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Digital durchs Studium: Wie fortschrittlich ist die UDE?

 Digitalisierung kann das Studium einfacher machen.
[Fotos: Jacqueline Brinkwirth]

12.08.2019 14:12 - Jacqueline Brinkwirth

Digital durchs Studium: Wie fortschrittlich ist die UDE?
Obwohl Lehrveranstaltungen, Prüfungsanmeldung und Notenverwaltung zunehmend weniger analog werden, gibt es auf dem Weg der Digitalisierung noch einige Hürden, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Denn auch die beste Strategie ist nur so umsetzbar, wie es Ressourcen, Personal und Infrastruktur erlauben. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und fragen: Wie fortschrittlich ist die UDE wirklich?

Essen. Ich sitze am Schreibtisch und schaue nach, ob ich alle Leistungen beisammen habe, um endlich meine Masterarbeit anmelden zu können. Zwei, drei Klicks und die Eingabe meiner Uni-Kennung später zeigt mir das Verwaltungsprogramm HISinONE alle erbrachten Leistungen inklusive Noten an. Nur ein Beispiel, wie Digitalisierung meinen Alltag vereinfacht. Denn – und das ist eine zunehmend spürbare Entwicklung – Digitalisierung berührt mittlerweile beinahe jeden Aspekt des alltäglichen Lebens. Das ist auch an deutschen Hochschulen nicht anders. Betrachtet man den Alltag vieler Studierender, so wird schnell deutlich, dass Leben und Studium ohne digitale Tools wie WLAN, das Smartphone und den Laptop so gut wie unmöglich sind. Nicht nur die Vernetzung ist fast ausschließlich digital geworden, auch Forschung und Lehre stützen sich zu großen Teilen auf nicht-analoge Hilfsmittel und Datenbanken.

„Wir können durch digitale Tools verschiedene Wege anbieten, wie man lernt, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen.“

Die Universität Duisburg-Essen (UDE) hat dafür eigens eine Digitalisierungsstrategie entwickelt, um die Hochschule in diesem Bereich zu fördern und auszubauen. „Bis 2017 gab es eine E-Learning-Strategie, mittlerweile denken wir das Thema mit der neuen Digitalisierungsstrategie noch breiter“, erklärt Prof. Dr. Isabell van Ackeren. Sie ist Prorektorin im Bereich Studium und Lehre und in diesem Kontext verantwortlich für die Digitalisierungsstrategie. Im Vergleich zu anderen Universitäten und Hochschulen sei die UDE in diesem Feld schon deutlich weiter als viele andere: „Es gibt tatsächlich gar nicht so viele Universitäten, die eine Digitalisierungsstrategie haben. Das kommt jetzt erst nach und nach.“ Doch was bedeutet das überhaupt?

„Eine Strategie ist ja erstmal abstrakt formuliert: Wo möchte die Hochschule insgesamt hin? Grundsätzlich war uns wichtig, dass die Strategie auch zum Profil der UDE als offene Universität passt. Wir legen Wert auf Möglichkeiten, das Studium zu flexibilisieren und das Lehren und Lernen durch E-Learning-Elemente anzureichern.“ Aus diesem Grund gibt es an der UDE einen E-Learning-Lenkungskreis, der sich aus unterschiedlichen Akteuren aus der Bibliothek, aus dem Zentrum für Informations- und Mediendienste (ZIM), der Verwaltung und den Lehrstühlen zusammensetzt und der Prorektorin beratend zur Seite steht, damit die Strategie in der Praxis auch umsetzbar ist.

Kein studium digitale

Um das Studium mobiler zu machen, spielen in der Lehre digitale Tools wie die Plattform Moodle eine zunehmend zentrale Rolle. Dort können Lehrende beispielsweise Sitzungsunterlagen hochladen, die sich Studierende online zur Vor- oder Nachbereitung von Veranstaltungen anschauen können. Und obwohl ein Fokus der Digitalisierungsstrategie der Einsatz solcher Tools ist, soll bei aller Flexibilität das Studium vor Ort nicht aus den Augen verloren werden, betont van Ackeren: „Wir sind keine Fernuniversität, sondern weiterhin eine Präsenzuniversität, in der sich Menschen begegnen und in der wir über digitale Tools den Austausch zusätzlich befördern, aber gleichzeitig auch berücksichtigen, dass Studierende abseits des Studiums andere Aufgaben im Leben haben können.“ Ein Studium soll also auch möglich sein, wenn Studierende beispielsweise nebenbei berufstätig sind, Kinder betreuen oder Verwandte pflegen.

