Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

SCHWERPUNKT

Mehr als „nur“ antriebslos: Studieren mit psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen sind nicht “bloß” ein Symptom. [Symbolbild: Lena Janßen]

30.09.2019 14:30 - Lena Janßen

Antriebslosigkeit, Selbstzweifel und zerstörerische Gedanken. Kira* und Steffi* studieren an der Universität Duisburg-Essen (UDE) und sind psychisch erkrankt. Jeden Tag kämpfen sie sich mit ihren Symptomen durchs Studium. 53 Prozent der Studierenden, die eine Krankheit haben, die ihnen das Studieren erschwert, sind von einer psychischen Erkrankung betroffen. Kira und Steffi erzählen ihre Geschichte: Wie schaffen sie es durchs Studium, was lässt sie zweifeln? Haben sie sich Hilfe gesucht? Und sehen sie Chancengleichheit für sich und andere Betroffene?

Kira* ist 19 Jahre alt und studiert an der Universität Duisburg-Essen im dritten Semester Biologie und Englisch auf Lehramt. Nebenbei geht sie arbeiten. Sie beschäftigt sich gerne mit ihren Pflanzen, hat zu Hause einen kleinen Garten. Darin findet sie Ruhe. In ihrer Wohnung steht eine PlayStation 4, auf der sie The Witcher 3 zockt. Zu Kiras Leben gehören Depressionen, Magersucht und eine Angststörung. Diese Krankheiten begleiten sie seit dem vierzehnten Lebensjahr durch ihren Alltag. Als Teenagerin machte sie sich kaum Gedanken darüber: „Ich hatte viele Probleme mit meinen Eltern und mir. Ich hatte keine Lust auf Psychologen.“

Damals dominierte ihre Magersucht: Sie zählte Kalorien, nahm 15 Kilo ab: „Ich fand 200 Kalorien am Tag schon zu viel und habe den ganzen Tag nur daran gedacht, was ich essen darf.“ Sie wog sich zwischen zehn und zwanzig Mal am Tag. Oft stand sie vor dem Spiegel und verglich sich mit anderen: „Ich dachte andauernd, dass ich zu dick, zu laut und zu groß bin.“ Ihre Angststörung machte sich durch Panik vor Krankheiten bemerkbar: „Ich denke oft, ich könnte ein Aneurysma, HIV oder Krebs haben. Also wirklich schlimme Sachen.“ Wenn ihre Angst hochkommt, verbringt sie viel Zeit am PC und googelt Symptome: „Dann frage ich mich: Habe ich diese Symptome? Muss ich zum Arzt? Was passiert mit meinem Leben?“

Angst vor großen Aufgaben

Auf ihr Studium wirken sich die Erkrankungen von Beginn an aus. Im Verlauf des Semesters stößt sie immer wieder an ihre Belastungsgrenzen: „Man hängt einfach zwischen der Anfangsspannung, neue Menschen kennenzulernen, und der Aussicht auf Semesterferien. Das bereitet mir Schwierigkeiten.“ Die Klausurenphase macht ihr weniger Probleme, denn in dieser Zeit kann sie sich von ihren depressiven Gedanken ablenken. Vor allem im Winter, wenn die Tage kürzer und dunkler werden, hilft es ihr, zu lernen. Zwar kann sie sich dafür ohne Schwierigkeiten motivieren, doch auch in dieser Zeit begleiten sie negative Gedanken.

Vermehrtes Grübeln ist ein häufiges Symptom bei psychischen Erkrankungen, das auch bei Kira immer wieder auftritt. „Es ist dann so, dass ich anfange, nachzudenken, und die Lust verliere, gerade was das Studium betrifft. Dann frage ich mich: Schaffe ich das? Ist das überhaupt etwas für mich?“ Sie wird von Selbstzweifeln geplagt und auch ihre Angststörung nimmt wieder mehr Raum ein: „Es gab schon Zeiten, in denen ich wochenlang nicht in die Uni gegangen bin, weil ich mir eingebildet hatte, krank gewesen zu sein. Das ist wie ein Teufelskreis.“ In diesen Phasen hilft ihr nicht nur ihr Freund, mit dem sie über ihre Erkrankungen spricht: „Ich komme runter, indem ich mir sage, dass ich nach einer Woche zum Arzt gehe, wenn Symptome auftreten. Wenn keine auftreten, dann habe ich auch nichts.“

