Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

SCHWERPUNKT

UDE: Ein Ort für offenes Denken

 Das UDE-Motto besteht seit 12 Jahren.   [Illustration: Jorge Schatz]
11.01.2022 15:38 - Lena Janßen

Seit 2010 steht der Slogan „Offen im Denken” für die Universität Duisburg-Essen (UDE). Wir haben uns gefragt: Warum hat sich die UDE für genau diesen Leitsatz entschieden, wie ist er entstanden und warum ist er für die Universität wichtig? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir mit Dr. Olivia Jazwinski gesprochen. Sie ist Leiterin der Marketingabteilung und hat den Entstehungsprozess begleitet.

Im Jahr 2003 gründet sich die Universität Duisburg-Essen und tritt erstmals mit dem Leitspruch „Wissenschaft an Rhein und Ruhr” in Erscheinung. Zu dieser Zeit hat die UDE keinen besonders guten Ruf, obwohl sie bereits große Erfolge in der Forschung erzielt hatte und durch die Fusion der Campusse Duisburg und Essen gestärkt war. Als Prof. Dr. Ulrich Radtke sein Amt als Rektor antritt, ist es ihm ein Anliegen, die Universität als einen regionalen Hauptakteur und Arbeitgeber bekannt zu machen.

„Das Rektorat hat sich damals entschieden, einen großen Kommunikationsprozess zu starten”, berichtet Dr. Olivia Jazwinski. Sie war maßgeblich am Entwicklungsprozess des neuen Leitsatzes der UDE beteiligt. Im Zuge des angelegten Kommunikationsprozesses werden 2009 zehn Prozent der Studierenden zu ihrer Zufriedenheit an der Universität befragt: „Wir haben gefragt: Was gefällt dir an der UDE? Was gefällt dir nicht? Wie empfindest du den Ruf der UDE?”

Das Ergebnis der Umfrage zeigt klar: Die Zufriedenheit der Studierenden ist größer, als ihrer Meinung nach der gute Ruf der Universität. „Da haben wir uns gedacht: Dagegen müssen wir etwas tun”, erzählt Jazwinski. Daraufhin startet das Rektorat einen Pitch: Acht Agenturen aus der Region werden beauftragt, Ideen für einen neuen Leitspruch zu entwickeln. Am Ende sichert sich die Agentur „h2m” aus Duisburg den Auftrag. Die darauffolgenden Schritte beschreibt Jazwinski so: „Es gab Workshops, an denen unter anderem der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), Mitarbeiter:innen der UDE, Mitglieder der Fachschaften, Sachbearbeiter:innen, Dozierende und Hochschulratsmitglieder teilgenommen haben.” Den Verantwortlichen ist es wichtig, jede:n mit an den Tisch zu holen: „Damit wir querbeet durch die Uni ein Gefühl dafür bekamen, was den Menschen wichtig ist und wofür die UDE steht.”

Eine Universität in Bewegung

In den Gesprächen miteinander wird deutlich, dass die Beteiligten die UDE als eine Universität sehen, die innovativ und in Bewegung ist. „Viele in dieser Runde hatten selbst in Freiburg oder Aachen studiert und sagten: ‘An der UDE ist alles viel offener’”, beschreibt Jazwinski den Austausch. Die UDE soll als eine Universität bekannt gemacht werden, an der man auch studieren kann, wenn die Eltern selbst nicht studiert haben, man zuvor eine Ausbildung gemacht hat oder bereits 30 Jahre alt ist und zwei Kinder hat. „Das ist ein Merkmal, dass die UDE ausmacht”, ergänzt sie.

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Der Duisburger Campus [Foto: David Peters]
 

Nach den gemeinsamen Beratungen steht fest: Die UDE ist ein Ort, an dem gelehrt und geforscht wird und an dem man offen für neue Wege ist. Parallel zu den Arbeiten am neuen Leitsatz entsteht an der Universität das erste große Mentoring Programm - Chance hoch 2 - und Prof. Dr. Ute Klammer wird die erste Prorektorin für Diversität in Deutschland. „Das hatte es vorher noch nicht gegeben”, so Jazwinski. „All das ergab ein Gesamtkonzept und die Agentur goss das in den Spruch ‘Offen im Denken’.” Der Vorschlag der Agentur stößt auf Begeisterung: Das Rektorat nimmt die Idee einstimmig an.

Durch den groß angelegten Kommunikationsprozess geht die UDE als ein gutes Beispiel voran. „Von vielen Kolleg:innen weiß ich, dass für so ein Projekt ein:e Co-Rektor:in und ein:e Mitarbeiter:in ausgesucht werden, die sich dann drei Mal mit einer Agentur treffen. Dann wird eine Entscheidung getroffen und die Uni muss das hinnehmen”, sagt Jazwinski.

Chancen geben

Neben einer förmlichen und offiziellen Veranstaltung zur Verkündung des neuen Mottos, wird 2010 ein großes Festival auf dem Campus arrangiert. „Wir haben einen Veranstaltungsmanager zu Rate gezogen und ein Konzert mit mehreren Bands auf die Beine gestellt” berichtet sie. „Das ist total gut angekommen und dort haben wir dann den Studierenden das neue Konzept vorgestellt.”

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Der Essener Campus [Foto: Sophie Schädel]
 

In den letzten elf Jahren hat die UDE das Motto definitiv gelebt, meint Jazwinski. Vor allem im Bereich der Beratung und Betreuung ist in dieser Zeit viel Neues entstanden. „Das Akademische Beratungszentrum (ABZ) hat zum Beispiel tolle Programme entwickelt, bei denen sie in Schulen gehen und die Kinder motivieren. Vor allem die Kinder, bei denen die Eltern aus Sicherheit eine Lehre empfehlen oder wenn die Eltern einem Mädchen vielleicht nicht zutrauen, dass es Physik studiert.” Auch das Mentoring-Programm Chance hoch 2 unterstützt Schüler:innen: Lehrpersonen können Schüler:innen für das Programm vorschlagen, diese erhalten dann jeden Monat ein Büchergeld und haben regelmäßigen Kontakt zur Universität. „Wenn sie ihr Abitur bestehen und von der UDE übernommen werden, erhalten sie ein kleines Stipendium”, so Jazwinski. Unter anderem diese Programme sind es, die in engem Zusammenhang mit dem Leitspruch „Offen im Denken” stehen.

Ob es in Zukunft einen erneuten Motto-Wechsel geben wird, weiß Jazwinski nicht: „Wir haben schon öfter überlegt, ob ein neues Motto und ein neuer Anstrich der Universität gut tun würde.” Durch den kommenden Wechsel im Rektorat würde sie eine neue Richtung legitim finden: „Wir sind sicher nicht mehr der Underdog, der wir vor 14 Jahren mal waren. Wir feiern große Erfolge in der Forschung und können definitiv bei den Großen mitspielen.”

 

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