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SCHWERPUNKT

Was mache ich nach meinem Studium?

Vom Campus ins Berufsleben [Symbolfotos: Jacqueline Brinkwirth]

11.08.2020 18:37 - Jacqueline Brinkwirth

Das Studium zu beenden – ob mit dem Bachelor oder mit einem Masterabschluss – ist für viele Studierende ein Schritt ins Ungewisse. Zwar grenzen die ausgewählten Fächer das zukünftige Berufsfeld grob ein. In vielen natur- und geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen steht allerdings am Ende keine klare Berufsbezeichnung auf dem Zeugnis. Neben der Regelstudienzeit, elterlichen oder gesellschaftlichen Erwartungen und dem eigenen Anspruch übt auch die Frage Druck aus, wohin es am Ende mit dem Abschluss gehen soll. Denn die Möglichkeiten für Hochschulabsolvent*innen sind breit gefächert: Berufseinstieg, Promotion, Volontariat und Traineeship oder Praktika. Doch Vielfalt kann auch Orientierungslosigkeit auslösen: Welche Branche passt zu mir? Wo suche ich nach passenden Stellenangeboten? Wo finde ich an der Uni Unterstützung?

„Lassen Sie sich beim Berufseinstieg nicht aus der Ruhe bringen!” Das ist ein Tipp, den Yvonne Wenk Studierenden in der Abschlussphase mit auf den Weg gibt. Sie ist Teil des Mentoring-Teams der Geisteswissenschaften an der Universität Duisburg - Essen (UDE) und berät Studierende im Studium, auch im Hinblick auf die Berufswahl. „Niemand muss zu Beginn des Studiums schon sicher wissen, was er oder sie beruflich machen möchte, und diesen Weg dann schnurgerade verfolgen.

Die Studienzeit ist auch die Zeit, genau das herauszufinden und sein berufliches Profil zu schärfen“, macht sie klar. Das Mentoring-Team GeiWi ist Teil des universitätsweiten UDE-Mentoring-Systems und bildet eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um Studium und Unileben. „Studierende können mit ihren Anliegen im ersten Schritt zu uns kommen und sich beraten lassen. Bei uns sind sie immer richtig“, erklärt Wenk. „Wir beantworten Fragen zur Studienorganisation, zur Planung, zum Selbstmanagement, zum wissenschaftlichen Arbeiten, wir nennen Ansprechpartner*innen, stellen Kontakte her, vernetzen Studierende untereinander und geben Feedback und Anregungen zur Berufsorientierung.“

Mithilfe von Mentoring orientieren

Neben offenen Sprechstunden und Tutoriumsgruppen für Erstsemester bietet das Team auch eine Mentoring-AG an. Sie ist für Studierende ab dem 2. Semester ausgelegt. „Wir treffen uns regelmäßig, geben Raum für Austausch und Feedback und machen bedarfsorientierte Themenrunden, auch zum Übergang vom BA zum MA und zum Einstieg in den Job.“ Seit diesem Sommersemester ist die AG Teil des Programms KomPRO 4.0. „KomPRO steht für Kompetenzorientierte Professionalisierung für Geisteswissenschaftler*innen. Die Idee ist, den Studierenden bedarfsorientierte Qualifizierungsangebote zu machen, die über die Curricula ihrer Fächer hinausgehen, sogenannte Add-Ons fürs Studium“, führt Wenk aus. In Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek, der Schreibwerkstatt und dem Forum Mündliche Kommunikation werden Studierenden dort beispielsweise in Programmschulungen oder Kursen zu wissenschaftlichem Arbeiten bestimmte Skills vermittelt, die ihnen schließlich auch im Berufsleben weiterhelfen können.

„Viele kommen in Jobs unter, weil sie als Menschen, als
Generalist:innen oder als kreative Köpfe überzeugen.“

Solche Angebote sollen Student*innen dabei unterstützen, sich bereits im Studium auf die Wahl eines zukünftigen Berufsfeldes vorzubereiten. Denn gerade in den Geisteswissenschaften sind die Abschlüsse meist berufsunspezifisch. Das bedeutet, dass Studierende nach ihrem Abschluss in allen möglichen Branchen Fuß fassen können. Yvonne Wenk sieht diesen Umstand positiv: „Der geisteswissenschaftliche Abschluss mag berufsunspezifisch sein – das erfordert viel Eigenleistung und Aktivität beim Suchen und Herausfinden, bietet aber auch viel Freiraum und viele Chancen.