Magersucht: Forschung an der genetischen Krankheit macht Fortschritte

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Auch Steffi* ist an einer Depression erkrankt. Sie ist 25 Jahre alt und studiert an der UDE Physik im Master. In ihrer Freizeit trifft sie sich mit Freund*innen zu Brettspieltagen. Generell daddelt sie gerne am Computer, spielt zum Beispiel Ingress. Sie bekam ihre Diagnose während des Studiums. Lange Zeit versuchte sie, ihre Krankheit vor Freund*innen zu verbergen, empfand freundschaftliche Unternehmungen als Last: „Als ich die Erkrankung noch nicht akzeptiert hatte, habe ich versucht, meine Maske nicht zu verlieren.“

Sie hatte Angst, sie könnte für ihre Mitmenschen zu einer Belastung werden. Vor allem beim Smalltalk verstellte sie sich. Steffis Depression äußerte sich hauptsächlich durch Antriebslosigkeit, Angst vor großen Aufgaben und Prokrastination: „Ich merkte, dass ich immer weniger schaffte, mich nicht mehr aufraffen konnte. Ich habe stressige Situationen gemieden, in denen die Gefahr zu Versagen groß war.“

53 Prozent durch Psyche beeinträchtigt

Sie verkroch sich, verließ ihre Wohnung nicht mehr: „Ich habe damals angefangen, Übungsaufgaben nur abzuschreiben. Klausuren habe ich ab dem vierten Semester häufig geschoben.“ Regelmäßig zu den Vorlesungen zu gehen, fiel ihr schwer. Doch die Veranstaltungen an der Universität gaben ihr zumindest etwas Struktur: „An Termine konnte ich mich halten, doch alles, was mit Selbstorganisation zu tun hatte, war schwierig.“

Selbstorganisation ist eine von vielen Anforderungen der Universität an Studierende. Ihre eigenen Kapazitäten einzuschätzen, macht Steffi zu schaffen: „Die Prüfungsphase ist anstrengend für mich. Vor allem, wenn ich alleine bin und viele über die Ferien nicht da sind. Ich schaue dann den ganzen Tag Serien. Grübeln und Nachdenken versuche ich dadurch zu verhindern. Das ist meine Ablenkmethode.“ Sie lässt sich berieseln und schafft es dadurch, nicht so auf ihre Gefühlswelt zu achten. Im siebten Semester suchte sie sich professionelle Hilfe und ging in eine psychiatrische Klinik. Dort riet man ihr davon ab, weiter zu studieren: „Tatsächlich musste ich die Therapeuten davon überzeugen, dass ich mein Studium weiterführen wollte. Sie haben es nicht offen gesagt, aber impliziert. Die haben sich gefragt, ob ich den Stress noch aushalte.“

Zusätzlich zu ihrer Erkrankung und der Belastung im Studium bekam sie Druck von ihrem Vater: „Er weiß, dass ich depressiv bin, aber ich glaube, dass er bis heute nicht ganz verstanden hat, was das bedeutet. Ich glaube, er denkt, dass das eine Auszeit war und alles wieder normal ist. Aber das stimmt nicht.“

Dieses Unverständnis belastet sie täglich. Kira und Steffi gehören zu den elf Prozent der Studierenden in Deutschland, die so krank sind, dass studieren für sie zur Qual wird. Dies geht aus der aktuellen Studie „beeinträchtigt studieren – best 2.“ des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und des Deutschen Studentenwerkes (DSW) aus den Jahren 2016 und 2017 hervor. Die Studie befasst sich mit den Schwierigkeiten im Studium, die auch Kira und Steffi kennen: Selbstorganisation, fehlende Anwesenheit in Veranstaltungen oder Aufschiebeverhalten. Laut Selbsteinschätzung der über 20.000 Befragten wirken sich psychische Erkrankungen bei 53 Prozent von ihnen auf das Studium aus.

