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Was ich aus 8 Jahren Studium übers Studieren gelernt habe

Ciao Studium [Foto: Jacqueline Brinkwirth]

06.10.2020 17:04 - Jacqueline Brinkwirth

Zu Studieren heißt Höhen und Tiefen erleben, hinschmeißen wollen und doch weiter machen, bestehen und durchfallen. Ist das Studium dann erfolgreich gemeistert, stellt sich die Frage, was man aus dieser Zeit letztlich mitnimmt. Was Redakteurin Jacqueline aus acht Jahren Studium gelernt hat und welche Ratschläge sie Noch-Studierenden mit auf den Weg geben möchte.

Für viele Menschen ist das Studium die schönste und befreiteste Zeit ihres jungen Erwachsenenlebens.

Was mache ich nach meinem Studium?

Worauf ihr vor dem Ende eures Studiums achten solltet und wo ihr an der UDE Unterstützung findet.
 

Für mich war das nicht immer so. Zeitweilig war mein Studium sogar ziemlich belastend, mein Tagesablauf stressig und meine Nächte waren von Unruhe und Ängsten geprägt. Was ich als fordernd empfand, war allerdings nicht mal das Studieren an sich. Pläne für meine persönliche und berufliche Zukunft zu machen hat mich deutlich mehr unter Druck gesetzt als Hausarbeiten zu schreiben oder für Klausuren zu lernen. Was ich im Bachelor-Studium noch nicht wusste: Sich ständig einen Kopf über Zukünftiges zu machen, lenkt ziemlich davon ab, die positiven Momente des Hier und Jetzt bewusst mitzuerleben. Gute Leistungen bringen zu wollen, um schließlich einen guten Abschluss zu machen und einen guten Job zu finden – das alles ist lobenswert und völlig ok. Aber es gibt Dinge, die ebenso wichtig sind: persönlich zu wachsen, sich mit der eigenen Umwelt und sich selbst auseinander zu setzen, mal auszuschlafen und einen Tag sorgenfrei zu gestalten, Neues auszuprobieren und dazuzulernen. 

Kein Wettlauf mit der Zeit

Deswegen ist mein erster Tipp folgender: Orientiert euch an der Regelstudienzeit, aber versucht, nicht krampfhaft daran festzuhalten. An der Uni und auf dem Campus gibt es viel mehr zu erleben als das, was auf dem Lehrplan steht. Probiert euch aus und nehmt euch Zeit, um eure Stärken zu finden. Daraus ergibt sich häufig der Fahrplan, mit dem ihr eure Zukunft ganz nebenbei auf Kurs bringt – ohne schlaflose Nächte und Klausurphasen-Zombie-Modus. Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, um entspannt durchs Studium zu gehen. Es ist absolut ok, zwischendurch mal Luft zu holen und neu einzuschätzen, ob sich gerade alles richtig anfühlt oder nicht. 

Studieren ist mehr als auswendig lernen

Der Alltag, zeitgleich alle Semesterleistungen, Nebenjobs und Freund:innen und Freizeit zu jonglieren, hat mich oft genug die Nerven gekostet.

Viel Zeit, mich in Inhalte zu vertiefen und genauer darüber nachzudenken, blieb mir meistens nicht. Aber: Studieren ist mehr als nur Daten und Fakten auswendig zu lernen. Es geht auch um Zusammenhänge, um das große Ganze und darum, Dinge weiterzudenken. Genau das nehmt ihr am Ende aus dem Studium mit: die Fähigkeit, Fragen auf den Grund zu gehen und zu reflektieren, eigene Fragen zu entwickeln und das Wesen von Dingen zu erkennen. Darauf müsst ihr euch allerdings einlassen, was einfacher klingt als es ist. Aber wenn ihr es versucht, wird es sich lohnen, versprochen!