Ein weiterer Punkt der Strategie ist, die Qualität des Lernens zu verbessern. „Ich denke nicht, dass man sagen kann, dass der Einsatz digitaler Tools automatisch zu besserem Lernen und Lernergebnissen führt, aber wir können dadurch verschiedene Wege anbieten, wie man lernt, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und wie man sich vertieft“, beschreibt Prof. Dr. van Ackeren.

Digital durch den Uni-Alltag

Beim Umsetzen der Strategie steht die Hochschule jedoch häufig auch vor Herausforderungen, die abseits der Technik liegen. Dozierende müssen die digitalen Tools, die an der UDE angeboten werden, nämlich erst einmal innerhalb der Lehre zum Einsatz bringen: „Es ist natürlich eine Herausforderung, die Lehrenden in der Breite zu erreichen und dafür zu gewinnen, sich mit digitalen Möglichkeiten in der Lehre auseinanderzusetzen und auch kritisch zu reflektieren, ob bestimmte Veränderungen Sinn ergeben“, so Van Ackeren.

„Wir werden mit bestimmten Technologien 10 Jahre plus leben müssen.“

Elie studiert Medical Engineering an der UDE und hat sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der Umsetzung des digitalen Angebots gemacht. „In diesem Semester hatte ich drei Dozenten, die nur auf der Tafel geschrieben haben. Da gab’s keine Folien, keine Mitschrift und der Moodle-Kurs ist leer“, berichtet er. Das bereite nicht nur ihm, sondern auch seinen Mitstudierenden Schwierigkeiten für die Nachbereitung: „Man kann nicht zu jeder Veranstaltung hingehen und muss sich dann noch die Mitschriften von Anderen besorgen. Und auch wenn man zur Vorlesung kommt, ist man mit Mitschreiben beschäftigt und kann nicht richtig aufpassen.“

In anderen Kursen macht er gegenteilige Erfahrungen. „In BWL für Ingenieure sind die Folien sehr klar und dazu gibt es noch eine Folienerklärung. Da hatte ich einfach gutes Material zum Lernen. Oder bei Physik für Maschinenbau werden die Lösungen sogar als Video hochgeladen. So kann man sich alles nochmal in Ruhe anschauen“, beschreibt er. Das Problem seien seiner Ansicht nach oft die Dozierenden: „Viele Profs sind altmodisch und wollen den Saal voll haben. Deswegen machen sie die Digitalisierung nicht mit.“

Projekte besonders engagierter Lehrender in diesem Bereich fördert die Uni finanziell durch einen eigens dafür aufgelegten Innovationsfonds. Oft fehlt Dozierenden allerdings die Zeit, sich mit den digitalen Tools und Programmen auseinanderzusetzen. Deswegen hat die UDE ein Lehrforschungssemester eingerichtet, in dem Dozierende sich systematisch mit der eigenen Lehre und digitalen Lehr- und Lernmethoden beschäftigen können. Ein weiterer Aspekt, bei dem die UDE mit gutem Beispiel vorangeht. „Das gibt es in dieser Form in Deutschland noch nicht. Lehrende können das ungefähr alle vier Jahre machen und wir überlegen jetzt, wie wir das Programm auch für den wissenschaftlichen Mittelbau ausweiten können“, erklärt Prorektorin van Ackeren.

Infrastruktur ausbauen

Doch wie kommen Tools, Programme und Infrastruktur eigentlich an die Hochschule? An der UDE ist dafür das Zentrum für Informations- und Mediendienste, kurz ZIM, verantwortlich. „Wenn man die Studierenden fragt, was das ZIM eigentlich macht, ist die Standardantwort ‚Ach, das sind die WLAN-Leute‘, aber das ist tatsächlich nur ein relativ kleiner Teil von dem, was wir machen“, erklärt Sebastian Stein. Er ist selbst Studierender und kümmert sich im ZIM um die Öffentlichkeitsarbeit. Das ZIM hat insgesamt etwa 100 Mitarbeitende, die in fünf Geschäftsbereiche aufgeteilt sind. „Der Bereich, mit dem die meisten Studierenden am ehesten Kontakt haben, ist der IT-Kundenservice, da ist der E-Point mit dabei und die Servicezentrale für Medientechnik“, berichtet er.