Zu den größten Problemen zählen Prüfungen, Hausarbeiten und Abgabefristen. Hinzu kommt die Angst vor Ablehnung und Stigmatisierung, die die Kontaktaufnahme zu Lehrenden, einer Beratungsstelle oder den Kommiliton*innen erschweren kann. Kiras Erfahrungen bestätigen das: „Leute mit einer psychischen Erkrankung haben eine Hemmschwelle, offen darüber zu sprechen. Da entstehen Berührungsängste.“

Steffi versucht trotzdem, offen mit ihrer Depression umzugehen: „Ich versuche, sie nicht zu verstecken, da es eine Krankheit und keine Schwäche ist.“ Laut „best 2“ kann eine Verheimlichung der Erkrankung und Isolation zu einer Verstärkung der Probleme bei Betroffenen führen. Dazu können zum Beispiel der Verlust einer Lerngruppe oder ein Ausschluss aus dem universitären Freundeskreis gehören. Hier könnten Aufklärung und mehr Sichtbarkeit Abhilfe schaffen.

Hier findet Ihr Hilfe an der UDE:

Beratungsstelle zur Inklusion bei Behinderung und chronischer Erkrankung

Tel.: 0203/ 2033792396
Mail: abz.handicap@uni-due.de
Web: Inklusionsportal

Psychologische Beratung für Studierende

Terminanfragen sind nur per Mail möglich, z. B. bei Herrn Interbieten:

thomas.interbieten@uni-due.de

Weitere Informationen zu Einzelberatung oder Gruppenangeboten findet ihr unter: Psychologische Beratung

Größere Sichtbarkeit wünschen sich Kira und Steffi aber auch von den Beratungsstellen der UDE in Essen und Duisburg. Beide wissen zwar, dass es eine psychologische Beratung gibt, haben diese aber nicht in Anspruch genommen. „Ich habe mal von einer Kommilitonin gehört, die da war. Aber ich habe nie Flyer gesehen oder online einen Hinweis bekommen. Von daher bin ich auch nicht auf die Idee gekommen, dass man sich da beraten lassen könnte“, erklärt Kira. Das sieht Steffi auch so: „Wer nicht aktiv sucht, bekommt nichts mit.“

Beide Frauen haben sich außerhalb der Uni nach Hilfe umgesehen. Aufgrund der langen Wartezeiten wäre Kira schon vorher zu einer Beratung an der Universität gegangen: „Als es mir sehr schlecht ging, hätte ich es mir angeschaut, um an Informationen zum Nachteilsausgleich zu kommen zum Beispiel.“

Fehlende Präsenz am Campus?

Doch welche Beratungsmöglichkeiten haben Studierende der UDE? Daniela de Wall-Kaplan arbeitet in der Beratungsstelle zur Inklusion bei Behinderung und chronischer Erkrankung. Sie berät psychisch erkrankte Studierende beim Nachteilsausgleich: „Er ist dazu da, den Nachteil, den Studierende durch eine chronische Erkrankung oder Behinderung haben, auszugleichen.“

Jeder Fall wird dabei individuell betrachtet. So erklärt sie, dass es zum Beispiel möglich sei, bei hoher Ablenkung in einer Klausur mit 400 Kommiliton*innen die Prüfung in einem separaten Raum zu schreiben. Der Nachteilsausgleich wird beim Prüfungsamt unter Vorlage von Attesten und einem formlosen Antrag eingereicht. „Das ist zum Glück kein mehrseitiger Antrag und höchst komplizierter Papierkram“, berichtet de Wall-Kaplan. Vielen Betroffenen fehlt die Kraft und Konzentration, sich mit Anträgen und Formularen auseinanderzusetzen.

In ihrer Beratung stellt De Wall-Kaplan bei Bedarf auch Kontakt zur psychologischen Beratungsstelle der Uni her. Beide Stellen gehören zum Akademischen Beratungs-Zentrum Studium und Beruf (ABZ) der UDE, sie sind also gut miteinander vernetzt. Psychologe Thomas Interbieten arbeitet in der psychologischen Beratungsstelle. „Es kann sein, dass Studierende mit einem Problem mal irgendwo anders auflaufen. Wir können aber schnell an entsprechende Mitarbeiter verweisen oder auch untereinander Fälle besprechen“, beschreibt er die Zusammenarbeit.