Geisteswissenschaftler*innen sind in die Breite qualifiziert, was gut ist.“ Dennoch sei es wichtig, sich frühzeitig Gedanken über den weiteren Weg zu machen. „Das kann ich sehr gut in Unternehmen im Rahmen von Praktika machen, bei denen ich parallel zu meiner akademischen Ausbildung erste Praxiserfahrung und spezifische Jobkompetenzen erwerbe.“

In Lehramtsstudiengängen sind praktische Erfahrungen in Form des Eignungs- und Orientierungspraktikums fest in den Studienplan integriert. Im 2-Fach-Bachelor oder -Master können freiwillige Praktika im Ergänzungsbereich absolviert werden. Auch Veranstaltungen des Mentoring-Programms oder Sprachkurse bieten sich dort zur Anrechnung an. Für die Orientierung hat  Wenk folgenden Tipp: „Vor allem, wenn ich noch nicht weiß, wohin die berufliche Reise gehen soll, muss ich ausprobieren.

Da das auf viele Studierende der Geisteswissenschaften zutrifft und von der Fakultät sehr empfohlen wird, gibt es eine eigene Stelle, die bei der Suche nach Praktikumsstellen und bei der Bewerbung unterstützt: das zentrale Praktikumsbüro.“ Hier werden Studierenden alle nötigen Informationen an die Hand gegeben, um einen Praktikumsplatz zu finden, offene Fragen zu klären und das passende Praktikum für die eigenen Interessen auszumachen.

Das Mentoring-Team bietet zudem jedes Semester verschiedene Veranstaltungen an. „Im Bereich Berufsorientierung organisieren wir zum einen Wegweiser-Veranstaltungen, bei denen Alumni unserer Fakultät ihre Karrierewege vorstellen, zum anderen Berufsexkursionen, bei denen wir mit einer Gruppe von Studierenden Berufsfelder für Geisteswissenschaftler*innen vor Ort in Unternehmen erkunden“, erzählt Wenk. Besonders wichtig sei dabei, gezielt auf die Studierenden einzugehen. „Als roter Faden zieht sich der Mentoring-Gedanke durch unsere Angebote. Menschen mit Erfahrung fungieren als Mentor*innen für diejenigen, die weniger Erfahrung haben und dementsprechend profitieren können.“

Career Service unterstützt beim Berufseinstieg

Eine weitere Stelle, an die sich Studierende in der Berufsorientierung wenden können, ist der Career Service des Akademischen Beratungszentrum (ABZ) an der UDE. Jörn Sickelmann ist Leiter des ABZ und erklärt, welche Leistungen Studierende in Anspruch nehmen können: „Der Career Service im ABZ berät und unterstützt Studierende und AbsolventInnen beim Übergang in den Beruf beziehungsweise bei der Entscheidung für den Berufseinstieg mit Bachelor oder für ein Masterstudium.“

Auch Studierende, die ihren Abschluss bereits gemacht haben, finden im Career Service die passende Anlaufstelle. „Da uns als ABZ nicht nur der erfolgreiche Übergang ins Studium, sondern auch der Übergang ins Berufsleben wichtig ist, können auch UDE-Absolventinnen nach dem Abschluss unser Angebot in Anspruch nehmen.“ Dafür hat Sickelmann einen Hinweis: „Wichtig ist, dass die Studierenden mit der Planung und Gestaltung ihres Berufseinstiegs nicht erst kurz vor dem Examen starten sollten. Eine erste Kontaktaufnahme zum Career Service ist bereits ab dem dritten Semester sinnvoll.“

Doch warum sollten Studierende sich bereits so früh Gedanken über die Zeit nach ihrem Abschluss machen? Sickelmann sagt: „Es ist wichtig, um mit der Wahl der Praktika oder Nebentätigkeiten Arbeitsfelder für sich selbst auszuloten oder zu erproben. Die Vielfältigkeit kann manchmal erschlagend wirken und schnell erscheint eine Schwerpunktsetzung dann als falsche Wahl. Aber gerade da ist es wichtig, gezielt einen Fahrplan zu entwickeln.“ In der Beratung beschäftigen sich die Ansprechpartner*innen des Career Service dann individuell mit den Studierenden. „Zunächst können wir Berufsfelder vorstellen und damit Orientierung geben. Dabei berücksichtigen wir natürlich die Interessen und die intrinsische Motivation der Studierenden“, so Sickelmann.