Aufschieben tut erst am Ende weh

Was soll ich sagen? Prokrastinieren ist Teil meiner Persönlichkeit. Das hängt auch damit zusammen, dass mit dem Aufschieben trotzdem immer alles irgendwie hingehauen hat. Das Problem dabei ist, dass sich meine Denkstruktur und mein Gehirn daran so sehr gewöhnt haben, dass ich ohne eine Deadline im Nacken erstmal wenig bis gar nichts mache. Für Hausarbeiten und Klausuren war das selten dramatisch. Bei meiner Masterarbeit hat sich jedoch deutlich gezeigt, wie viel entspannter der gesamte Arbeitsprozess mit besserem Zeitmanagement gewesen wäre. Da war es allerdings schon zu spät, um meinen Workflow einmal komplett auf den Kopf zu stellen. Lasst Prokrastination nicht zur Routine werden, denn am Ende eures Studiums zahlt sich gute Organisation doppelt aus.

Work-Life-Balance ist ein Mythos

Alle Aspekte des Lebens zu jedem Zeitpunkt miteinander vereinbaren zu können, ist eine sehr schöne Vorstellung, die sich jedoch kaum mit der Realität deckt. Es wird während des Studiums immer Phasen geben, in denen Freizeit und Workload erst in Einklang und kurz darauf wieder gar nicht ausgeglichen sind. Der Punkt ist folgender: Wenn ihr einen Weg findet, wie ihr mit dieser Achterbahn aus Chaos und Struktur umgehen könnt, muss nicht immer alles rund laufen. Wichtig ist lediglich, Ruhe zu bewahren und am Durcheinander nicht zu verzweifeln. Lasst es einfach existieren und bewältigt das Ganze in kleinen Schritten, statt nach der Superlösung für alles zu suchen. Erfahrungsgemäß ist studieren nämlich einem Puzzle mit 5.000 Teilen recht ähnlich.

Fehler machen gehört dazu

Im Studium kommt immer wieder Neues und Unbekanntes auf euch zu. Das wird euch zwangsläufig irgendwann an eure akademischen Grenzen bringen.

In einer Klausur in den Drittversuch zu müssen, eine Hausarbeit mit einer schlechten Note zu bestehen oder ein Referat zu versieben heißt nicht, dass ihr euer gesamtes Studium in den Sand gesetzt habt. Ich habe sehr lange gebraucht, um zu begreifen, dass es im Studium kein Versagen gibt. Zu akzeptieren, dass ich manche Dinge nicht weiß und manche Dinge nicht gut kann, war zwar erstmal kein schöner Gedanke. Damit klarzukommen und es nochmal zu versuchen, hat mir allerdings gezeigt, dass ich doch mehr kann als ich angenommen hatte. Aus den eigenen Fehlern zu lernen und sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, bringt euch viel weiter, als diese Fehler als unüberwindbare Hindernisse zu betrachten. Für jedes Problem gibt es am Ende eine passende Lösung, deswegen ist es auch kein Zeichen von Schwäche nach Hilfe oder Rat zu fragen. Im Gegenteil: Damit beweist ihr am Ende nur, dass ihr euch von Schwierigkeiten nicht aufhalten lasst. Und das ist ziemlich smart. 

Zum Schluss: Zu studieren heißt, zu lernen. Nicht nur im Hinblick auf das eigene Studienfach, sondern vor allem auch im Umgang mit Krisen, mit den eigenen Fähigkeiten und Kenntnissen und mit sich selbst. Dabei wird es immer Höhen und Tiefen geben, das gehört dazu. Das Wichtigste ist, sich davon nicht entmutigen zu lassen, sondern kreativ zu werden und den Weg zu gehen, bei dem ihr ein gutes Gefühl habt. Was ich aus acht Jahren Studium mitgenommen habe, ist vor allem eines: Es klappt alles irgendwie, solange man es mit etwas Ruhe und Gelassenheit angeht. Und wenn ihr dann irgendwann auf euer Studium zurückblickt, könnt ihr das mit einem positiven Gefühl tun und mit der Gewissheit, dass ihr daran gewachsen seid – wenn auch nur ein kleines Bisschen. 

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