„Die einfachste Antwort ist: Haben die ganzen Leute zuhause denn überall WLAN?“

Ein weiterer Bereich des ZIM ist die IT-Infrastruktur. Dort arbeitet Johannes Karl mit. „Wir kümmern uns um die Netzwerke und ums WLAN, also um alles, was Server betrifft. Wir machen E-Mail, das gesamte Server-Housing, auch Hardware, VPN und Telefonie liegen bei uns. Das LSF verwalten wir und auch die Uni-App MyUDE wird in unseren Händen selbstständig programmiert“, führt er aus. Alle Daten, die an der Uni verarbeitet werden, laufen früher oder später durch die Server, die das ZIM zur Verfügung stellt, betreut und verwaltet: „Wenn es das ZIM spontan nicht mehr geben würde, würde es innerhalb kürzester Zeit keine Datenverbindungen mehr geben, die funktionieren würden. Dann wäre die Uni erstmal nicht mehr arbeitsfähig, solange, bis Ersatz gefunden wäre. Da sind wir also ein sehr wichtiger Knotenpunkt.“

Datenschutz und Serversicherheit

Dafür gibt es drei Serverräume, wo alle Daten zusammenlaufen und gespeichert werden. Einer dieser Serverräume befindet sich in Essen an der Schützenbahn. „Serverräume sind meist dort verortet, wo Platz ist. Da muss natürlich die Infrastruktur drumherum gegeben sein, also eine große Stromanbindung. Die Klimatisierung muss funktionieren. Und man braucht eine datentechnische Anbindung. Hier im Serverraum kommen die Leitungen von der Telekom an, ohne die hätten wir kein Internet”, erzählt Johannes Karl, als wir zusammen den Serverraum betreten. Im Raum begrüßt uns eine Vielzahl von Schränken, Kabeln und Anzeigeleuchten. Gespräche sind schwierig, weil die Server und die kühlenden Ventilatoren extrem laut sind. Und obwohl der Raum klimatisiert sein muss, um eine Überhitzung der Server zu verhindern, ist es so warm, dass man bereits nach dem Betreten zu schwitzen anfängt.

„Eigentlich dürfen nur ZIM-Mitarbeitende die Serverräume betreten. Für Sie machen wir heute eine absolute Ausnahme”, erklärt mir Sebastian Stein. An der Schützenbahn sorgen zwei Sicherheitstüren und Schlösser an jedem Serverschrank dafür, dass niemand Unbefugtes an die dort gespeicherten Daten gelangen kann. Die wichtigsten Daten, also alle persönlichen Daten von Studierenden und Uni-Mitarbeiter*innen sowie Noten- und Prüfungsverwaltung, werden in Duisburg im sogenannten Lockport gespeichert. „Zutritt haben dort nur eine handvoll Menschen. Man muss sich vorher beim Pförtner anmelden und durch mehrere Türen eingelassen werden. Und dann gibt es eine Sicherheitsschleuse, die man nur einzeln betreten darf. Das Sicherheitssystem begrüßt die Mitarbeitenden sogar mit Namen”, berichtet Karl. Für Studierende wie mich eine sehr erleichternde Tatsache. Gelesen werden die Daten übrigens nicht: „Wir speichern lediglich. Was auf den Servern liegt, wissen nur die Personen, die die Daten auch betreffen.”

Streitthema WLAN

Obwohl das ZIM über die Server hinaus alle digitalen Bereiche der UDE verwaltet, komme am häufigsten die Frage auf, warum man an einigen Stellen auf dem Campus so schlechtes WLAN habe, erzählt Johannes Karl später. „Die einfachste Antwort ist: Haben die ganzen Leute zu Hause denn überall WLAN?“ Besonders die bautechnischen Eigenheiten der Universität wirken sich auf den Empfang aus. „Zum Beispiel muss ein Access Point an der Decke eines Raumes nicht zwingend noch über den Flur empfangbar sein. Wenn eine Wand zwischen Verteiler und Endgerät liegt und da Metall verbaut ist, das geerdet ist, dann wirkt das wie ein faradayscher Käfig und Funkwellen werden stark abgemildert.“ In einigen Räumen der Universität seien die Verteiler für das WLAN zudem einfach überlastet. Ein Ausbau wäre an dieser Stelle zwar möglich, jedoch in vielen Fällen nicht sinnvoll, so Karl. „Man kann nicht einfach unendlich viele Access Points aufbauen, weil die Infrastruktur um die Verteiler herum zu schaffen teilweise so teuer ist, dass man das nur mit einer Sanierung verbinden könnte.“

„Es ist eine Herausforderung, die Lehrenden zu motivieren, sich mit digitalen Möglichkeiten in der Lehre auseinanderzusetzen.“

Ein weiterer Aspekt, der den WLAN Empfang einschränken kann, sei das Alter des Endgeräts, erläutert Sebastian Stein. „Bei einem älteren Gerät wird die gesamte Leistung des Verteilers gedrosselt, damit das Gerät noch funktioniert. Eine Lösung wäre natürlich zu sagen, dass alle Geräte, die älter als drei Jahre sind, nicht mehr reinkommen. Aber dann hätten wir auch keine Chancengleichheit mehr.“ Denn Studierende können sich in den wenigsten Fällen alle drei Jahre einen neuen Laptop oder ein neues Smartphone leisten.

