Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

RATGEBER & TERMINE

PMS: Über ein unterschätztes Phänomen

Bei PMS helfen unter anderem Wärme und Kräutertees.

[Foto: Laura Lindemann]

23.10.2020 15:42 - Laura Lindemann

Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) tritt in den Tagen vor der Menstruation auf. Diese Tage können für Menstruierende zur physischen und psychischen Belastungsprobe werden. Gynäkologin Hilke Müller erklärt, was in dieser Zeit mit dem Körper passiert und wie Betroffene am besten mit Beschwerden umgehen können.

Die prämenstruelle Phase hängt mit der zweiten Zyklushälfte, also der Zeit nach dem Eisprung zusammen. Typischerweise beginnt die Phase dann etwa zwei Wochen vor Eintreten der Periode. „In dieser Zeit kommt es oft zu Veränderungen im Körper, sowohl physischer als auch psychischer Natur“, erklärt Gynäkologin Hilke Müller. „Die meisten Frauen bekommen die Symptome allerdings erst wenige Tage vor der Menstruation zu spüren.“ Die körperlichen Beschwerden sind weitreichend: Von Unterleibsschmerzen, Blähgefühl, unreiner Haut und Kopfschmerzen, über Magen-Darm-Probleme, Schwindel, Migräne bis hin zu Brustspannen und Ödem-Neigung können die Symptome einzeln oder gleichzeitig auftreten. „Die psychischen Symptome können sich durch Stimmungsschwankungen, schnellere Reizbarkeit und Aggressivität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme äußern“, so Müller. „Auch Lustlosigkeit kann aufkommen. Man merkt, sowohl die Spannbreite als auch die Menge an Symptomatiken ist groß.“ 

Folgen für Körper und Psyche

Das Gute ist: „So schnell die Symptome kommen, so schnell sind sie auch wieder vorbei. Und zwar mit Eintreten der Regelblutung.“ Laut Müller sei es deshalb wichtig, die Regelschmerzen von den PMS-Beschwerden zu unterscheiden. Denn die Ursache des Syndroms liege am sogenannten Gelbkörperhormon, welches nach dem Eisprung ansteige und kurz vor der Periode abfalle. Gleichzeitig fällt auch der Nervenüberträgerstoff Serotonin ab, welcher Informationsprozesse im Gehirn vermittelt. „Das kann im schlimmsten Fall zu Depressionen während dieser Zeit führen“ sagt Müller. „Man spricht dann von PMDS, dem Prämenstruellen Dysphorischen Syndrom.“ Für Körper und Psyche hat man in der Forschung gewisse Trigger herausgefunden, die menstruierende Personen in der prämenstruellen Phase vermeiden sollten. Dazu zählen Koffein, Alkohol, Zucker und Bewegungsmangel. „Diese Faktoren können die Symptome verstärken.“ 

Bluten für die Umwelt

Ein Ratgeber für nachhaltige Periodenprodukte.
 

Um den Beschwerden entgegenzuwirken rät Müller, sich ausreichend zu bewegen: „Ausdauersport wie Joggen, Radfahren, Walken und Schwimmen stehen ganz oben auf der Liste.“ Denn durch die Bewegung werden die stimmungsaufhellenden Endorphine („Glückshormone“) freigesetzt. Menschen, die während ihrer PMS-Zeit keine Energie, Zeit oder Motivation für ausdauernde Sportarten haben, können ihren Endorphin-Haushalt durch Entspannungsübungen wie Yoga aufstocken.

In schweren Fällen helfen Antidepressiva

 „Man kann auch versuchen, den Verlauf des PMS auch durch passende Ernährung zu beeinflussen“, erklärt Müller. Hilfreich sei neben ausreichend Flüssigkeit eine Magnesium-, Calcium- und Omega-3-Fettsäuren haltige Ernährung. Pro-Tipp der Ärztin: „Ein PMS-Tagebuch schreiben. Wenn man über mehrere Monate aufschreibt, wann die Symptome zunehmen, welche zusätzlichen Stressfaktoren es gibt, was einem in dieser Zeit guttut und was nicht, lassen sich die Probleme einfacher in den Griff kriegen. Man nimmt sich und die Beschwerden bewusster wahr.“ 

Auf Wunsch ihrer Patientinnen hin verschreibt Müller auch die Pille, die den Eisprung und damit die Einflüsse des Progesteronverlaufs hormonell verhindert. In dem Zusammenhang wird die Pille nicht nur als Verhütungsmittel verschrieben, sondern als Therapieform. Wer die Symptome auf pflanzlicher Basis behandeln möchte, sollte zu Präparaten aus Mönchspfeffer oder Johanniskraut greifen. Diese müssen dann während der prämenstruellen Phase durchgängig eingenommen werden. Bei besonders schweren Verläufen, also dem PMDS, kommt es vor, dass eine niedrige Dosis eines Antidepressivums für eine gewisse Zeit eingesetzt wird. Das wird verschrieben, wenn die Patientin Rückzugs- und Selbstentwertungsgedanken, Antriebsstörungen oder depressive Stimmungen hat. Mit Eintreten der Menstruation könne das Medikament dann wieder abgesetzt werden, so die Gynäkologin. 

Sie hält das PMS und vor allem das PMDS für gesellschaftlich unterschätzt: „Manche Frauen leiden sehr stark darunter. Es entstehen beispielsweise Konflikte mit dem Partner, in der Familie, im Beruf oder den sozialen Kontakten. Dann bekommt man schon mal gesagt: ‚Ich glaube du hast wieder deine Tage‘. Aber zumindest erkennt man in der Fachwelt mittlerweile an, dass das PMS Frauen ernsthaft krank machen kann.“ Die damit einhergehenden Probleme dem sozialen Umfeld mitzuteilen, hält sie daher für sinnvoll. Auch ist in dieser Phase das Vermeiden von Konfliktsituationen zum eigenen Selbstschutz wichtig. Um gezielter behandeln zu können, rät Müller in Zyklus-Apps oder -Kalender vorab die Symptome zu dokumentieren und dann den:die Gynäkolog:in aufzusuchen. „So können Patientinnen konkreter Beschwerden schildern, die sich gezielt therapieren lassen.”

Diagnose Endometriose

Was ist Endometriose und wie geht man mit der Diagnose um?
 

Mehr als Blut: Lass’ mal über deine Periode reden

Die Periode und der weibliche Zyklus sind für Viele ein Mysterium. Wir klären die wichtigsten Fragen.
 

Unisex: Was Männer über Menstruation wissen sollten

Um als aufgeklärter Mensch durch die Welt zu gehen, solltet ihr diese Fakten über den weiblichen Zyklus kennen.
 
Konversation wird geladen