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SCHWERPUNKT

Anrechnungsprobleme trotz Bologna – Und nun?

Die Anrechnung von Prüfungsleistungen ist häufig ein Problem.
[Symbolfoto: pixabay]

08.07.2019 13:20 - Anna Riemen

Bei der Studienleistungsanerkennung hat der Prüfungsausschuss formal die höchste Autorität. Prof. Dr. Dietmar Osthus ist Prüfungsauschussvorsitzender für die Lehramtsfächer der Fakultät für Geisteswissenschaften. Woran es liegt, dass viele Studierende bei Hochschulwechseln Probleme bekommen, wenn es darum geht, Studienleistungen anrechnen zu lassen, hat er akduell-Redakteurin Anna Riemen erklärt.

ak[due]ll: Was ist Ihre Rolle bei Anrechnungs- und Anerkennungsfragen von Studienleistungen?:

Osthus: Ich bin Prüfungsauschussvorsitzender, bin aber auch selbst in der Romanistik tätig. Ich selbst habe, was konkrete Anerkennungen angeht, vor allem mit den Linguistikveranstaltungen im Französischen zu tun. Zwar haben Prüfungsausschüsse formal die Oberhoheit. Aber die eigentlichen Prozesse der Anerkennung laufen in den jeweiligen Fächern. Kustos und Kustodinnen schauen dann etwa, ob die Einschreibung in einen Master problemlos möglich ist. Das läuft im Prinzip abgekoppelt von meiner Verantwortung und kommt nur dann auf meinen Schreibtisch, wenn es Unklarheiten, Rückfragen oder Widersprüche gibt.

ak[due]ll: Wie kommt es trotz landesweiter Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen dazu, dass die Aufteilung von Lehrinhalten innerhalb der Module an jeder Uni anders zu laufen scheint?

Osthus: Das liegt daran, dass mit der Modularisierung der Lehramtsstudiengänge, mit der Einführung des Bachelor-Master-Systems, im Grunde allen Universitäten gesagt wurde, „ihr dürft das Rad jeweils neu erfinden“. Wir hatten vorher in den Staatsexamenstudiengängen im Prinzip staatliche Vorgaben der Studienstruktur. Das heißt, zwei Studenten, die auf Staatsexamen studierten, einer in Köln, einer in Essen, studierten den gleichen Studienplan.

ak[due]ll: Aber war nicht Vereinheitlichung der Sinn hinter der Einführung von Bachelor und Master?

Osthus: Ja, der Rahmen sah so aus, dass es eine gemeinsame Währung gab, die Credit Points. Aber wir haben nun eine Vielfalt von Studiengängen, die weitaus größer ist als die, die wir vorher hatten. Das heißt, jede Universität hat dann immer das Bestreben, ein Profil auszubilden. Das Ergebnis sind weniger standardisierte Studiengänge als in der Vergangenheit, was den großen Nachteil hat, dass jede Universität auch andere Kompetenzen vermittelt. Das ist im Grunde ein großes Ärgernis. Wir haben durch das Lehramtsausbildungsgesetz NRW zwar Dinge, die in allen Lehramtsstudiengängen Nordrhein-Westfalens gelehrt werden müssen. Aber das Lehramtsausbildungsgesetz schreibt nicht vor, ob diese Punkte im Bachelor oder im Master liegen müssen. Das heißt, bestimmte Universitäten verlegen Inhalte in den Master, das macht Bochum zum Beispiel, wobei wir in Duisburg-Essen diese Inhalte bereits im Bachelor unterrichten.

„Dann müsste man im Master immer noch was nachstudieren, aber dann wäre es immerhin im Rahmen der Möglichkeiten.“

ak[due]ll: Die Ursache der Probleme ist, dass sich die Universitäten verschiedene Schwerpunkte gesetzt haben und die Historie, wie sich die Studiengänge an der jeweiligen Hochschule entwickelt haben?

Osthus: Das sind die Hauptgründe. Es gibt aber auch noch andere. Seit klar war, dass die Bachelor- und Masterstudiengänge eingeführt werden sollten, blieb nur ein Jahr lang Zeit, um sie strukturell zu planen, die Modullehrpläne zusammenzustellen und die Lehramtsstudiengänge fertig zu bauen. Natürlich gab es Parallelen zur Strukturierung an anderen Universitäten, man tauschte sich auch untereinander aus, aber es konnte keine Rede davon sein, in ganz Nordrhein-Westfalen für etwa Spanisch oder Französisch genau dieselbe Modulstruktur zu bauen.

ak[due]ll: Was war vorgegeben und was war frei gestaltbar?

