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RATGEBER & TERMINE

Was tun beim Nachbarschaftsstreit?

Negative Vibes machen auch vor Zäunen nicht halt. [Symbolfoto: pixabay]

06.10.2020 17:20 - Özgün Ozan Karabulut

Lernen für Klausuren, Homeoffice oder einfach nur chillen: Gerade in Zeiten von Corona verbringt man notgedrungen mehr Zeit zu Hause, als einem lieb ist. Umso wichtiger ist es, dass man sich in den eigenen vier Wänden und der Nachbarschaft wohlfühlt. Streit mit den Nachbarn kann erheblichen negativen Einfluss auf euer Wohlbefinden haben und auch eine geeignete Atmosphäre zum Lernen oder Ausruhen zunichte machen. Jedes halbe Jahr taucht abermals der Endboss des Semesters auf: Die nervenaufreibende Klausurphase. Partys der Nachbarn bis in die Morgenstunden oder Streit, weil ihr als Ausgleich zum Alltag auf eurem Instrument üben wollt, kann man in stressigen Phasen nicht gebrauchen. Wir zeigen euch, welche Rechte ihr habt und wie Konflikte in der Nachbarschaft am besten gelöst werden können.

Einer der häufigsten Gründe für Streit unter Nachbarn sind Ruhestörungen und Lärmbelästigungen. Von Rasenmähen an Feiertagen, bis zu mitternächtlichen Gesangsübungen ist alles dabei. In Deutschland gilt von 22 bis 6 Uhr  die Nachtruhe. Sie ist auch draußen verbindlich: Gespräche im Garten oder vor der Haustür sind in entsprechender Lautstärke zu führen. Die Mittagsruhe ist abhängig vom Mietvertrag: Gängige Ruhezeiten in den meisten Hausordnungen sehen hier einen Zeitraum zwischen 13 und 15 Uhr vor.

An Werktagen ist lautes Werken wie Hämmern, Bohren oder Rasenmähen zwischen 7 und 20 Uhr erlaubt, soweit dies nicht durch die Hausordnung eingeschränkt wird. Alle Tätigkeiten, die Krach machen, sind an Sonn - und Feiertagen nicht erlaubt. Für das Musizieren werden außerhalb der Ruhezeiten pro Tag zwei bis drei Stunden den Nachbarn als zumutbar angesehen. Wenn ihr eure Lieblingssongs hört, ist die Zimmerlautstärke zu beachten. Grundsätzlich gilt hierbei, dass in der Nachbarwohnung die Geräusche nicht oder nur sehr leise zu hören sind. 

Was könnt ihr tun?

Was also tun, wenn die Nachbar:innen sich nicht an die Regeln halten und ihr einen Streit verhindern oder lösen wollt? Unser Tipp: Egal wie ihr vorgeht, lasst euch nicht auf die Palme bringen und bleibt freundlich. Das ist leider nicht immer so einfach und Zähne zusammenbeißen tut auf Dauer auch weh. Zuerst sollte man das Gespräch mit den Beteiligten suchen. Manchen Mitmenschen ist vielleicht unbewusst, dass sie sich blöd verhalten und somit das Nachbarschaftsverhältnis stören. Beachtet hierbei, dass ihr höflich, aber direkt auftretet. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass ihr Bittsteller:in seid und um einen Gefallen bittet. Ihr macht den:die Nachbar:in auf das Fehlverhalten aufmerksam und fordert die Unterlassung dieses Verhaltens.

Alle Tätigkeiten, die Krach machen, sind an Sonn - und Feiertagen nicht erlaubt.

Am besten führt ihr das Gespräch draußen. Ein Gespräch im Hausflur solltet ihr vermeiden, da er:sie die Haustür vor eurem Gesicht zuknallen kann und die gegnerische Partei somit die Kontrolle über das Gespräch hat. Falls möglich, sucht euch Mitstreiter:innen in eurem Anliegen. Hierbei ergibt es Sinn, andere Nachbar:innen im Haus oder in der Nachbarschaft zu mobilisieren, die ebenfalls von eurem Problem betroffen sein könnten. Scheitern die Versuche der Kommunikation, weil die gegnerische Partei ihr Fehlverhalten nicht einsieht, Gespräche abblockt oder keine Besserung in Sicht ist, kann der:die Vermieter:in informiert werden. Bei Lärm und Ruhestörungen könnt ihr ein Lärmprotokoll erstellen, indem ihr alle relevanten Informationen wie die Dauer und Art der Störung festhaltet. Das könnt ihr dann dem:der Vermieter:in zur Verfügung stellen.

Möchte oder kann man sich nicht an den:die Vermieter:in wenden, dann ist eine Mitgliedschaft in einem Mieterverein wie dem des Deutschen Mieterbunds wärmstens zu empfehlen. Hier kostet die Mitgliedschaft zwischen 50 und 90 Euro pro Jahr. Der Vorteil hierin besteht, dass euren Anliegen mehr Nachdruck verliehen wird– im Gegensatz zu einem selbst verfassten Schreiben an den:die Vermieter:in. Die Jurist:innen kümmern sich um eure Probleme und übernehmen unter anderem den Schriftverkehr mit dem:der Vermieter:in. Der Mieterverein liefert euch nicht nur eine kostengünstige Rechtsberatung, sondern setzt sich auch  für eure Belange und Interessen ein. So könnt ihr euch an den Mieterverein richten, wenn beispielsweise eine ungerechtfertigte Mieterhöhung verhindert werden soll.

Letzter Ausweg: Blau-weißer Partybus!

Ihr habt mit dem:der Nachbar:in gesprochen, den Vermieter informiert und trotzdem laufen lautstark Ballermann Hits oder Songs von Capital Bra in der Nachbarwohnung?

Wenn ihr nachts kein Auge zu bekommt, könnt ihr nach 22 Uhr den Sachverhalt bei der örtlichen Polizeidienststelle telefonisch melden. Ihr werdet dann gefragt, von wo ihr anruft und wo die Ruhestörung zu verorten ist. Außerhalb der Nachtruhe steht das Ordnungsamt für euch bereit. Wer möchte denn gerne der Party-Crasher sein und die Polizei oder das Ordnungsamt rufen? Wenn ihr solche Zweifel habt, denkt einfach daran: Es besteht ein Recht auf Ruhe und keines auf Lärm. Die Nachbarn stören das Nachbarschaftsverhältnis massiv und nehmen keine Rücksicht auf ihre Mitmenschen, nicht ihr! Zeigt keine Toleranz gegenüber intoleranten Nachbarn und geht höflich, aber entschlossen vor. Wenn ihr mit Worten nichts mehr erreichen könnt, reagiert lieber mit Stille als mit Anschuldigungen.

Also keep in mind, wenn ihr die erste Post-Corona WG-Party schmeißt: Rücksicht nehmen und geben. Niemand mag egoistische Menschen, denen ein gestörtes Nachbarschaftsverhältnis egal ist. Schließlich möchte sich doch jeder:e daheim wohl und geborgen fühlen.

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