Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

RATGEBER & TERMINE

Schöner Schreiben leicht gemacht

Guter Stil macht einen Text attraktiver.

[Symbolfoto: Erik Körner]

21.08.2020 16:32 - Erik Körner

Fgal, ob ihr vorhabt zu bloggen, Autor:innen oder Journalist:innen zu werden: Beim Schreiben können mehr Dinge schiefgehen, als ihr annehmt. Wir haben für euch einige Tipps gesammelt, die eure Texte verschönern werden.

Kurze Sätze lesen sich am leichtesten. Zum Glück gibt es Richtlinien, wie viele Wörter ein einfach lesbarer Satz enthalten sollte. Laut des Ludwig-Reiners-Schema – benannt nach dem gleichnamigen Schriftsteller – besteht ein sehr leicht verständlicher Satz aus maximal 13 Wörtern; ein leicht verständlicher Satz hingegen aus 14 bis 18 Wörtern.

Sprachpurismus? Nein, danke.

Unser Redakteur, und angehender Linguist, Erik Körner über Sprachpurismus. Ein Kommentar.
 

Bei philosophisch-ausufernden Sätzen laufen Schreiber:innen Gefahr, ihre Leser:innen spätestens ab der Hälfte zu verlieren. Das liegt nicht nur an dem hohen Informationsgehalt, den lange Sätze typischerweise innehaben. Gigantische Wortketten harmonieren nicht mit unserer verbalen Kommunikation. In der Regel enthalten unsere gesprochenen Sätze nicht mehr als 18 Wörter, weil unser Atem durchschnittlich für 18 Wörter reicht.

Da wir außerdem primär in Hauptsätzen sprechen, sind Hauptsätze die besten Freunde aller Schreiber:innen. Vor allem die Kurzen und das seit Jahrtausenden. Schon die Bibel war voll ihnen: „Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ Wie ihr Name vermuten lässt, enthalten sie die Hauptaussage eines Satzes – nämlich welche Handlung das Subjekt ausführt und eventuell womit, worauf oder mit wem. Eingeschobene Nebensätze, selbst wenn sie kurz sind und richtig eingeschoben wurden, reißen Hauptsätze auseinander (so wie hier). Bei diesem Beispiel musstet ihr bis zum Ende des Satzes warten, um zu wissen, was das Subjekt überhaupt macht. Wer welche Handlung ausführt, muss dem Verständnis zuliebe also vor dem Nebensatz geklärt werden.

Königsdisziplin Verben

„Eingeschobene Nebensätze reißen einen Satz auseinander, selbst wenn […]“ liest sich direkt leichter. Ähnliches gilt für zweiteilige Prädikate wie „haben gegessen“. Kein (langer) Einschub zwischen beiden Teilen. Für ein bisschen Würze können Nebensätze jedoch vor den Hauptsatz gezogen werden, wie in „Dass das passieren würde, wussten wir nicht“. Sind Einschübe darüber hinaus zu lang, fliegen Leser:innen möglicherweise gänzlich aus dem Satz. Laut „Stilpapst“ und Journalist Wolf Schneider sollten Einschübe nach maximal sechs Wörtern oder zwölf Silben enden. Das gilt auch für vorangestellte Nebensätze.

Wer für ein Publikum schreibt, sollte sich nicht damit zufriedengeben, nur die Köpfe der Leser:innen zu erreichen. Texte sollen sich dort festkrallen. Dafür sorgen unter anderem möglichst bildhafte Sätze, die wiederum nach aussagekräftige Verben verlangen. Verben sind von Natur aus dynamisch, da sie statt einzelner Objekte oder Eigenschaften ganze Handlungsverläufe beschreiben. Dementsprechend sollte der Verbenwahl die größte Aufmerksamkeit zukommen. „Die Wellen trafen den Strand“ wäre ein geeigneter Satz, um einen Nordseeaufenthalt zu illustrieren – nur leider etwas einschläfernd. Wie wäre es stattdessen mit „peitschten“ oder „streichelten den Strand“? Ungefähr dieselbe Aussage, dafür mit deutlich präziserer Bildsprache.

Obwohl es widersprüchlich klingt, existieren auch undynamische Verben, etwa „vorliegen“ oder „bestehen“. Sie drücken keine Handlung aus, sondern einen Zustand und sollten deswegen nie die erste Wahl sein. Ebenfalls sollten Nomen nicht anstelle von Verben treten. Das saugt die Dynamik raus. Gerade in wissenschaftlichen Texten wird aus Wörtern wie „beschreiben“ gerne mal „Beschreibung“ gedreht. Umständliche Verb-Nomen-Haufen sind ebenso unappetitlich. „Der Arzt führte die Operation durch“ zieht gegen „Der Arzt operierte“ den Kürzeren.

Etwas genauer, bitte

Ansonsten sind Nomen vergleichsweise pflegeleicht – solange man ihre Funktion im Hinterkopf behält. Sie beschreiben konkrete Dinge. Für den besten Effekt sollten daher nur die konkretesten Nomen ihren Weg in eure Sätze finden. Zu sagen „In dem Zimmer standen viele Möbel“, wirkt abstrakt. „In dem Zimmer standen drei Sessel, ein Sofa und ein Schrank mit Flügeltüren“ ist zum Anfassen.

„Wenn du ein Adjektiv für dein Verb brauchst, hast du ein beschissenes Verb.“

Adjektive sollten nur dann ihren Weg in eure Texte finden, wenn sie absolut nötig sind, etwa bei Farben, Geschmäckern oder Vergleichen. Einen Satz mit ihnen zu überschütten ist ungefähr so, wie ein halbvolles Glas Cola mit Wasser aufzufüllen. Das Glas ist voller und wer es nicht besser weiß, könnte sich über mehr Cola freuen. Aber der Inhalt ist verwässert. Stephen King soll mal gesagt haben: „Wenn du ein Adjektiv für dein Verb brauchst, hast du ein beschissenes Verb.“ Statt „Sie ging schnell“ sollte man „Sie rannte“ schreiben. Für Nomen gilt dasselbe. „Nervige Hunde“ sind nur lange „Köter“. Am wichtigsten ist aber: Ihr müsst für schönes Schreiben nicht auf ewig Wörter zählen und Substantivierungen ausmerzen. Über Schreibstil wurden schon ganze Bücher verfasst. Alle Feinheiten zu kennen und anwenden zu können, braucht Übung. Mit der Zeit macht ihr das irgendwann automatisch.

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