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Zur Identität

08.11.2013 16:33 - Friedrich von Einhalt

Bürgerliche Identität ist ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Die bürgerliche Kultur hat dafür gesorgt, dass sie restlos verschwunden ist. Zur Zeit der Monarchie hatte der Mensch einen Platz in der Gesellschaft. Heute hingegen soll dieser permanent erarbeitet werden.

Identität ist heute nur Identität auf Zeit. Der Bürger, der morgens zur Arbeit geht ist nicht identisch mit dem Bürger, der abends nach Hause kommt. Er darf es auch nicht, denn entweder würde sein Betrieb oder seine Frau den Bürger vor die Tür setzen,
wäre er stets der Gleiche.

So sucht der Bürger sich einfache Identitätssurrogate. Er identifiziert sich hier mit dem Fußballverein, dort mit seinem Geschlecht und anderswo mit der Nation. Er mag wohl begreifen, dass derart kurzlebige Etiketten nicht viel mit der gottgewollten Ordnung gemein haben, doch immerhin geben sie ihm einfache Regeln, wie er sich zu benehmen hat. Da steht er dann und predigt Vielfalt, während um ihn herum andere Bürger stehen, die kaum noch von ihm zu unterscheiden sind.

Am Ende produziert die bürgerliche Gesellschaft eine Vielzahl identischer Bürger, welche vor lauter Individualität nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Austauschbare Wesen, die sich reibungslos vom unteren zum oberen Ende durchreichen lassen und wieder zurück. Gesellschaftliche Mobilität nennt der Bürger das. Wohin sie führen soll, weiß niemand.

Hochachtungsvoll,

Friedrich von Einhalt

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