Probleme mit der Uni bezüglich des WLAN-Ausbaus gibt es kaum. Denn bei Sanierungen oder Neubauten werden die Mitarbeitenden des ZIM von Anfang an in den Aufbau der digitalen Infrastruktur eingebunden. Was nicht immer gewährleistet, dass in neuen Gebäuden auch der WLAN-Empfang wie neu funktioniert: „Manchmal ist da einfach das Problem, dass der Architekt sagt, wir dürfen die Decke nicht mit Access Points behängen. Das ist zum Beispiel im neuen Audimax der Fall. Da sind die unter den Sitzen angebracht und wenn ein Mensch darauf sitzt, ist das eine maximale Dämpfung des Signals.“

Bei allen Problemen, mit denen das ZIM täglich konfrontiert wird, zeigt sich aber auch, dass sich die Arbeit auszahlt. Denn nicht nur beim WLAN, sondern auch mit den ZIM-eigenen Services und Tools hat die UDE vielen anderen Unis etwas voraus. „Wir sind da im Vergleich zu anderen Unis schon sehr fortschrittlich. Da fragen die anderen Universitäten auch gerne mal, wie wir bestimmte Sachen gelöst haben“, erklärt Sebastian Stein. Für Herausforderungen sorge beim Ausbau der Infrastruktur vor allem die Gebäudetechnik: „Man muss im Hintergrund auch immer sehen, dass so ein öffentlicher Dienst wie die Uni einen viel längeren Innovationszyklus hat. Wir werden mit bestimmten Technologien 10 Jahre plus leben müssen.“ Die Gebäude entwickeln sich allerdings deutlich langsamer als die Technologie, die in ihnen verbaut wird. „Wir laufen im Prinzip nur hinterher“, ergänzt Johannes Karl.

UDE lehrt und lernt digital

Auf technischem Gebiet ist die UDE trotzdem schon recht weit entwickelt. Das ermöglicht auch, dass andere Bereiche der Uni funktionieren können. Dazu zählt der Bereich E-Learning. Marianne Wefelnberg kümmert sich dort als Koordinatorin um das E-Learning-Angebot. Das Angebot werde an der UDE flächendeckend genutzt, berichtet sie. „Es gibt meines Wissens keine Fakultät, an der gar kein E-Learning genutzt wird. Unterschiede ergeben sich meist in Hinblick auf die Auswahl der Tools und wie sie eingesetzt werden.“ Die Angebote, für Dozierende und Studierende gleichermaßen, seien vielfältig: „Angefangen vom Einsatz der Lernplattform Moodle über die Bereitstellung von Blogs und Wikis oder das Audio-/Videokonferenzsystem Adobe Connect. Bei Moodle gibt es wiederum verschiedene Funktionen, um beispielsweise die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Studierenden untereinander oder mit den Lehrenden zu fördern oder um multimediale Lehr- und Lernmaterialien bereitzustellen.“

Die Nutzung der digitalen Services und Tools hänge jedoch nicht immer nur von den Dozierenden ab. „Es gibt Tools wie beispielsweise das Portfoliosystem Mahara oder den Cloudspeicher Sciebo, die Studierende unabhängig von Lehrveranstaltungen nutzen können“, erklärt sie. „Insgesamt sprechen wir eher von Blended-Learning-Formaten, also von Lernangeboten, die in Präsenz angeboten werden und durch Online-Phasen beziehungsweise durch den Einsatz von digitalen Medien erweitert werden.“

Für Studierende wie Elie ist der Einsatz verschiedener Tools in allen Veranstaltungen ein Anfang, um die UDE digital noch weiter voranzubringen. „Ich muss arbeiten, die Uni ist eine Stunde von meinem Wohnort entfernt und nur weil eine Übung um 8 Uhr stattfindet, heißt das nicht, dass ich immer um 8 Uhr wach und konzentriert bin. Deshalb finde ich Erklärungen von Folien, Übungen als Text oder Video-Aufnahmen sehr nützlich.“ Mehr Flexibilität, besseres Zeitmanagement, differenziertes und multimediales Lehren und Lernen – das alles kann die Digitalisierung ermöglichen. Wie Infrastruktur und Angebot letztlich in den Alltag der UDE integriert werden, liegt allerdings bei uns analogen Menschen.

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