Er sieht in der Präsenz der Beratungsstellen an den Campussen kein Problem: „Wir machen uns immer Gedanken darüber, wo wir mit unseren Angeboten publik sein können. Unsere Webseiten haben wir in den letzten zwei Jahren gründlich überarbeitet, damit Informationen gut zu finden sind.“ Er sagt, dass er und seine Kolleg*innen in Infoveranstaltungen der Erstsemester auf Beratungsmöglichkeiten aufmerksam machen.

Interbietens Aufgabe ist aber nicht, Diagnosen zu stellen. Die Beratungsstelle soll den Studierenden helfen, in ihrem Studium voranzukommen: „Wir behandeln keine psychischen Erkrankungen. Trotzdem kommen viele Menschen mit psychischen Schwierigkeiten zu uns in die Beratungsstelle und da versuchen wir mit unseren Möglichkeiten, weiterzuhelfen. Aber wir haben auch Grenzen in der Beratung.“ Stellt Interbieten fest, dass eine psychische Erkrankung manifest ist, verweist er die Betroffenen zum Beispiel an die Psychotherapeutenkammer.

Der Gesprächsbedarf in der Beratungsstelle ist hoch. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten versucht das Team, das Bestmögliche für die Studierenden herauszuholen: „Wir versuchen, mit wenig zeitlichem Aufwand etwas zu erreichen“, sagt Interbieten. Studierende kommen mit den unterschiedlichsten Problemen in die Sprechstunden: Prüfungsangst, Aufschiebeverhalten, Prokrastination, Orientierungsprobleme. Bei akuten Problemen wie Niedergeschlagenheit, einem Todesfall in der Familie oder einer Trennung hilft die Beratung auch weiter.

Chancengleichheit erreichbar?

Sowohl de Wall-Kaplan als auch Interbieten haben in den letzten Jahren einen Anstieg beim Beratungsbedarf festgestellt. Das bestätigen die Zahlen der „best 2“ – Studie: „Im Vergleich zu 2011 ist der Anteil der Studierenden, die angeben, durch eine psychische Erkrankung im Studium behindert zu werden, deutlich von 45 Prozent auf 53 Prozent gestiegen.“

Weil der Leistungsdruck an Universitäten immer höher wird, steigt bei Studierenden mit psychischer Erkrankung auch der Leidensdruck. Dabei kann für Betroffene der Zugang zum Studienabschluss erschwert werden. Prof. Dr. Barbara Buchenau, Gleichstellungsbeauftragte der UDE, sagt: „Beispielsweise Prokrastination, eine mangelnde Integration in das Akademische oder eine ausgewiesene Prüfungsangst verringern die Wahrscheinlichkeit, einen Abschluss zu erlangen.“ So ist es auch bei Steffi. Sie hat mit Prüfungsangst zu kämpfen und verschob in der Vergangenheit immer wieder Prüfungen. Wenn sie eine Prüfung hingegen anging, gab es für sie Hindernisse zu überwinden: „Ich konnte schlecht lernen, hatte Versagensängste. Zu meinem unzureichenden Wissen kamen noch Blackouts hinzu.“

Daraus resultierten für Steffi schlechte Noten: „Das hat die Spirale weiter abwärts getrieben.“ Chancengleichheit für betroffene Studierende ist ein wichtiger Aspekt. Bestehen gleiche Aufstiegs- und Ausbildungschancen im Studium? De Wall-Kaplan sieht Chancengleichheit durch den Nachteilsausgleich bereits gegeben: „Wenn wirklich chronische Erkrankungen da sind, würde ich sagen, besteht die Möglichkeit für die Studierenden, gleiche Chancen zu erreichen. Dafür ist das Instrument da, dass der Nachteil ausgeglichen wird und wir wieder bei einer Chancengleichheit sind.“ Buchenau steht der Aussage von De Wall-Kaplan skeptisch gegenüber: „Es ist ein unglaublich ambitioniertes, großes Ziel, Chancengleichheit herzustellen. Unsere Zahlen – und das sind Zahlen aus dem gesamten Ruhrgebiet – zeigen, dass psychische Erkrankungen es schwierig machen.“