Die Entscheidung, in welche Richtung es beruflich gehen soll, sollten Studierende am Ende selbstbestimmt treffen – mit Blick auf die eigenen Vorstellungen und Voraussetzungen. Beratungsangebote helfen dabei, indem sie eine erste Orientierung geben oder bei der Bewerbung unterstützend zur Seite stehen. Essenziell sei aber auch, dass Studierende ihre Skills und Möglichkeiten richtig einschätzen lernen, meint Yvonne Wenk. „Aus den Berichten vieler Geisteswissenschaftler:innen, die bereits im Job sind, weiß ich, dass man sich breit bewerben sollte und es auch dann versuchen sollte, wenn das Stellenprofil nicht zu 100 Prozent passt. Viele kommen in Jobs unter, weil sie als Menschen, als Generalist:innen oder als kreative Köpfe überzeugen; nicht weil sie jeden Aspekt des Stellenprofils erfüllen.“

Oder doch die Promotion?

Dabei läuft vom Studium über den Abschluss bis zur Berufswahl nicht immer alles glatt – und das ist völlig normal. „Im Idealfall finde ich etwas, wofür ich mich richtig begeistern kann. Persönliche Motivation ist wichtig; das Ziel zu haben, etwas zu tun, das mir Spaß macht. Das kann in der Theorie beginnen, sollte dann aber auch mit der Praxis abgeglichen werden.“ Klappt es im ersten Anlauf nicht, sei das noch lange kein Beinbruch, so Wenk. „Es ist überhaupt kein Problem festzustellen, dass ein Job doch nicht der richtige für mich ist. Es ist völlig okay und wichtig, sich Zeit zur beruflichen Orientierung zu nehmen.“ Doch nicht alle Studierende führt der Abschluss sofort in die Berufswelt. Mit einer Promotion gibt es nach dem Master auch die Möglichkeit, weiterhin zu forschen und schließlich einen Doktor*innentitel zu erlangen.

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Anna Thelen arbeitet im Graduate Center Plus an der UDE und erklärt, welche Chancen eine Promotion bieten kann. „Die Promotion ist der erste Schritt auf dem Weg zur Universitäts- und Fachhochschul-Professur. Sie qualifiziert für eine Karriere in der Wissenschaft und in wissenschaftsnahen Bereichen, wie zum Beispiel dem Wissenschaftsmanagement.“ Andere Bereiche, in die Promovierte beruflich starten können, seien außerdem die freie Wirtschaft und der öffentliche Sektor. Welche Voraussetzungen müssen Studierende erfüllen, wenn sie eine Promotion anstreben? „Allgemein sollte das Masterstudium mindestens mit ,gut’ abgeschlossen worden sein. Die formalen Voraussetzungen werden in der Promotionsordnung geregelt und unterscheiden sich je nach Universität beziehungsweise Fachbereich. Deshalb empfehlen wir, sich frühzeitig mit der Promotionsordnung der ausgesuchten Fakultät vertraut zu machen.“

Eine Promotion sollte allerdings gut überlegt sein. Denn neben einem guten Studienabschluss braucht es auch Durchhaltevermögen, gutes Zeitmanagement und einen passenden Finanzierungsplan. Im Graduate Center Plus bekommen Studierende alle nötigen Infos, um eine fundierte Entscheidung für oder gegen eine Promotion zu treffen. „Die Promotion ist weit mehr als nur ein Projekt und eine Qualifizierung. Sie ist eine Lebensphase, die die Persönlichkeit entscheidend formt und viel von Ihnen fordert. Eine Doktorarbeit bietet viel Raum, den eigenen Ideen frei und kreativ nachzugehen, ist aber gleichzeitig auch ein komplexes Unterfangen mit Höhen und Tiefen“, macht Thelen klar.