Osthus: Die Aufteilung technischer Art, etwa, wie viele Credit Points pro Modul gegeben wurden, war vorgegeben. Man darf Module auch nur auf zwei Semester strecken. Für nicht-Lehramtsstudiengänge ist das aber wieder anders. Für die gibt es diese Vorgaben nicht.

ak[due]ll: Bei den nicht-Lehramtsstudiengängen dürfen die Credit Points für die Module also variieren, Hauptsache, am Ende des Studiums kommt dieselbe Gesamtpunktzahl raus?

Osthus: Genau. Da geht es nur darum, dass man pro Semester einen bestimmten Satz Credit Points zusammen hat und am Ende des Studiums einen festen Gesamtsatz.

ak[due]ll: Wie würde es für einen Wechsel von nicht-Lehramt zu Lehramt aussehen?

Osthus: Schlecht. Im bildungswissenschaftlichen Anteil wären dann 0 ECTS vermerkt und das würde im Zweifel dazu führen, dass mehr als 45 ECTS nachstudiert werden müssten, das ist zu viel. Man könnte sich höchstens für einen Lehramtsbachelor einschreiben, dort einige der bildungswissenschaftlichen Kurse besuchen, sich die anrechnen lassen und dann alle Punkte aus zwei Bachelorstudiengängen zusammenführen. Dann müsste man im Master immer noch was nachstudieren, aber dann wäre es immerhin im Rahmen der Möglichkeiten.

ak[due]ll: Ist es nicht sehr ärgerlich, dass Leute, die bis auf eine kleine Variation dieselben Inhalte innerhalb eines Moduls hatten, deswegen alles noch einmal neu machen müssen?

Osthus: Ich empfehle jedem Studierenden im Zweifelsfall wirklich, die Anerkennung im Detail nochmal nachzufragen. Mir sind zum Beispiel auch einige Fälle bekannt, wo allein anhand der Papierform nicht ersichtlich war, was für Kompetenzen tatsächlich alle vermittelt wurden. Aber wenn die Studierenden dann bei uns aufschlagen und uns ein bisschen mehr zeigen als nur das formale Studienprogramm, zum Beispiel, „Hey, ich habe hier eine Arbeit geschrieben und dieses Referat gehalten“, dann sind häufig auf Nachfrage Anerkennungen möglich, die auf den ersten Blick nicht so erscheinen. Auch hier würde ich die zuständigen Kustos als Ansprechpartner empfehlen.

Hinweis der Redaktion: Aufgrund eines Fehlers ist in der gedruckten Zeitung, der Juli-Ausgabe, bei diesem Interview ein falscher Abschnitt im abgedruckten Text erschienen. Dieser Fehler wurde nachträglich für die Onlineversion korrigiert. Der Fehler ist zu Stande gekommen, da wir in unseren Seitenentwürfen der gedruckten Ausgabe bereits erschienene Texte als Vorlage verwenden und durch die neuen Texte ersetzen. Als Seitenentwurf für Interviews dient dazu ein Interview mit der Internationalen Liste. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen. Aus Transparenzgründen seht ihr hier die Frage und Antwort, die in die Printausgabe gerutscht ist:

ak[due]ll: Einige Studierende durchleben bei der digitalen Anmeldung von Prüfungen viele Probleme. Zusätzlich verlieren sie bei den vielen unterschiedlichen Portalen – HISinOne, LSF, Moodle, Semesterapparat – die Übersicht. Wie wollt ihr hier für einen klaren Durchblick sorgen?

IL: Dass es mehrere Portale gibt ist bewusst so. Wenn zeitgleich mehrere tausend Studierenden auf EIN Portal zugreifen würden, würden die Server zusammenbrechen. Die Aufgabe der Studierendenschaft liegt darin, den Studierenden in Zusammenarbeit mit den Fachschaften die Portale so gut wie möglich zu erklären und Informationsveranstaltungen durchzuführen.“

 

Bildquelle: lizenzfreies Bildmaterial von pixabay

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