Kira sieht als Betroffene keine Chancengleichheit: „An der Uni interessiert es niemanden, ob ich eine Grippe oder eine Depression habe. Eine Grippe geht schneller wieder vorbei, eine Depression nicht.“ Sie schafft ihr Studium zwar, empfindet es aber auch als Last: „Menschen, die eine schwere und akute depressive Phase haben, haben einfach größere Probleme, zu studieren.“ Ihr fehlt die Rücksichtnahme auf Betroffene an der Uni. Steffi sieht durch den Nachteilsausgleich eine Chancengleichheit zumindest teilweise gegeben: „Ich glaube nicht, dass die Chancen gleich sind. Aber dafür ist der Ausgleich da.“ Doch trotz des Ausgleiches sieht sie auch Hürden: „Man muss den Nachteilsausgleich aber einholen und da müssen Betroffene alleine durch. Das ist schwierig.“

Buchenau weiß, dass in vielen Bereichen Verbesserungsbedarf besteht, wie zum Beispiel in der Prüfungsorganisation: „Das ist ein Element, an dem dringend gearbeitet werden muss. Denn meist ist die Angst vor der eigentlichen Prüfung viel relevanter, als die Angst vor dem Ergebnis.“ Aktuell arbeitet die UDE an einer Erhebung, die zeigen soll, wo beispielsweise Schwierigkeiten bei Prüfungsangst liegen und wie man gezielt dagegen vorgehen kann. Chancengleichheit würde Buchenau toll finden: „Aber wir wissen, dass das ein dickes Brett ist.“

Kira und Steffi haben durch die Hilfe von Psychotherapie einige Probleme besser in den Griff bekommen, doch sie verschwinden nicht von heute auf morgen. Steffi macht eine Therapie und weiß ihre Kapazitäten besser einzuschätzen. Sie ist froh, den Schritt in die Klinik gewagt zu haben und trotz der Beeinträchtigung durch die Depression das Studium durchzuziehen: „Ich bin deutlich offener, weiß besser, was ich mir zutrauen kann. Ich habe mitten im Semester gesagt: ‘Okay, du hast zu viele Kurse gewählt, du nimmst jetzt weniger.’“

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Eine psychische Erkrankung macht das Studieren schwer. [Symbolbild: pixabay]

Sie möchte sich selbst weniger Druck und dadurch kleinere Schritte nach vorne machen. Und sie will stabil bleiben. Sie würde sich wünschen, dass das Stigma um psychische Erkrankungen aufgebrochen wird: „Es ist genau so eine Krankheit,wie jede körperliche, die man sehen kann.“ Die Leichtfertigkeit, mit der Menschen Betroffene stigmatisieren, macht sie wütend: „Das verhindert effektiv, dass Betroffene mit eh schon nicht vorhandenem Selbstwertgefühl sich öffnen und sich Hilfe holen.“

Würde sie jemandem mit einer psychischen Erkrankung vom Studieren abraten? „Nein, gar nicht. Man sollte das wagen. Dann brauchst du halt deine zwei Jahre länger. Man macht sich selber zu viel Druck, denkt man muss mit 25 aus der Uni raus sein und am besten mit 30 einen Doktortitel haben. Aber wir sind noch so jung.“ Kira befindet sich zur Zeit nicht in psychotherapeutischer Behandlung. Ihr hilft es, sich ihr Ziel vor Augen zu führen: „Dass ich weiß: In sieben Semestern bin ich mal Lehrerin. Das gibt mir Hoffnung.“ Sie möchte anderen Betroffenen Mut machen ein Studium zu beginnen: „Man sollte es versuchen, denn ich glaube man kann es schaffen.“

*Namen zur Anonymisierung von der Redaktion geändert

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