Ein Punkt, an dem es oft hakt, ist die Finanzierung. Auch hierfür bietet das Graduate Center Unterstützung: „Oft sind Doktorand*innen als wissenschaftliche Mitarbeiter*innen an der Universität angestellt und haben dadurch ein gesichertes Einkommen, wenn auch für eine begrenzte Zeit. Strukturierte Promotionsprogramme bieten in der Regel auch eine befristete Anstellung als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in. Viele Stiftungen und die Begabtenförderwerke fördern Promotionen durch Stipendien, auf die Sie sich bewerben können.“

Ein Tipp sei, sich grundlegend beraten zu lassen, um die Promotion auf die eigenen Lebensumstände anzupassen. „Zum Erfolg der Promotion trägt nicht nur die innere Motivation bei, sondern auch das richtige Forschungsumfeld. Darunter fallen eine gute Betreuung, eine zuverlässige Finanzierung und eine unterstützende wissenschaftliche Community. Der Mix muss stimmen“, fasst Thelen zusammen.

Egal, wo es nach dem Abschluss letztlich hingeht, um das Verfassen einer Bewerbung kommen Studierende nicht herum. Was eine erfolgreiche Bewerbung ausmacht, beschreibt Jörn Sickelmann vom ABZ so: „Die Bewerbung ist eine erste Arbeitsprobe, daher sollten Sie immer sauber und gut strukturiert arbeiten. Achten Sie auf ein einheitliches Layout.“ Grundsätzlich sei es wichtig, die Bewerbung auf die spezifischen Vorgaben einer Stellenanzeige anzupassen. „Relevant ist immer, was im Anforderungsprofil steht. Das heißt, für die eine Stelle kann eine Nebentätigkeit relevant sein oder ein interessantes Projekt, das mit den Kommiliton*innen durchgeführt wurde, für eine andere Stelle aber eben nicht.“

Für Anschreiben sei eine goldene Regel, auf abgenutzte Formulierungen zu verzichten. „Es sollte interessant und kurzweilig zu lesen sein. Wie bei einem Artikel muss der erste Absatz das Neugierde der Leser*innen wecken. Wichtig ist auch, dass immer ein Bezug zum Anforderungsprofil der Stelle existiert. Sie müssen also zeigen, inwiefern Ihre bisherigen Erfahrungen und Kompetenzen zu den Anforderungen der Stelle passen.“

Vor dem Beruf kommt die Bewerbung

Insgesamt sollte die Bewerbung einen stimmigen Eindruck machen und alles enthalten, was für Personaler*innen wichtig ist. „Zu den Anhängen gehört der Notenspiegel, falls das Abschlusszeugnis noch nicht vorliegt. Ansonsten gehören Arbeitszeugnisse und auch noch das Abiturzeugnis in den Anhang. Alles, was im Lebenslauf erwähnt wird und wofür eine Bescheinigung vorliegt, wird angefügt.“ Die passenden Stellen für eine Bewerbung lassen sich am besten online in den richtigen Stellenportalen finden.

Das ABZ bietet dafür auf seiner Website eine hilfreiche und umfangreiche Materialsammlung zum Download an. „Hier finden Studierende nicht nur Bewerbungsmuster, Tutorielles zum Verfassen einer Bewerbung und Videos zu verschiedenen Themen, sondern auch umfangreiche Infos zu Jobbörsen, die wir empfehlen, gegliedert in allgemeine Jobbörsen und fachspezifisch sortiert“, erläutert Sickelmann.

Studierende, die sich wegen der Corona-Pandemie Sorgen um ihren Berufseinstieg machen, kann Sickelmann beruhigen: „Die elektronischen Stellenportale, unter anderem auch der Online-Stellenmarkt der UDE, verzeichnen zwar deutlich weniger Stellenangebote für Studierende und Absolvent*innen. Allerdings signalisieren sowohl unsere Kooperationspartner in den Verbänden als auch unsere Kontakte zu den Personalern, dass in den Unternehmen zunächst die Prozesse neu justiert werden mussten und nach der Sommerpause wieder mit einer Belebung des Stellenmarkts zu rechnen ist.“

Der Weg in den Beruf mag für viele Studierende beängstigend und voller Fragezeichen sein. Die vielfältigen Beratungsstellen der UDE machen allerdings eines ganz deutlich: Unterstützung und Hilfe ist da, ob in digitaler oder – nach der Pandemie – wieder in persönlicher Form. Studierende müssen lediglich den Schritt machen, sich zum richtigen Zeitpunkt mit folgender Frage zu beschäftigen: Wo will ich nach meinem Abschluss eigentlich hin?

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