Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

SCHWERPUNKT

So verbessern Studis euren Alltag

Fotos: Dennis Pesch
06.08.2018 11:00 - Dennis Pesch

Studienbeiräte und Senat sagen euch gar nichts? Dann solltet ihr das schleunigst ändern. Denn genau da setzen sich eure ehrenamtlich engagierten Kommiliton*innen für viele Verbesserungen an der Universität Duisburg-Essen (UDE) für euch ein, die direkte Auswirkungen auf euer Studium haben. Wie sie euch im Zweifel sogar euer Studium retten und was das mit dem neuen Hochschulgesetz zu tun hat, haben wir für euch mal aufgeschrieben.

Wie oft habt ihr schon im Zug gesessen und hattet Angst, als die Kontrolleur*innen auf euch zukamen? Nicht, weil ihr kein Ticket habt, sondern weil das Scangerät den QR-Code auf der MyUDE-App nicht lesen kann. Seit Jahren schlagen sich etliche Studierende mit diesem Problem rum. Anfang Juli wurde im Senat beinahe etwas durchgesetzt, dass euch jede Möglichkeit zurück zum Ticket auf der Chipkarte verbaut hätte (siehe Seite 4). Wäre da nicht so jemand wie Corinna Kalkowsky gewesen, die seit zwei Jahren eure Interessen dort vertritt.

Der Streit ums Semesterticket

Die Verwaltung wollte eine neue Einschreibeordnung festlegen, was zur Folge gehabt hätte, dass per Einschreibung ein Ticket nur noch auf der App zugänglich gewesen wäre. Gemeinsam mit zwei anderen studentischen Senator*innen besprach Corinna, wie auch die Möglichkeit zur Chipkarte noch offen bleibt. Die drei machten gemeinsam Druck im Senat und zogen einen Großteil der anderen Statusgruppen auf ihre Seite. Dank des Engagements der Student*innen bleiben so zumindest theoretisch beide Möglichkeiten offen. Corinna und die drei anderen Studierenden sitzen allerdings nur im Senat, weil die Viertelparität in NRW gesetzlich vorgeschrieben ist.

Die Studentin entscheidet im Senat außerdem mit den anderen Statusgruppen darüber, wer für eine Professur berufen wird. Haben die Studierenden selbst Anliegen, hält sie meistens Rücksprache mit den Fachschaften. „Ich muss sehr aufmerksam sein und immer im Austausch mit Studis stehen, damit ich überhaupt mitbekomme, was die Leute interessiert“, sagt Corinna. Sie sieht sich vor allem dafür verantwortlich „zu übersetzen“. Sprich: Euch zu erklären, was im Gremium eigentlich passiert.

Damit auch ihre Nachfolger*innen viel Mitspracherecht haben, setzt sie sich gegen einige Änderungen im Hochschulgesetz ein. Die Landesregierung plant die Viertelparität nicht mehr zur Pflicht zu machen, was bedeuten könnte, dass sie an der UDE abgeschafft wird. „Wir müssen die Möglichkeiten haben uns einzubringen“, fordert Corinna. Viele Studierende würden sich derzeit darauf ausruhen, dass die Uni das so nicht machen wird. „Das sind Zugeständnisse, auf die wir uns so semigut verlassen können“, meint sie. Auch in der Hochschulpolitik sei es oft so, dass es Versprechen gebe, die dann aber doch nicht eingehalten würden.

Anwesenheitspflicht vs. studentische Realität

Ebenfalls nicht zwingend sollen nach dem neuen Hochschulgesetz die Studienbeiräte und das Verbot von Anwesenheitspflichten sein. Aus der Sicht von Studienbeirat Matthias Sommer eine Katastrophe für die studentische Mitbestimmung. Er sitzt seit mehreren Jahren im Beirat, studiert Physik auf Lehramt und hat im Gremium viele positive Erfahrungen gemacht: „Cool ist, dass wenn es irgendwo ein Problem gibt, ganz offen darüber geredet wird“, erklärt er.

