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SCHWERPUNKT

So sparen die Unis im Ruhrgebiet Energie

Universitäten müssen diesen Winter Energie sparen. [Illustration: Jorge Schatz] 07.11.2022 12:00 - Lara Wantia

Zehntausende Studierende, dutzende Gebäude und Campus, die kleinen Städten gleichen: Hochschulen haben einen hohen Energieverbrauch. Um Energie zu sparen, ergreifen die Universitäten im Ruhrgebiet Maßnahmen, die sich auch auf die Studierenden auswirken.

In diesem Winter müssen Hochschulen in Deutschland 20 Prozent Gas sparen. So haben sie es mit dem Wissenschaftsministerium vereinbart. Viele Hochschulen senken deshalb die Raumtemperatur von 21 auf 19 Grad, zum Händewaschen gibt es nur noch kaltes Wasser, zwischen Weihnachten und Anfang Januar schließen die Gebäude.

Gleichzeitig gelten die Hochschulen als geschützter Bereich. Bei einer Gasmangellage sollen sie weiter Gas beziehen können, um den Präsenzbetrieb aufrechterhalten zu können. Von dem Szenario, dass die Hochschulen schließen müssen, geht im Moment niemand aus. Trotzdem versuchen sie, so viel Energie wie möglich zu sparen.

Technische Universität Dortmund

Die Technische Universität (TU) Dortmund setzt vor allem auf die niedrigere Raumtemperatur von 19 Grad. Am Wochenende und abends ab 17 Uhr senkt sie die Temperatur auf 16 Grad. „Es wird nicht um 17 Uhr schlagartig kalt. Die Restwärme hält sich noch ein bis zwei Stunden, aber danach ist es spürbar kühler“, sagt Pressesprecherin Eva Prost.

Außerdem reduziert die TU die Beleuchtung auf dem Campus. Die Nachtbeleuchtung setzt jetzt schon ab der Dämmerung ein. Dabei gehe die Universität mit „Augenmaß“ vor, sagt Prost. „Wir hatten schon Fälle, dass uns Studierende zurückgemeldet haben, dass es an bestimmten Stellen ein bisschen unheimlich ist, wenn sie um 19 Uhr noch auf dem Campus sind und nicht mehr so viel beleuchtet ist“, beschreibt Prost. Dann prüfe das Bau- und Facilitymanagement, wo es die Einstellungen korrigieren muss, damit sich alle sicher fühlen.

Darüber hinaus setzt die TU auf eine symbolische Maßnahme: Das grüne TU-Logo auf dem Mathe-Tower, das sich sonst dreht und leuchtet, steht jetzt still und ist dunkel. Die Einsparung dadurch sei gemessen am Gesamtstromverbrauch gering. Sie entspreche ungefähr dem, was ein oder zwei Vier-Personen-Haushalte im Jahr verbrauchen würden, ordnet Prost ein. Es gehe aber vor allem um die Wirkung nach außen: „Die Menschen werden daran erinnert, dass Energiesparen gerade wichtig ist und dass auch kleine Beiträge sinnvoll sind.“

Die TU analysiert regelmäßig, wie viel Energie sie verbraucht. Im Vergleich zum Jahr 2018 hat sie in den ersten neun Monaten dieses Jahres 22 Prozent Wärmeenergie eingespart. „Die heizintensiven Monate Oktober, November und Dezember fehlen zwar noch, aber es sieht erstmal gut aus“, sagt Prost.

Falls die Hochschulen dieses Ziel nicht erreichen, gibt es keine Konsequenzen. Aber allein aus finanziellen Gründen habe die TU Interesse daran, so viel Energie wie möglich zu sparen. Falls Strom und Gas knapp werden würden, befürchten Expert:innen starke Turbulenzen an den Märkten, sodass beides im schlimmsten Fall unbezahlbar wird. Prost macht deutlich, dass im Moment niemand davon ausgehe. Die TU versuche trotzdem, diese Situation zu vermeiden. Außerdem gehe es um den „Gedanken der Solidarität“: „Das Gas muss für alle reichen und das tut es nur, wenn man 20 Prozent einspart. Da müssen und wollen alle mitmachen“, sagt Prost.

Die TU halte laut Prost an der Präsenzlehre fest, „solange es möglich ist“. Für den Fall einer Gasmangellage habe die Universität nicht festgelegt, wie sie vorgehe. „Wenn diese Situation eintritt, gibt es viele Randparameter, die wir nicht vorhersehen können“, erklärt Prost. Deshalb würde die Universität keine Szenarien durchdenken, sondern in der Situation entscheiden.

