Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

SCHWERPUNKT

Kein Nebenjob mehr – Was nun?

Geldsorgen [Foto: Lena Janßen]
14.05.2021 17:07 - Lena Janßen

Durch den langanhaltenden Lockdown haben viele Studierende ihren Nebenjob verloren. Kellnern, an der Kinokasse Popcorn verkaufen oder im Fußballstadion Bier zapfen – das ist aktuell nicht möglich. Welche Folgen das hat und welche Optionen Studierenden jetzt offenstehen.

Verkürzung der Arbeitszeit, Entlassung oder unbezahlte Freistellung: So sieht die Realität vieler Studierender seit März 2020 aus. Karsten Becker und Markus Lörz vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) haben sich in der Studie „Studieren während der Corona-Pandemie“ mit den Folgen des Jobverlustes für Studierende beschäftigt. „Für knapp 40 Prozent der erwerbstätigen Studierenden hat sich die Erwerbssituation durch die Pandemie erschwert – dies entspricht einem Anteil von 21 Prozent aller Studierenden“, heißt es in den Ergebnissen von Becker und Lörz. 

Überbrückungshilfe - Überbrückt, hilft aber wenig

Die Überbrückungshilfe soll Studierenden die Möglichkeit geben, sich über Wasser zu halten. Fritz* hat seine Erfahrung damit geteilt.
 

Auch Harald Kaßen und Melanie Wessel vom Studierendenwerk der Universität Duisburg-Essen (UDE) bemerken einen Anstieg der Anfragen zur Studienfinanzierung: „Die Beratungskontakte sind im Jahr 2020 um 46 Prozent mit Blick auf das Vorjahr 2019 gestiegen.“ Von den Studierendenwerken in Nordrhein-Westfalen wurden seit Juni 2020 bis zum heutigen Zeitpunkt 125.500 Anträge auf Überbrückungshilfen bearbeitet, berichten sie. Die AStA-Vorsitzenden Sarah Lück und Aylin Kilic bestätigen ebenfalls eine Zunahme der an den AStA gestellten Härtefallanträge: „Im letzten Haushaltsjahr wurden über 800 Anträge angenommen. Die Studierenden schildern in ihren Anträgen die belastende Situation, die ein Jobverlust mit sich bringt, und wie ihr Studium darunter leidet.“

Hinzu kommt, dass nicht nur Studierende vermehrt in finanzielle Notlagen kommen: „Bei knapp einem Viertel (23 Prozent) der Befragten hat sich die Einkommenssituation der Eltern eher verschlechtert und bei weiteren 9 Prozent deutlich verschlechtert“, so die Studie von Becker und Lörz. Dadurch fällt eine weitere Finanzierungsquelle weg. 

Steigende psychische Belastung

Kaßen und Wessel registrieren zusätzlich zur finanziellen Not vieler Studierender ein weiteres Problem: „Laut einer Studie der UDE und der Deutschen Gesellschaft für psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie leiden besonders junge Menschen unter den Auswirkungen der Pandemie. Von den 18- bis 24-Jährigen gaben 67 Prozent an, dass sie in der Corona-Zeit psychisch besonders belastet seien.“ Dieses Studienergebnis trifft ihrer Meinung nach zu: Neben den akuten Geldsorgen werden auch die soziale Isolation und das Gefühl der Einsamkeit ein zunehmendes Problem. 

Lück und Kilic sehen neben der Belastung durch die Isolation auch Schwierigkeiten in der fehlenden technischen Ausstattung und ungeeigneten Arbeitsplätzen: „Das erhöht die Frustration zusätzlich.“ Kaßen und Wessel fügen hinzu, dass das Studium nicht nur eine Vermittlung fachlicher Inhalte und Wissenschaft darstellt, sondern auch eine Art Übergangsphase zum Erwachsenen-Ich ist, in der wichtige Schritte in der Persönlichkeitsentwicklung gemacht werden. Doch „statt klassischem Studierendenleben steht Lockdown auf dem Tagesprogramm“.

Weg aus der Not?

Die Studie von Becker und Lörz zeigt, dass Studierende bei finanziellen Engpässen durch die Corona-Krise eher auf Erspartes, die Unterstützung der Eltern oder weitere eigene Erwerbstätigkeit zurückgreifen. „Demgegenüber werden beispielsweise die Aktualisierung des BAföG, der KfW-Studienkredit oder die Zuschüsse im Rahmen der Überbrückungshilfe in pandemiebedingten Notlagen von den Studierenden deutlich seltener als Quelle zur Überbrückung finanzieller Engpässe angegeben“, heißt es dort. 

Hilfestellung Studierendenwerk:

Offene Sprechstunde per Video oder Telefon jeden Donnerstag von 11 bis 13 Uhr
Informationen zur Kontaktaufnahme: www.stw-edu.de/beratung/kontakt

Kaßen und Wessel raten Studierenden dazu, weiterhin nach Jobangeboten zu suchen: „Zwar sind in vielen Branchen Tätigkeiten weggefallen, dafür boomen andere Zweige.“ Sie warnen davor, vorschnell einen Kredit aufzunehmen: „Es sollte immer gut geprüft werden, ob keine anderen Finanzierungsquellen wie BAföG möglich sind. Hier können Studierende gerne in unsere Beratung kommen und wir erarbeiten ein tragfähiges Finanzierungskonzept.“

Lück und Kilic vom AStA kritisieren vor allem die mangelnde Hilfestellung seitens der Politik: „Die Überbrückungshilfe fällt zu gering aus und zu wenige Studierende können überhaupt davon profitieren. Die Bundesministerin für Forschung und Bildung Anja Karliczek trifft sich nicht mit Studierendenvertreter:innen und zeigt auch sonst kein Interesse an der Situation der Studierenden.“ Sie fordern eine angemessene finanzielle Unterstützung, die Studierenden langfristig helfen kann.

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