Vor drei Jahren etwa habe die Abbrecherquote in seinem Studiengang noch bei 90 Prozent gelegen. Vor allem im dritten Semester seien die meisten Studierenden ausgestiegen. „Wir haben dann den Studienbeirat zusammen gerufen und überlegt, wie wir den Studienverlauf anders gestalten können“, so der Lehramtsstudent. Für die Schulformen Haupt-, Real- und Gesamtschule gab es ein Einstiegsmodul ab dem dritten Semester. Denn ab da studierten sie mit den zukünftigen Gymnasiallehrer*innen zusammen.

Das überforderte viele Studierende. Eine Lösung wurde im Studienbeirat gemeinsam mit den Professor*innen schnell gefunden. Alle Schulformen starteten nun ab dem ersten Semester gemeinsam, mit teils unterschiedlichen Übungen, Prüfungen und Vertiefungsseminaren. Ein neuer Studienverlaufsplan wurde erstellt. „Der hat jetzt nur noch eine Abbrecherquote von 50 bis 60 Prozent, was in den Naturwissenschaften üblich ist“, sagt Matthias und ergänzt: „So bekommen die Schulen auch mehr Physiklehrer.“ Alle Seiten haben also ein Interesse daran, die Probleme zu lösen. „Mit den Kompromissen konnten bisher alle immer gut leben“, erklärt er.

Anwesenheitspflichten waren im Beirat bisher kaum ein Thema, außer da wo sie notwendig sind, also etwa bei Experimenten. Dass die Landesregierung nun Anwesenheitspflichten und Studienbeiräte optional machen will, kann Matthias nicht verstehen. Das gehe an der Lebensrealität vieler Studierender vorbei: „Bei einer großen Vorlesung wurde mal die Frage gestellt, wie viele Leute neben dem Studium arbeiten gehen.“ 70 bis 80 Prozent der Studierenden hätten sich gemeldet, erinnert er sich.

Droht die Abschaffung?

Ebenfalls im Studienbeirat engagiert sind Sarah Urban, die medizinische Biologie studiert und Igor de Almeida, der im Biologie-Master ist. „Den Beirat gibt es noch nicht so lange, erst seit Juni 2017“, sagt Sarah, also knapp fünf Jahre nachdem es 2012 gesetzlich vorgeschrieben wurde. Feste Termine gibt es nicht, der Beirat kommt immer nur dann zusammen, wenn etwas ansteht.

Was ist ein Studienbeirat?

Der Studienbeirat berät sich, wenn es um Studieninhalte und Lehre geht. Die Stimmen im Beirat sind gleichberechtigt aufgeteilt. Dort sitzen genauso viele Studierende wie Professor*innen.

Kurz nach seiner Gründung hatten sie schon ein erstes Projekt durch das Gremium gebracht, das im Zweifel die Existenz von ihren Kommiliton*innen sichern kann. Drei Versuche hatten die Studierenden damals für eine Klausur, bis sie ans Prüfungsamt gemeldet und zwangsexmatrikuliert werden. Im Studienbeirat haben sie durchgesetzt, dass nach einem gescheiterten dritten Versuch noch ein vierter mündlicher möglich ist. „Die Dozierenden sind sehr entgegenkommend“, sagt Igor. Viel Diskussionsbedarf habe es bei den Inhalten bisher nicht gegeben.

Dass der Studienbeirat nach dem neuen Gesetz nur noch optional sein soll, stößt auch hier auf wenig Begeisterung. „Das ist das Gremium, wo wir am meisten mitbestimmen können, weil wir da einfach gleichberechtigt sind und das würde ich auch gerne so beibehalten“, sagt Sarah. In der Fachschaft Biologie befürchtet derzeit niemand, dass der Studienbeirat wieder abgeschafft wird: „Aber das ist natürlich auch von den Leuten abhängig, die da gerade drin sitzen“, relativiert sie. Den Beirat gibt es in der Biologie zudem nur, weil die Fachschaft von den studentischen Senator*innen erfahren hat, dass das gesetzlich verpflichtend ist.

Problem: Pendler-Uni

Die Gefahr, dass Studienbeiräte bald gar nicht mehr eingeführt werden, sieht Igor derweil mehr in anderen Fakultäten, die nicht so stark auf die Interessen der Studierenden eingehen. „Mit einem Studienbeirat könnte man da gut gegensteuern, weil die Kommilitonen dort sehr viel Macht hätten“, erklärt er. Im Fakultätsrat sitzen zwar auch Studierende, die sind dort jedoch massiv in der Unterzahl. „Wir sitzen da zu dritt bei 20 Mitgliedern“, sagt Igor.

