Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

RATGEBER & TERMINE

Radfahrende aller Länder, vereinigt euch!

(Foto: Sascha Kohlmann/flickr.com/CC BY-SA 2.0)
11.05.2018 18:36 - Philipp Frohn

Ich saß seit knapp fünf Jahren nicht mehr hinterm Steuer eines motorisierten Vehikels und bin nicht der größte Fanatiker von überfüllten, an Viehtransport erinnernde Fortbewegungsmittel, die die Duisburger Verkehrsgesellschaft beschönigend als Straßenbahnen bezeichnet. Viel lieber setze ich mich auf mein nicht von den Nextbike-Beiträgen finanzierten Fahrrad namens Colonel George und düse durch die Stadt – und zwar rund ums Jahr. Der Fahrtwind weht durchs Haar, Insekten starten Luftangriffe auf jeden Quadratzentimeter meines Gesichts und das Fahrradradio lässt mich zum ewigen Rentner mutieren.

Schön könnte das Leben als Radfahrer sein, quasi eine zeitweilige Flucht aus den Anstrengungen verschiedener Verpflichtungen. Umweltschonend, sportlich und selbstbestimmt – weder mangelnde Transportkapazitäten, kilometerlange Staus, noch schlecht getaktete Fahrpläne kommen in die Quere. Doch die mir so wichtige Selbstbestimmtheit wird nicht selten gepeinigt von motorisierten Gehirnakrobat*innen, deren automobile Enteignung einen vorderen Platz in der politischen Agenda einnehmen sollte. Gefährliche Überholmanöver auf Straßen, temporäre Blindheit gegenüber Radfahrenden an Kreuzungen und – der Klassiker – parkende und haltende Fahrzeuge auf Radfahrstreifen. 

Wenn ich solche Intelligenzweltmeister*innen – klischeehaft natürlich in einem hochgepimpten Sportwagen posierend – auf den Radstreifen erblicke, nehme ich mittlerweile die Gefahr der Hauptstraße in Kauf.  Zum Stressabbau empfiehlt aber  es sich, solidarischen Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmenden über Bord zu werfen. Es ist schon erstaunlich, wie wutentbrannt diese Parkwunder genieren, wenn ich mich als Fahrradfahrer demonstrativ auf der Fahrbahn positioniere und ein wenig verdattert in die Gegend starre, um diesen Individuen den Spiegel vorzuhalten. Diskussionen und Appelle an den gesunden Menschenverstand stoßen schnell an ihre Grenzen und kosten nur Zeit. Manchmal ist es ein ärgerlicher Umstand, dass unser Strafgesetzbuch den Tatbestand der Sachbeschädigung kennt. Zumindest kann man aber diesen Solidaritätsdelittant*innen einen Denkzettel verpassen, indem man dem städtischen Ordnungsamt petzt. Einen direkten Vorteil hat man vielleicht nicht. Komplett altruistisch ist die Verwandlung in einen dieser furchtbar kleinkarierten Angehörigen des deutschen Spießbürgertums aber nicht: Die Genugtuung bei der Vorstellung, wie sehr sich diese Person über das Ordnungsbußgeld ärgert und in seinem Feindbild ‚Radfahrer’in‘ gestärkt wird, ist nicht mit Geld zu messen. Mobiler Radikalismus kann eben auch spießig sein.

 

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