Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

SCHWERPUNKT

Ob links oder rechts, ist doch alles egal

(Symbolbild: Eine Sammlung von Magazinen. Foto: seg)

17.09.2018 12:42 - Julia Segantini

Ein Kommentar von Julia Segantini

Anfang Juli begann mein Praktikum beim Rock Hard, eines der wichtigsten Magazine für Hardrock und Metal in Deutschland. Vorbehalte hatte ich von vornherein, denn das Rock Hard nimmt gerne mal die Böhsen Onkelz auf die Titelseite und berichtet vermeintlich neutral über Bands, die eine Nähe zur rechten Szene pflegen. Mein Gedanke: Wenn ich dort ein Praktikum mache, bekomme ich vielleicht mit, wie die Redaktion darüber diskutiert. Gute Idee. Schade, dass es nicht geklappt hat.

In meinem Büro sitze ich mit einer Kollegin, manchmal kommt eine 450 Euro-Kraft dazu. Ein Kollege kommt herein, um Dinge zu besprechen. Dabei äußert er seinen Unmut über die Böhsen Onkelz. Onkelz-Fans sind das hier also nicht. Ich spreche ihn darauf an. „Naja, ich finde die musikalisch irrelevant“, meint er, aber da wären schon Schlimmere auf dem Cover gewesen und man müsse ja nicht mit den Inhalten des Magazins übereinstimmen. Mit dem Argument „Schlimmer geht immer“ eine Onkelz-Titelstory rechtfertigen. Feige.

Ob darüber diskutiert wird, kann ich nicht sagen. Für mich entsteht der Eindruck eines stillen Konsens. Dabei gäbe es einiges zu besprechen. Zum Beispiel, warum es mehrere Interviews mit Frei.Wild in diesem Magazin gibt. Diese werden fast immer vom gleichen Redakteur geführt und auch die Onkelz haben einen Stamm-Onkel (hehe).

Dabei singen Frei.Wild in Südtirol: „wir tragen deine Fahne, denn du bist das schönste Land der Welt, Südtirol / sind stolze Söhne von dir, unser Heimatland, wir geben dich nie mehr her / Südtirol, deinen Brüdern entrissen, schreit’s hinaus, dass es alle wissen / Südtirol, du bist noch nicht verloren, in der Hölle sollen deine Feinde schmor’n / […] / Kurz gesagt, ich dulde keine Kritik an diesem heiligen Land, das unsre Heimat ist“. Die Band bewegt sich am rechten Rand und überschreitet ihn. Dem Stamm-Schreiber ist das egal und die Redaktion lässt ihn gewähren.

Die Band Rise Against hingegen, die sich unter anderem mit Homophobie und Rassismus auseinandersetzt, wird im Rock Hard unter anderem vom Frei.Wild-Stamm-Redakteur positiv behandelt. Soll das politische Neutralität, nach dem Motto „wir sind so tolerant” sein? Nein, das ist eine möglichst breite Leser*innenschaft und hohe Verkaufszahlen erreichen wollen.

Der Frei.Wild-Schreiber schreibt in der Album-Review zu Rise Against: „Man muss speziell mit der politischen Agenda des Quartetts nicht übereinstimmen, und man kann kontinuierlich die für den immensen kommerziellen Erfolg nötigen Plattformen und die dazugehörigen Begleiterscheinungen diskutieren.“ Übersetzung: Deren linke Inhalte finde ich blöd, aber die Mucke ist geil.

In der Frei.Wild-Rezension zu „Rivalen und Rebellen“ bedauert er dann, dass politisch „mittig“ orientierte Bands – so formuliert er selbst mit Anführungszeichen – nicht neutral besprochen werden könnten. Schuld daran seien Menschen, die „die größte Medien- und Political-Correctness-Maschine hinter sich wissen“. Und dann schreibt er eben doch eine solche Rezension in einem der wichtigsten Musikmagazine Deutschlands. Um es mal plump auszudrücken: Der Typ steht auf Frei.Wild, gibt Rise Against aber – trotz linker Themen – ebenfalls acht von zehn Punkten. Ihm und dem Rock Hard ist es völlig egal, worum es inhaltlich geht. Hauptsache, es hört sich musikalisch gut an.

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