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Wer alles gibt, muss mehr bekommen

02.09.2013 00:44 - Friedrich von Einhalt

Mit obenstehendem Satz wirbt die Sozialdemokratische SPD derzeit für sich und die Einführung eines Mindestlohnes. Wir sehen einmal davon ab, das das natürlich rein logisch völliger Unsinn ist. Wer alles gibt, kann vielleicht auch alles zurückbekommen, aber auch sicherlich nicht mehr.


Mit solchen Problemen mag sich die analytische Philosophie beschäftigen, viel interessanter ist jedoch, welches Menschenbild hinter dieser Zeile steckt. Was der Bürger damit meint ist doch letztlich: „Wer nicht alles gibt, soll ein paar aufs Maul bekommen.“ Wer sich hingegen aufopfert für einen höheren Zweck, und sei dieser bloß die eigene Altersvorsorge, der soll mehr bekommen. Mehr bekommen als jener, der nebenher noch über ein Privatleben verfügt.


Die bürgerliche Idee des Privatlebens begann als Versuch der widernatürlichen Aneigneung von Adelsprivilegien. Privates Leben ist Privatsache. Es spielt sich hinter verschlossenen Türen ab, wie der Vollzug ehelicher Pflichten. Es ist des Bürgers Heiligtum und Utopie zugleich. Das Recht auf ein Privatleben muss allerdings teuer erkauft werden. Es ist der Ritterschlag des Schreibtischbürgers und zeigt, wie wenig erfolgreich das Bürgertum gegen die Natur aufbegehren vermochte: Unter dem privatlebenden Großbürger stehen somit wieder jene, die nicht bloß alles hergeben müssen, sondern auch noch für ihre Misere verantwortlich gemacht werden. Der Feudalismus war da ehrlicher.



Hochachtungsvoll,


Friedrich von Einhalt

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