1024-1545.jpgDas grüne Logo der TU leuchtet nicht mehr. [Foto: Lara Wantia]

Ruhr-Universität Bochum

An der Ruhr-Universität Bochum (RUB) weisen Banner mit Slogans wie „Gemeinsam -20% Energie“ auf die Energiekrise hin. Die Universität steuert viele Einstellungen zentral: Sie hat unter anderem die Temperatur gesenkt, die Flurbeleuchtung reduziert und die Außenbeleuchtung teilweise abgeschaltet. Außerdem schließt die Bibliothek zwei Stunden früher als bisher. Ab November sollen zudem keine regulären Veranstaltungen mehr im Audimax stattfinden. „Wir versuchen, Veranstaltungen in andere Gebäude oder ins Digitale auszulagern“, sagt Pressereferent Jens Wylkop.

Studierende können den Energieverbrauch der Hochschulen kaum beeinflussen, weil diese die meisten Einstellungen zentral regeln. Die Maßnahmen wirken sich aber auf die Studierenden aus. „Wenn man sich vorstellt, für eineinhalb Stunden bei 19 Grad in einem Seminarraum oder Hörsaal zu sitzen, ist es empfehlenswert, sich entsprechend warm zu kleiden“, empfiehlt Wylkop.

Für den Fall einer Mangellage habe die RUB Bereiche definiert, die sie auf jeden Fall mit Energie versorgen muss. Dazu gehört die naturwissenschaftliche und medizinische Forschung. „Da gibt es Minus-80-Grad-Kühlschränke, in denen Proben lagern. Diese Kühlschränke müssen wir weiter betreiben, sonst werden die Proben unbrauchbar“, erklärt Wylkop.

Falls die RUB nicht mehr mit genug Energie versorgt werden könne, könnte sie wieder auf Online-Lehre umsteigen. Mit Ausnahme von zum Beispiel Laborpraktika sei das bei vielen Veranstaltungen möglich. „Alles, was sich online durchführen lässt, würde man wieder umstellen.“ Im Moment zeichne sich eine solche Mangellage aber nicht ab, sodass die RUB bei ihrem Ziel bleibt: „So viel Präsenz wie möglich.“

Universität Duisburg-Essen

Die Universität Duisburg-Essen (UDE) hat unter anderem die Vorlauftemperatur der Heizanlagen gesenkt und an manchen Gebäuden die Fassadenbeleuchtung abgestellt. „Die bunten Türme in Essen liegen nachts im Dunkeln“, sagt Pressesprecher Thomas Wittek. Außerdem hat die UDE technisch nachgerüstet. In manchen Bereichen gab es bisher keine Bewegungsmelder und keine LED-Lampen. Weiter hat die Universität die Kühlung der Server im Zentrum für Medien- und Informationsdienste (ZIM) um zwei Grad erhöht.

Dabei kontrolliere die UDE regelmäßig, wie viel sie verbraucht und vergleiche die Werte mit Zahlen aus den vergangenen Jahren. Oft könne die Universität nachvollziehen, inwiefern die Maßnahmen etwas bringen.

Die UDE möchte den Studierenden im Winter ein möglichst normales Studium ermöglichen. „Wenn alles so läuft, wie wir hoffen, werden die Studierenden relativ wenige Einschränkungen spüren. Außer natürlich, dass es in Seminarräumen, Hörsälen und Laboren ein bisschen kühler ist als sonst“, erklärt Wittek. Außerdem möchte die Universität die Studierenden unterstützen. „Uns ist bewusst, dass die Studierenden gerade, was ihre Unterkunft angeht, möglicherweise Probleme bekommen, weil ihre Heizkosten deutlich steigen“, sagt Wittek. Deshalb soll es zum Beispiel in den Bibliotheken Wärmeinseln geben.

Auch auf den Fall einer Mangellage bereitet sich die UDE vor. „Wenn die Gas- und Stromversorger entscheiden müssen, wem sie zeitweise das Gas und den Strom abstellen und wen sie weiter beliefern können, müssen wir eventuell über weitere Maßnahmen nachdenken“, sagt Wittek. Dazu gehöre, möglicherweise ganze Gebäude zu schließen und bestimmte Anlagen zeitweise nicht zu betreiben. Die Maßnahmen würden laut Wittek aber von der konkreten Situation abhängen. Im Moment gehe niemand davon aus, dass es so weit kommt.

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