es in seinen Augen keinen Sinn, jemanden zu zwingen, das Studium abzubrechen. „Dabei haben wir doch in bestimmten Bereichen Fachkräftemangel“, argumentiert Rasum. „Da sollte man den Leuten doch die Chancen lassen, hier nach ihrem Studium einen Job zu finden.“ Nach ihrem Studienabschluss bekommen Internationale ein Visum über 18 Monate für die Jobsuche. Diese Chance verlieren sie, wenn sie ausgewiesen werden, selbst wenn sie durch die Onlinelehre ihre letzten Leistungen theoretisch auch aus dem Ausland erbringen könnten.

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Udo Rasum berät für das Akademische Auslandsamt internationale Studierende und Lehrende. [Foto: Sophie Schädel]

Bisher war die Ausländerbehörde in Mülheim lange recht beliebt bei internationalen Studierenden der UDE. Anders als bei den Behörden in Duisburg und Essen gibt es in Mülheim seit Langem genügend Personal, um die Studierenden zu betreuen. In Essen und Duisburg wird schon lange ein Personalmangel kritisiert, der dazu führt, dass Studierende teilweise monatelang auf einen Termin warten müssen. Dabei sind sie für Studium und alltägliche Dinge wie Miet- und Handyverträge sowie Reisen darauf angewiesen, dass ihr Aufenthaltstitel fristgerecht verlängert wird.

Studierende bekommen in Duisburg und Essen jetzt schneller Termine bei der Behörde

Vor der Ausländerbehörde Duisburg kampierten 2018 nachts internationale Studierende, um einen Termin zu ergattern. 2019 kritisierten UDE, AStA und Pro Asyl die Ausländerbehörde Essen wegen Personalmangels, aufgrund dessen Studierende viele Monate lang auf einen Termin warten mussten, auf den sie dringend angewiesen waren. In beiden Städten wurde daraufhin personell aufgestockt. „In Essen hat das die Situation erheblich verbessert“, lobt Rasum. „Bei uns kommen dazu lange nicht mehr so viele Anfragen rein wie früher.“ Was dabei auch hilft: Seit Corona wickelt die Ausländerbehörde einige Formalitäten online ab, für die sonst ein Termin hätte vereinbart werden müssen. Das beschleunigt die Arbeit merklich.

Die Duisburger Ausländerbehörde schafft es bislang nicht, die Situation zu entspannen (https://www.akduell.de/home/lokales/auslaenderbehoerde-duisburg-unerreichbar-fuer-studierende). „Ich glaube, die Mitarbeiter dort tun ihr Möglichstes, aber die Personaldecke ist nach wie vor dünn“, kritisiert Rasum. Die Stadt schult eigenen Angaben zufolge aktuell Mitarbeitende aus anderen Bereichen um, damit die Ausländerbehörde entlastet wird. Außerdem bietet sie eine Onlinesprechstunde extra für Studierende an. Doch noch immer kommt ein Großteil der Anfragen, die das AAA wegen Problemen mit Ausländerbehörden kontaktieren, aus Duisburg. „Wir hoffen, dass personell nochmal nachgelegt wird“, erklärt er. Wenn Studierende der UDE Probleme haben, Termine zu bekommen, treten Rasum und seine Kolleg:innen mit der jeweiligen Ausländerbehörde in Kontakt. Damit versuchen sie zu helfen, damit zumindest Übergangsbescheinigungen ausgestellt werden.

2020 saßen mehrere UDE-Studierende im Ausland fest

Die Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie führten dazu, dass 2020 mehrere UDE-Studierende im Ausland regelrecht festsaßen. „Gerade aus Indien gab es kaum Flüge“, erinnert Rasum sich. Studierende ohne Zugang zur Ausländerbehörde liefen Gefahr, nicht mehr einreisen zu dürfen, weil sie ihren Aufenthaltstitel nicht verlängern konnten, obwohl sie schon einen deutschen Aufenthaltstitel hatten und hier immatrikuliert waren. Die Ausländerbehörden erstellten dann Bescheinigungen und schickten sie an die Konsulate im jeweiligen Land. Dann konnten sie ausreisen, berichtet Rasum. „Soweit ich weiß, sitzt aktuell kein Studierender mehr irgendwo im Ausland fest. Es gibt vereinzelt Studienanfänger, die noch auf ein Visum warten, da die Serviceleistungen der Deutschen Botschaften in einigen Ländern eingeschränkt sind.“

Viele internationale Studierende konnten ihre Familien wegen der Pandemie lange nicht besuchen. Das Wissen, infizierte Angehörige vielleicht nicht schnell genug besuchen zu können, oder nach einem Besuch nicht mehr zurück nach Deutschland zu kommen, kann sehr belastend sein. Sie nutzen die Chance, dass Reisen aktuell in großen Teilen der Welt möglich sind und die Lehre Online abläuft, um nach Monaten oder gar mehreren Jahren ihre Familien endlich wiederzusehen, weiß Rasum.

Die Familien waren früher oft eine wichtige finanzielle Stütze für internationale Studierende in Deutschland. In den Herkunftsländern, wo Corona gerade besonders verheerend wütet, bricht ihnen diese Unterstützung oft weg. „Studierende aus dem Iran haben beispielsweise zusätzlich das Problem, dass ein Geldtransfer von dort nach Deutschland wegen der raschen Inflation schwierig ist“, erklärt Rasum. In solchen Fällen können sich Studierende auf Stipendien beim Akademischen Auslandsamt oder dem Studierendenwerk bewerben.

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