Unterbesetzt sind sie in der Fachschaft Biologie, die auch den Studienbeirat organisiert, derzeit nicht. Ein paar Sorgen machen sich die beiden über die studentische Basis trotzdem. Viele Menschen engagieren sich zwar in Universitätsstrukturen, doch der Zugang ist nicht immer ganz so einfach zu finden. „Viele wissen vom Studienbeirat nichts. Es ist schon oft schwer genug über den Fachschaftsrat aufzuklären“, erzählt Igor. „Selbst wenn wir kostenlos Waffeln verteilen, kommen noch manche Leute und sagen: ‚Ich dachte, ihr macht nur die O-Woche und sonst nichts‘“, ergänzt Sarah.

Dass ihre Kommiliton*innen, nicht viel über die demokratischen Gremien wissen und daran auch wenig Interesse zeigen, führt Sarah darauf zurück, dass die UDE eine Pendleruni ist. „Viele können sich nicht mit der Uni identifizieren“, sagt sie. Igor meint, einigen sei es einfach egal, andere wiederum fänden keine Zeit für ein Ehrenamt, eben weil viele pendeln müssten. Sarah sieht zudem auch ein Problem im Druck, dem die Studierenden ausgesetzt sind. „Viele haben Angst davor, dass Studium nicht in der Regelstudienzeit zu schaffen und engagieren sich vielleicht auch deshalb nicht ehrenamtlich“, sagt sie.

Bei Lehramtsstudent und Studienbeirat Matthias macht sich derweil auch Frustration breit. „Der solidarische Gedanke fehlt. Jede Änderung, die wir bewirken, ist nicht nur für uns selbst, sondern vor allem für die Studierenden, die nach uns kommen“, erklärt er. Einige Studierende würden oft nur auf ihre persönlichen Vorteile schauen. „Andere wiederum kriegen gar nichts davon mit, dass sie sich an verschiedenen Stellen wählen lassen können.“ Werbung fürs Ehrenamt könne da vielleicht Abhilfe schaffen, meint er.

Mehr Menschen für mehr Mitbestimmung

Auch dass sich nur wenige Studierende gegen die Einschnitte durch das neue Hochschulgesetz wehren, versteht Matthias nicht, hat es doch etwa über die verschiedenen Gremien nennenswerte Erfolge für Studierende gegeben. So ähnlich sieht das auch Senatorin Corinna. „Ich würde mir von der gesamten Studierendenschaft eine stärkere Stimme und mehr Engagement wünschen“, sagt sie.

„Jede Änderung, die wir bewirken, ist nicht nur für uns selbst, sondern vor allem für die Studierenden, die nach uns kommen.“

Podiumsdiskussionen könnten dabei ein gutes Mittel sein, um mit den Studierenden auf Augenhöhe zu diskutieren, so Corinna. Matthias und Corinna befürchten, dass die derzeit eher kleinen Proteste durch die Allgemeinen Studierendenausschüsse, sich nicht auf die studentische Basis ausweiten werden. Sollte das Hochschulgesetz so durchkommen, wird es für Studierende schwieriger ihr Ehrenamt auszuüben. „Dann läuft alles wieder nur über die Professoren und die Studis haben wenig Mitspracherecht“, argumentiert Matthias.

Dass für die Hochschulen Anwesenheitspflichten, Studienbeiräte und Viertelparität nur noch optional sein sollen, macht es den engagierten Studierenden schwer, nicht organisierte Kommiliton*innen für die Proteste zu gewinnen. „Dadurch, dass das alles optional ist, ist es sehr ungriffig. Vieles wird erfahrungsgemäß aber wohl kaum zu Gunsten der Studierenden ausgelegt werden“, sagt Matthias. Er appelliert: „Es ist eigentlich nur die logische Konsequenz, an den Problemen zu arbeiten, die auf uns zukommen. Ich weiß, dass es unglaublich viele Leute gibt, die sich engagieren, aber wir brauchen mehr Menschen, um mehr mitbestimmen zu können.“

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